01.03.2013 | Ausgabe 03/2013

Editorial

Die Berlinale 2013 ist vorüber und alle Auszeichnungen sind vergeben. Inwieweit aber eine Auszeichnung berechtigt war oder nicht, diese  Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen. Ich jedenfalls habe mir einige Filmpräsentationen angetan und dabei auch das neue Audiosystem Atmos von Dolby erleben dürfen. Ich sage bewusst angetan, denn das was ich oftmals zu sehen bekam, war nicht die Zeit des Vorführers und des Zuschauers wert.  Oftmals wurde eingeblendet, dass die Spezialeff ekte noch bearbeitet würden,
3D war nicht das, was ich mir darunter vorstelle und die Signalqualität entspach nicht der einer Bewerbung um einen Filmpreis. Zudem war der Informationsfluss über die eingesetzte Technik mehr als sparsam und die Off enheit, mit der in den zurückliegenden Jahren über Technik gesprochen wurde, ließ sehr zu Wünschen übrig. Ich werde versuchen, aus den mir vorliegenden Informationen einen interessanten Fachbeitrag zu generieren.

Aber der Informationsfluss ist nicht nur bei einer solchen internationalen Veranstaltung schlecht. Unternehmen weigern sich, über neue Produkte zu berichten, Informationen werden bewusst zurückgehalten und die Bereitschaft zur Kooperation nimmt stetig ab. Ich finde es bedauerlich, dass der Formatvielfalt Tür und Tor geöff net werden, Halbwahrheiten die Runde machen, es aber niemanden gibt, der sich umfassend und fachkompetent zu den diskutierten Themen äußern möchte. Da wird zum Beispiel ein erhöhtes Arbeitsaufkommen vorgeschoben oder die Übernahme zusätzlicher Verantwortung, dass keine Zeit bleibt oder man schweigt sich aus: keine Antwort auf E-Mail-Nachrichten oder Telefonanrufe! Um so mehr Dank gilt denjenigen meiner Autoren, die mit Rat und Tat Ihnen, den Lesern der FKT zur Seite stehen, und Sie mit umfassenden Informationen versorgen. Unsere Branche ändert sich und diese Veränderungen müssen wir wahrnehmen und entsprechend umsetzen. Dazu sind aber Hinweise von Experten erforderlich oder aber die Diskussion der Themen zwingend notwendig, denn wer möchte schon ein neues Geschäftsmodell vorstellen, wenn er nicht sicher ist, dass es auch verspricht, erfolgreich zu sein. Wie sich letztendlich die verändernden Betriebsbedingungen und Finanzierungsmodelle auf die Rundfunklandschaft auswirken werden, wird die Zukunft zeigen.

Also, wieso sollte man sich nicht auch entsprechend darauf vorbereiten? Und wenn ich von einer Vorbereitung spreche, so meine ich sowohl die technischen Voraussetzungen als auch die betrieblichen Gegebenheiten: 3D muss durch gut ausgebildetes Fachpersonal hergestellt werden, damit es zu einem Genuss auf der Zuschauerseite werden soll. Das erfordert Investitionen und ein Umdenken bei der Produktion. Und wenn ich schon von Investitionen spreche, so muss auch das Schlagwort 4K überdacht werden. Solange ein 4K-HDTV-Gerät weit über 12.000 EUR kostet und die Übertragungsbandbreiten nicht verfügbar sind – ganz zu schweigen von fehlendem Content – wird diese Signalqualität sicherlich nur via Blu-ray Disc oder einem anderen adäquaten Speichermedium vorführbar sein und nur einer ausgewählten Klientel vorbehalten bleiben.

Das bedeutet aber nicht, dass ich mich der technischen Innovation versperre. Nein, ganz im Gegenteil. Die FKT wird auch weiterhin die Plattform für innovative Entwicklungen und deren Vorstellungen bleiben. So wird in dieser Ausgabe ausführlich über die HD- und file-basierenden Migrationen und Investitionen bei ARD und ZDF berichtet, ein Ausblick über die Herausforderungen im Bereich Speicherlösungen für die Rundfunkbranche in den kommenden Jahren zusammen mit neuen Workflow-Beispielen gegeben. Wo sich wie und was verändern oder verbessern lässt, muss jeder für sich entscheiden. Das Ziel sollte man aber dabei nicht aus den Augen lassen: Der Content bestimmt die Zuschauerakzeptanz, was uns letztendlich durch die KEF und andere tagesaktuelle Mediendienste immer wieder vor Augen geführt wird. Sind aber diese Zahlen ausschlaggebend? Die Zukunft wird zeigen, ob die Entscheidung zur Investition in neueste Rundfunktechnik sinnvoll platziert war.

Ihr

R. Wagner


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