01.04.2015 | Ausgabe 4/2015

ECMA-407 – Teil I

Internationaler Standard für modularen 3D-Audio-Transport

ECMA-407 ist der einzige hinsichtlich der psychoakustischen Komprimierung modulare Standard zum Transport von 3D-Audio. Formuliert wurde er in Zusammenarbeit von Industrie, Universitäten und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Er vereinigt in sich neueste Erkenntnisse der inversen Kodierung und der Invariantentheorie, modernste Synchronisierung sowie Loudness. Ein NHK-22.2-Signal lässt sich etwa durch weniger als 2 kb/s Seiteninformation ausdrücken, die bei vergleichbarer Qualität der psychoakustischen Komprimierung gleichwertige Ergebnisse zu MPEG-H bei tiefen Bitraten liefern. Die inverse Kodierung im Zeitraum fi ndet ihr neuartiges Pendant im Fourierraum. Dieses kommt ohne Seiteninformation aus, bleibt konform zur Syntax von ECMA-407 und sorgt für erhöhte Stabilität und verfärbungsarme Signale. Eine erste Satellitenteststrecke mit ECMA-407 wurde im September 2014 in Zusammenarbeit mit France Télévisions von SES Astra in Betrieb genommen und von Swissaudec in der „Future Zone“ der IBC gezeigt. Auf der Tonmeistertagung 2014 in Köln wurde ECMA-407 in einem Workshop theoretisch, und mit einem in Echtzeit dekodierten NHK-22.2-Hörbeispiel praktisch vorgestellt.

Unsere Zeit versperrt den Blick in die Vergangenheit, wenn es sich um technische Neuerung oder gar Revolution handelt. Dies ist nicht Schuld der Technik oder Wissenschaft, sondern der vom Marketing geschürte Zeitgeist und die von ihm beschworene Trinität „Schneller, besser, innovativer!“ Den Begriff „revolutionär“ nimmt er nur verschämt in den Mund. Und genau darin liegt die ganze Misere.

Interoperables Weltbild
Auf dem Schreibtisch des Verfassers tickt eine Barockuhr, die vor vielen Jahren liebevoll restauriert wurde – mit einer Ganggenauigkeit von weniger als zehn Sekunden pro Tag. In vielem ähnelt sie einem modernen Audio-Codec, und der Autor mag von dem anonymen Meister gelernt haben, längst bevor er Codecs entdeckte und baute. Jedes Messingrad, jeder schmiedeeiserne Stift, jede Feder mühevoll gedreht. Heute wirbt die schweizerische Uhrenindustrie mit Unikaten – aber auch diese kommen nicht um das umher, was still unser industrielles Zeitalter bestimmt: der internationale Standard.


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