02.11.2018 | Ausgabe 11/2018

Blackmagic Raw Codec: Funktionen und Anwendungsbereiche

Quelle: Blackmagic Design

Auf der IBC 2018 stellte Blackmagic Design die Public-Beta-Version von Blackmagic RAW vor. Der Codec wurde nach Unternehmensangaben mit dem ausdrücklichen Ziel entwickelt, der Branche ein offenes, standardisiertes und qualitativ hochwertiges Bildformat zu geben, das produktübergreifend und in Kundenworkflows einsetzbar ist. 

Blackmagic Design kündigte vor der IBC 2018 die Public-Beta-Version des neuen Raw Codecs Blackmagic RAW an. Nutzer können diesen nun zur Verwendung mit Ursa-Mini-Pro-Kameras mit dem Blackmagic Camera 6.0 Beta Update herunterladen. Zudem bietet das DaVinci Resolve 15.1 Update, das ebenfalls kostenlos   uf der Website des Anbieters zur Verfügung steht, nun Support für den neuen Codec.

Nach Angaben von Blackmagic Design soll der Codec   um Beispiel über einen ausgefeilten Demosaicing Algorithmus,umfassende Metadatenunterstützung, hochoptimierte  GPU- und CPU beschleunigte Verarbeitung verfügen. Somit kann eine einzige Datei von der Akquisition bis hin zur Postproduktion für Schnitt und Color Grading  erwendet werden.

Konventionelle RAW-Codecs generieren meist größere  Datenmengen und sind rechenintensiver. Videodateiformate sind schneller, können jedoch aufgrund der verminderten Farbauflösung durch das 4:2:2-Chromasubsampling Qualitätsprobleme mit sich bringen. Blackmagic RAW soll nach eigenen Angaben diesen Problemen begegnen, indem ein Teil des Demosaicings    die Kamera verlagert wird, wo der Vorgang von der Hardware der Kamera selbst beschleunigt wird. Dadurchsoll ein effizientes Encoding ermöglicht werden, das Nutzern bei gleicher Qualität, Bittiefe, Kontrolle und gleichem Dynamikumfang wie mit RAW-Daten eine bessere Leistung und kleinere Dateien als die meisten gängigen  eocodecs bietet. Weil das rechenintensive Demosaicing    weise von der Kamera-Hardware übernommen wird, muss Software wie DaVinci Resolve beim Decoding  er Dateien nicht so viele Daten verarbeiten. Außerdem ist das Decoding der Frames durch GPU- und CPU-Beschleunigung sehr schnell, was sich positiv auf die Performance beim Schneiden und Graden auswirkt.

Bilddaten werden bei Blackmagic RAW mitsamt den spezifischen Charakteristika des Bildsensors verschlüsselt und in der Datei gespeichert. Nutzer erhalten so selbst bei höheren Kompressionseinstellungen eine bessere Bildqualität sowie volle Kontrolle über Funktionen wie etwa ISO-Empfindlichkeit, Weißabgleich, Belichtung,Kontrast, Sättigung.

Darüber hinaus nutzt der Codec die „Generation 4 Color Science“ des Anbieters, die für die qualitativ hochwertige Bildgebung bei der Reproduktion akkurater Hauttöne und brillanter, lebensechter Farben sorgen soll.  Das Encoding der Bilder erfolgt mithilfe eines maßgefertigten,  nichtlinearen 12-Bit-Farbraums, der für ein Maximum an Farbdaten und einen möglichst breiten Dynamikumfang ausgelegt ist.

Auch Softwareentwickler sollen vom neuen Codec profitieren: Mit dem kostenlosen Entwickler-SDK, so der Anbieter, kann jede Fremdanbietersoftware Blackmagic RAW auf Mac, Windows und Linux unterstützen. Das Blackmagic RAW Entwickler-SDK verarbeitet automatisch die eingebetteten Sensorprofil-Metadaten mit der Blackmagic Design Color Science, die für ein kalkulierbares, akkurates Bildrendern und eine einheitliche Farbgebung entlang der gesamten Pipeline sorgt.

Blackmagic RAW verfügt über zwei Arten von Dateikomprimierung. Abhängig von der Art der zu erledigenden Arbeit können Nutzer zwischen den Codiermethoden „Constant Quality“ oder „Constant Bitrate“ auswählen. So entscheidet der Anwender selbst über die Priorisierung von Bildqualität und Dateigröße. „Constant Quality“ erfolgt durch variables Encoding der Bitrate, bei dem komplexe Frames bei höheren Datenübertragungsraten verschlüsselt werden, um Details bei möglichst hoher  Qualität zu bewahren.

Blackmagic RAW Q0 erzielt bei geringster Quantisierung die höchste Qualität. Blackmagic RAW Q5 be- dient sich gemäßigter Quantisierung für effizientere Verschlüsselung und kleinere Dateigrößen. Blackmagic RAW 3:1, 5:1, 8:1 und 12:1 erfolgt durch Encoding bei konstanter itrate, sodass Nutzer die  bestmöglichen Bilder bei kalkulierbaren und konstanten Dateigrößen erhalten. Die Kompressionsverhältnisse beruhen auf der unverarbeiteten Dateigröße eines Einzelbildsvom Kamerasensor und veranschaulichen das Maß  der verwendeten Kompression.

