12.10.2018 | Ausgabe 10/2018

Dolby Atmos erstmals live im Kino

Bild: Seiwert

Als am 8. September die NDR Radiophilharmonie mit den „Hannover Proms“ in die neue Konzertsaison startete, konnte nicht nur das Publikum im Kuppelsaal ein außergewöhnliches Live-  Konzertereignis genießen: In zehn Kinos in ganz Niedersachsen wurde die Veranstaltung live und in Dolby Atmos übertragen – eine Weltpremiere.

Für Andrew Manze ist es bereits die fünfte Spielszeit als Chedirigent der NDR Radiophilharmonie. Viele besondere Konzerte sind seither unter seiner Leitung entstanden, internationale Künstler von Weltrang fanden den Weg nach Hannover, und auch die „Hannover  Proms“ sind seit Jahren ein beliebter Auftakt der neuen Konzertsaison. Und doch war diesmal alles anders, denn nicht nur die Gäste im Kuppelsaal konnten das Konzert in bester Bild- und Tonqualität genießen: unter der Ägide der TVN Group, die auch für die TV-Übertragung des NDR verantwortlich zeichnete, wurde das Spektakel nicht nur zeitgleich live in zehn Kinos übertragen, sondern erstmals auch im 3D-Audio-Format Dolby Atmos.

Bereits seit Jahren engagiert sich die TVN Group im Bereich 3D-Audio, eröffnete 2016 ein eigenes 3D-Audiostudio und hat seither besonders Sportevents im immersiven  Tonformat Dolby Atmos produziert. Die Produktion von Live-Musikevents in 3D Audio stellte sich bislang alsschwierig bis unmöglich dar, da es keine entsprechende  Software gab. „Diese hat Dolby in San Francisco in den letzten Wochen für uns entwickelt“, so Stephan Thyssen, TVN-Audioleitung. Jetzt habe man das Konzept erstmals und in allen angeschlossenen Kinos erfolgreich umgesetzt.

Für die Koordination des Ablaufs im Kino zeichneten Dolby Senior Sound Consultant David Ziegler sowie Ole  Gosslar, TVN Logistik- und Serviceleiter, verantwortlich. Dabei wurde zunächst der Dolby-Atmos-Receiver CP850 und eine Beta-Version der neuen Software eingesetzt. Kinostandorte, die nicht bereits für Dolby Atmos und die Live-Signalübertragung per Satellit vorbereitet waren, mussten entsprechend nachgerüstet werden. In verschiedenenSatellitentests wurde das Live-Signal simuliert, um unter anderem Workflow und Sendeleistungen zu testen  und gegebenenfalls zu modifizieren.

 Für die Umsetzung der kinotechnischen Vorbereitungen  olte sich die TVN Group Unterstützung von der Firma Kinoton. Der Systemintegrator übernahm die spezielle Konfiguration der Dolby-7.1- und Atmos-Soundprozessoren.  Zudem musste die bestehende Tonanlage gegebenenfalls mit Lautsprechern ergänzt werden. Darüber hinaus begleitete Kinoton die Live-Übertragung an verschiedenen Standorten mit Vor-Ort-Support.

Ziel bei der Konzertproduktion war es, dass die Zuschauer im Kino das gleiche Klangerlebnis wie die Besucher im Kuppelsaal haben sollten. Tonmeister Georg Burdicek aus Wien, der mit seiner Firma Tonzauber auf klassische Musik spezialisiert ist, entwickelte hierfür eine kubische Anordnung der 15 Atmo- und Raummikrofone und sorgte so für eine realistische Wiedergabe bei der Übertragung.  Dabei verarbeitete er 70 Tonsignale.

Das Ergebnis überzeugte: So applaudierten etwa die Zuschauer im Astor Grand Cinema in Hannover während des Konzerts nicht nur den Künstlern, als säßen sie direkt im Festsaal, auch als beim Finale der „Hannover Proms“ mit Edward Elgars Marsch Nr. 1 „Pomp and Circumstance“ die Melodie „Land of Hope  and Glory“ erklang,  wurden die bereitliegenden Fähnchen geschwungen und kräftig mitgesungen.

TVN-Geschäftsführer Frank Hähnel zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf des Abends: „Wir schaffen mit dieser Lösung Kulturangebote in einer ganz neuen Dimension, sowohl was die Reichweite als auch den Erlebnischarakter angeht.“ Die Resonanz aus den Kinos  zeige, dass dies hervorragend funktioniert habe.


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