31.08.2017 | Ausgabe 8-9/2017

Editorial

Liebe Leser,

das Schlagwort „Digitale Disruption“ geistert schon seit einiger Zeit durch die Medienbranche. Der Umstieg auf filebasierte Workflows und virtualisierte Systeme geht mit deutlich veränderten Arbeitsbedingungen einher, die beim Einzelnen teils große Verunsicherung sowie Sorge um die eigene berufliche Zukunft mit sich bringen.

Doch auch wenn die Entwicklung der Technik immer rasanter fortschreitet, ist es nicht das erste Mal, dass die Branche einen grundlegenden Erneuerungsprozess durchlebt.

Als vor 50 Jahren der Startschuss für das Farbfernsehen in Deutschland fiel, war das Fernsehen das Medium der Zukunft, Serien versammelten ganze Familien abends vor dem heimischen Fernsehgerät, wenn sogenannte „Straßenfeger“ auf dem Programm standen. Die Printmedien und auch das Radio hatten ihre alleinige Vormachtstellung damals schon stark eingebüßt und auch die Kinobranche schwächelte.

Doch für die erste Medienrevolution müssen wir noch viel weiter zurückgehen: Gutenbergs Erfindung des Mobilletterndrucks um 1450 und eines effizienten Produktionsablaufs ebnete den Weg für den Siegeszug des Buchdrucks in Europa innerhalb weniger Jahrzehnte und legte den Grundstein für die spätere Dominanz der Printmedien. Bis zur ersten Tageszeitung dauerte es zwar noch rund zwei Jahrhunderte (um 1650 erschienen die „Einkommenden Zeitungen“ in Leipzig), doch die Zeitung blieb bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das dominierende Medium.

Der Buchdruck war damit mindestens genauso „disruptiv“ wie die Entwicklung des Internets und die damit einhergehenden Neuen Medien. Beide Entwicklungen hatten zur Folge, dass mehr Menschen an Informationen gelangen konnten. Beide gaben Anstoß zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen. Ob, Print, Online oder Rundfunk – gerade in Zeiten aktueller „Fake News“-Debatten muss das Ziel eine professionell und zukunftsorientiert agierende Medienbranche sein.

Herzlichst Ihre

Angela Bünger

 

 


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