06.10.2017 | Ausgabe 10/2017

Editorial

Quelle: Privat

Quelle: Privat

Liebe Leser,

kürzlich las ich in einer Umfrage, dass eine große Mehrheit der Deutschen den Rundfunkbeitrag für zu hoch halten. Dabei sind die Bewegbild-Konsumenten durchaus bereit, für interessante Inhalte zu zahlen, jedoch stehen Streaming-Dienste in der Zuschauergunst ganz oben. Für das klassische Fernsehen möchten die meisten jedoch kein Geld ausgeben – auch die privaten Sender machen da keine Ausnahme. Im Gegenzug gab eine Mehrheit der Befragten an, Werbung als besonders störend zu empfinden. Ein Paradoxon, wenn man auf der anderen Seite am liebsten hätte, dass Fernsehen nichts kostet. Doch wir Menschen sind nun einmal manchmal irrational.

Doch was bedeutet das für Rundfunkanstalten und Content-Produzenten angesichts der notwendigen technischen Investitionen in den nächsten Jahren? Soll immer mehr Content immer billiger produziert werden, also „Masse statt Klasse“ für die Youtube-Generation, die wackelige Videos auf dem Smartphone konsumiert, oder investiert man in hochwertige Inhalte für den UHD-Fernseher zuhause, getreu dem Motto „weniger ist mehr“? Für beide Prinzipien lassen sich treffende Argumente finden und das eine schließt das andere auch nicht zwingend aus. Wichtig wird sein, beide Angebote strikt zu trennen, damit die Zuschauer wissen, was sie erwartet. Wo „Premium“ draufsteht, sollten auch Premium-Inhalte drinstecken.

In der Kinobranche gibt es seit einigen Jahren eine ähnliche Entwicklung hin zu VIP-Kinosälen mit Bedienung am Platz und luxuriösen Ledersesseln – ein Heimkino im Kino sozusagen, dass seine Nische gefunden, jedoch das klassische Kino nicht verdrängen konnte – die Mischung macht‘s auch hier. Dass Qualität sich durchaus lohnt und nicht unbedingt teuer sein muss, zeigt ein Blick auf die kürzlich veröffentlichte FFA-Programmkinostudie: Demnach blieben Besucher von Arthouse-Filmen auch im doch mageren Kinojahr 2016 dem Kinobesuch treu und Programmkinos verzeichneten nur einen geringen Umsatzrückgang im Vergleich zur gesamten Branche.

Diese Ausgabe beschäftigt sich im Schwerpunkt mit Technologien und Lösungen, die Content-Kreative und Programmmacher beim Storytelling in verschiedenen Umgebungen helfen können. Ob Kino, TV-Sendung oder Theater, die Möglichkeiten, den Konsumenten mit guten Geschichten zu fesseln, sind heute (fast) unbegrenzt.

Herzlichst Ihre

Angela Bünger


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