06.11.2017 | Ausgabe 11/2017

Live-Reportagen leicht gemacht

Erfahrungen mit mobilen Sendestationen in der Praxis

Bild mit LiveU-Streaming-Technologie in Paris Quelle: © Moritz Wedel, BILD

Peter van der Struijs ist Inhaber der Kameraagentur Van der Struijs Video & Audio mit Sitz in Den Haag. Das dreiköpfige Team ist hauptsächlich für RTL Nieuws tätig und nutzt für seine Nachrichteneinsätze weltweit die mobilen Übertragungssysteme EnGo (Dejero).

Sein Team hat etwa 30 Einsätze pro Monat und berichtet aus Kriegsgebieten genauso wie von großen Sportwettbewerben oder der politischen Bühne. Er schreibt den Erfolg seiner Live-Berichterstattung der Flexibilität seines Teams und der Fähigkeit zu, mit den mobilen Geräten jederzeit schnell auf Nachrichten reagieren zu können.

Vor kurzem hat van der Struijs von der Qualifikation Frankreichs für die FIFA-Weltmeisterschaft 2018 in Russland berichtet; im Spiel am 10. Oktober gewann der Gastgeber gegen Weißrussland im Stade de France. Im August wurde Peter von RTL Nieuws eilig nach Barcelona gerufen, damit die Journalisten vor Ort über die Fußgängerattacken in Las Ramblas und im Badeort Cambrils berichten konnten. Van der Struijs Arbeit ist vielfältig und geht mit hohem Druck einher – er muss in der Lage sein, herausragende HD-Bilder in Echtzeit mit extrem geringer Latenz von praktisch jedem Einsatzort aus zuzuliefern.

„Mit EnGo kann eine Person die Rolle mehrerer übernehmen und gleichzeitig Kameramann, Redakteur, Tontechniker, Techniker, Produzent und Reporter sein“, erklärt van der Struijs. „Ich arbeite im Geschäft der schnellen Nachrichtenübertragung und mit dem mobilen Transmitter kann ich an einem Tag vom Internationalen Strafgerichtshof in den Niederlanden berichten und am nächsten Tag in Brüssel sein, um die neuesten Austrittsgespräche zwischen Großbritannien und der EU zu begleiten.“ Van der Struijs bezeichnet das Gerät gerne auch als sein „All-in-One-SNG“, da es ihm zudem Zugang zu Orten bietet, die zuvor mit einem kompletten Team oder einem Satellitenfahrzeug schwer oder unmöglich zu erreichen gewesen wären.

Für die Olympischen Sommerspiele in Rio lief van der Struijs mit einem RTL-Reporter buchstäblich von einem Veranstaltungsort zum nächsten, um exklusive Interviews mit den glücklichen Medaillengewinnern und den im Kampf um olympische Ehren weniger erfolgreichen Teilnehmern zu erhalten. Als van der Struijs zwei Jahre zuvor für die Fußball-Weltmeisterschaft in der Stadt war, musste er sich für das Übertragen seiner Bilder auf die Bereiche beschränken, in denen das Satellitenfahrzeug zur Verfügung stand – viele Möglichkeiten, Inhalte bereitzustellen, wurden so verpasst.

„Jetzt habe ich mehr Möglichkeiten und auch mehr Zeit, um noch mehr Inhalte aufzunehmen – was meinen Kunden RTL natürlich freut“, so van der Struijs. „Zuallererst wiegt der EnGo nichts im Vergleich zu all den anderen Geräten, die wir transportieren müssen, was an sich viel Energie spart und uns zusätzliche Mobilität verleiht.“ Zudem habe man vor kurzem damit begonnen, den neu entworfenen Rucksack mit V-Mount-Batterie-Adapter zu verwenden, was das Setup noch einfacher mache. „Man drückt einen Knopf, wartet auf eine Netzwerkverbindung und los geht‘s.“

Ein weiteres wichtiges Feature ist nach Angaben von van der Struijs der einfache Austausch von SIM-Karten, während man von Region zu Region oder von Land zu Land reist. Das System kann mit 2 x 6 SIM-Karten ausgestattet werden, zum Beispiel für die lokale Nutzung vor Ort und für den internationalen Gebrauch.“

Mit vereinfachten Anschlussmöglichkeiten, erweiterten Roaming-Lösungen und verbesserten Carrier-Diensten codiert das Gerät IP-Video und bindet alle verfügbaren Netze an wie Mobilfunk-, WLAN-, Ethernet- und BGAN- oder Ka-Band-Satelliten an.

Die leistungsstarken Drahtlosmodule und integrierten MIMO-Dualband-WLAN-Funktionen des Systems sorgen für eine schnelle Breitbandanbindung.

