01.06.2015 | Ausgabe 06/2015

Editorial

Harald Link

Harald Link

Liebe Leserinnen und Leser,

die Existenz der „Freien Berufe“ in Deutschland hat sich über viele Jahre hinweg überaus positiv auf die Gesellschaft und die Wirtschaft ausgewirkt. Auf europäischer Ebene werden sie bisweilen argwöhnisch beäugt. Zu Unrecht, denn die Freiberuflichkeit ist in jeder Hinsicht ein wertvolles Gut, das es zu schützen gilt.
In einem klaren Bekenntnis zu den Freien Berufen hat die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD nun in ihrem Antrag „Transparentinitiative der Europäischen Kommission mitgestalten – Bewährte Standards im Handwerk und in den Freien Berufen erhalten“ der EU-Kommission und der Bundesregierung folgendes ins Stammbuch geschrieben: „Die Koalitionsfraktionen bekennen sich ausdrücklich zu den Freien Berufen und zum Handwerk als wichtige Säulen unseres selbstständigen Mittelstandes und unserer Gesellschaft. Sie stehen mit ihrer Vielfalt an beruflichen Tätigkeiten für eine Kultur von Unternehmertum, gesellschaftliche Verantwortung und Leistungsbereitschaft, für Innovation und Wachstum sowie für Arbeits- und Ausbildungsplätze. Vor allem sind die Produkte und Dienstleistungen ein Ausdruck unserer hohen Qualitätsstandards „Made in Germany“ und tragen ganz wesentlich zur Wirtschaftskraft unseres Landes bei.“ Ausdrücklich gelobt wird dabei auch die Rolle der Kammern als demokratisch legitimierte berufliche Selbstverwaltung der Freien Berufe.
Der Hintergrund: Bis zum Januar 2016 muss die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Die Bundesregierung nimmt derzeit an der gegenseitigen Evaluierung der Berufszugangsregelungen in den Mitgliedsstaaten teil; außerdem wird ein Aktionsplan erstellt. In ihrem mehrere Punkte umfassenden Antrag fordern die Regierungsparteien die Bundesregierung unter anderem dazu auf sicherzustellen, dass die geltenden Regelungen der Fremdkapitalbeteiligung für die Freien Berufe erhalten bleiben, um die Unabhängigkeit der Berufsausübung nicht durch wirtschaftliche oder sachfremde Interessen zu gefährden. Außerdem dürfe nach dem Willen der Regierungsparteien das bestehende System der Kosten- und Honorarordnungen der Freien Berufe nicht gefährdet werden, um die gemeinwohlorientierte Leistunserbringung sicherzustellen und einen Preiswettbewerb auf Kosten der Qualität zu verhindern. Wahre und wichtige Worte der Fraktionen von CDU/CSU und SPD, denen nichts hinzuzufügen ist.

Harald Link
redaktion@deutsches-ingenieurblatt.de


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