Die kameranative Qualität von Blackmagic RAW  Q0 und 3:1 eignet sich für effektlastige Spielfilme und kommerzielle Projekte. Blackmagic RAW Q5 und 5:1 sind für Fernsehserien und Independent-Filme ausgelegt. Blackmagic RAW 8:1 und 12:1 ist für Produktionen gedacht, für die das Filmen in RAW normalerweise nicht in Betracht käme.

Für Kees Van Oostrum, DoP und Präsident der American Society of Cinematographers könnte Blackmagic RAW könnte den Workflow von der Kamera bis in die Postproduktion in seiner Gesamtheit verändern. „Eine überragende Bildqualität, feinstes Detail und unglaublich kleine Dateien könnten Blackmagic RAW zum Format erster Wahl für Filmemacher machen“, so Van Oostrum.  Es werde eine wichtige Veränderung für die Postproduktion sein, da das Editoren-Team mit den Originaldaten der Kamera arbeiten könne und diese schnell genug für den alltäglichen Schnitteinsatz seien. Das bedeutete weniger Verwirrung mit kreativen Entscheidungen an der Kamera. „Die Bilder können nun über den gesamten Workflow hinweg verwendet werden, denn wir drehen, schneiden und graden mit denselben Daten. Blackmagic RAW könnte die Produktion von Filmen, TV-Sendungen und Werbespots von Grund auf verändern.“

Blackmagic RAW ist mit dem Anspruch angetreten, Postproduktions-Workflows zu vereinfachen und zu  beschleunigen. Das jetzt erschienene DaVinci Resolve 15.1 bringt volle Unterstützung für den neuen Codec. Die Leistung von Blackmagic RAW soll in DaVinci Resolve deutlich schneller sein. Da Nutzer mit nur einer Datei statt mit einem Ordner voller Standbildsequenzen arbeiten, soll das Medienmanagement wesentlich einfacher sein. Wenn man die RAW-Einstellungen in DaVinci Resolve ändert, kann eine Filialdatei generiert oder, sofern es bereits eine gibt, aktualisiert werden. In anderen Softwareanwendungen, die Blackmagic RAW unterstützen, wird die Filialdatei automatisch für die Bildanzeige verwendet. Diese enthält die in DaVinci Resolve vorgenommenen RAW-Einstellungen. Wird die Filialdatei entfernt, werden für die Dateianzeige stattdessen die eingebetteten Metadaten verwendet. Dieser innovative neue Workflow bietet Kunden bei der Arbeit mit verschiedenen Anwendungen eine nicht-destruktive Möglichkeit, die RAW-Einstel ungen zu ändern.

Mit vollständig skalierbarer und hochmoderner CPUund GPU-Beschleunigung wurde Blackmagic RAW für AVX-, AVX2- und SSE4.1-fähige Prozessoren optimiert.  Der Codec funktioniert Multi-Threading-basiert über Mehrkern-CPUs und unterstützt GPU-Beschleunigung für Apple Metal, CUDA und OpenCL. Frame-Decoding und Bildverarbeitung sind extrem schnell und so sorgt dieser Codec für sehr geschmeidige Ergebnisse für Schnitt, Colorgradingund visuelle Effekte in DaVinci  Resolve. Ein weiterer Vorteil des Speicherns der Medien in einer einzigen Datei und nicht als Bildsequenzen ist das vereinfachte Medienmanagement und das schnelle Kopieren von Dateien.  

Das kostenfreie RAW-Entwickler-SDK ist für Mac, Windows und Linux verfügbar. Es soll die gesamte Entwicklerarbeit erledigen und dafür sorgen, dass Blackmagic RAW in Fremdanbieter-Softwareanwendungen unterstützt  wird. Für das Encoding und Decoding von Dateien erhalten Entwickler Zugriff auf GPU- und CPU-beschleunigte Algorithmen mitsamt den spezifischen Informationen zum Bildsensor der Kamera, damit ihre Anwendungen die Dateien genau entschlüsseln und anzeigen. Das SDK bietet Optionen für aussagekräftige und flexible Metadaten, die speziell auf aktuelle moderne Workflows zugeschnitten sind. Die Metadaten werden direkt in die BRAW-Datei eingebettet oder können in einer Filialdatei gespeichert werden. Die Metadaten sind wichtig, weil sie die RAW-Einstellungen mitsamt den Informationen für Klappe, Iris, Fokus, Brennweite, Weißabgleich und vieles mehr enthalten. Die in den Filialdateien enthaltenen Metadaten können zusätzlich zu den eingebetteten Metadaten verwendet werden, ohne diese zu überschreiben. Des Weiter en unterstützt Blackmagic RAW framebasierte  Metadaten, sodass Nutzer Zugriff auf Parameter wie bspw. die Brennweite haben, die häufig von einem Bild zum nächsten wechseln.
www.blackmagic.com


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