„Um die Bildqualität sicherzustellen, verwende ich gerne einen 10 Mb/s-Transportstrom, der wirklich kristallklar ist, aber wenn die Netze sehr überfüllt sind, gehe ich auf die üblicheren 5 Mb/s herunter, was eigentlich auch sehr gut ist. Allerdings kann meine Bitrate an bestimmten Stellen, sogar während Live-Verbindungen, durch ein schlechtes Netz beeinträchtigt werden und ist schon auf 3,5 Mb/s gesunken, was mich veranlasst hat, zu glauben, dass meine Bilder verzerrt sind. Der Hauptschaltraum meines Kunden und die Studiobetreiber haben mir jedoch versichert, dass die Bilder perfekt in HD sind und die Qualität überhaupt nicht beeinträchtigt wird.“

Dies liegt an der Intelligent Connection Management-Technologie des Herstellers, die sich in Echtzeit einer Netzwerküberlastung anpasst. Van der Struijs Kunde RTL arbeitet mit dem Control-Management-System von Dejero im Sender, was das Management von EnGo-Übertragungssystemen weltweit ermöglicht. Das Control-Cloud-Management-System erlaubt Studiotechnikern die Geolokalisierung, die Überwachung der Leistung und die Fernsteuerung von Transmittern über jeden Webbrowser. Sie können eingehende Feeds anzeigen und sowohl Live- als auch aufgezeichnete Inhalte in On-Air-Playout- und Online-Verteilungsworkflows routen. Darüber hinaus kann das Team von van der Struijs das Signal und die Qualität selbst über Mobiltelefon und Webbrowser für ihren Kunden steuern.

„Das Wichtigste ist für uns das einfache Übertragen von Videos. Die Leiste, die auf dem Bildschirm aufleuchtet, ermöglicht eine schnelle Übersicht über den Status der Verbindung: Wenn sie blau ist, ist alles gut, wenn sie orange ist, ist die Verbindung nicht so gut, und wenn sie rot ist, ist die Verbindung schlecht! Darüber hinaus kann man Store & Forward zum Transport von Rohmaterial zu nutzen, wenn man in Eile ist.“ Hier wird nur der Transmitter verwendet, um innerhalb von Sekunden eine Videodatei ins Studio zu übertragen, während der Nutzer an den nächsten Einsatzort weiterzieht.

„Und wenn es mal ein Problem gibt, kennt das Support-Team das Gerät in- und auswendig und kann in der Regel sofort ein Problem diagnostizieren und innerhalb weniger Minuten beheben,“ so van der Stujs.

Per Fernzugriff kann sich der Support des Herstellers an der jeweiligen Einheit anmelden – in einer Situation, in der eine Sendung live geht oder kurz davorsteht – um Probleme mit dem Gerät, dem Server oder anderen Details zu lösen. „So sind wir nicht ständig gestresst und sorgen uns um unsere Ausrüstung,“ schließt van der Struijs.

Peter van der Struijs auf Twitter: @cameramanpeter

www.dejero.com 

 

Bild-Zeitung setzt auf Live-Video

Nach ersten positiven Erfahrungen mit Online-Videos hatte sich Deutschlands auflagenstärkste Boulevardzeitung Bild nach eigenen Angaben zum Ziel gesetzt, ihre Live-Berichterstattung weiter auszubauen. Die Wahl fiel auf die Übertragungslösungen von LiveU, die das Medienhaus nun regelmäßig für Livestreams von aktuellen Ereignissen nutzt.

Die 1952 gegründete Zeitung betreibt bereits seit üer zehn Jahren eine eigene Video-Redaktion. Moritz Wedel, Chief Anchor Bild: Wir bei Bild haben schon sehr früh erkannt, dass Web-Videos sehr wichtig für die Vermittlung von Nachrichten wie auch für die Unterhaltung unserer Nutzer sind.“ Videos seien ein fester Bestandteil der Berichterstattung geworden, gleichberechtigt mit Text und Foto. Der nächste Schritt bestehe darin, die Live-Berichterstattung weiter auszubauen. „Das Internet ist dafür perfekt geeignet. Wenn wir live auf Sendung gehen, dann zeitgleich auf Bild.de, Facebook und YouTube.

Die traditionelle SNG-Technik der Rundfunkanstalten kam nie für die Redaktion in Frage, die sie diese Übertragungsmethode als zu langsam und teuer beurteilt. Moritz Wedel dazu: Als wir uns verschiedene Technologien angesehen haben, hat sich das Mobilfunk-Bonding schnell alspraktikabelste Lösung für uns herausgestellt.“

Mit der Technologie hat das Unternehmen schon von vielen lokalen und internationalen Veranstaltungen berichtet. So etwa, um den G20-Gipfel aus Hamburg, die französischen Präsidentschaftswahlen aus Paris und eine landesweite Sommertour aus verschiedenen Städten der Bundesrepublik live zu üertragen.

www.liveu.tv 


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