05.12.2018 | Ausgabe 12/2018

Kino im Jahr 2018 – ein Rückblick

Adina Pintilie bei der Verleihung des Goldenen Bären / Quelle: Richard Hübner/Berlinale 2018

Welche Ereignisse haben die Kinobranche in diesem Jahr bewegt? Gedanken aus wirtschaftlicher und technischer Sicht.

Wo steht das Kino heute, in einer Zeit, in der Unterhaltungsangebote auf Knopfdruck nahezu überall bereitstehen und um das Interesse der Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen buhlen? Zugegeben, leichter ist es für  das Kino nicht geworden und in vielen westlichen Industrienationen hat die Zahl der Kinobesuche in den vergangenen Jahren stagniert oder war sogar rückläufig. Was also tun, um verlorenes Terrain wiedergutzumachen? 

Vor allem ist Mut zur Innovation gefragt. Das zeigte sich zum Beispiel im Rahmen der Berlinale 2018, bei der die rumänische Regisseurin und Produzentin Adina Pintilie den Goldenen Bären für ihr Werk „Touch Me Not“  entgegennahm. Der Film wurde kontrovers diskutiert, von den einen hochgelobt, von den anderengnadenlos verrissen (einige Zuschauer sollen wegen derdrastischen Szenen gar den Saal verlassen haben).

Doch gerade solche Kontroversen braucht es, um das Kino am Leben zu erhalten, denn es kann (und darf!) nicht darum gehen, allen zu gefallen. Wie in anderen Medienbereichen  auch, muss sich das Kino diversifizieren, zielgruppenspezifische Angebote unterbreiten und mehr wagen,will es den Kampf um die Zuschauergunst auch langfristig gewinnen. So können sich zum Beispiel Arthaus-Kinos mit ihrem sehr fokussierten Programm häufig über einen sehr treuen Kundenstamm freuen. Aber auch im Bereich des Mainstream-Kinos ist zu beobachten, dass Kinos mit kreativen und vor allem auch lokalen bzw. regionalen Angeboten beim Publikum besser ankommen.

Gute Inhalte sind die eine Seite der Medaille, eine gute technische Qualität die andere. Im Wettbewerb mit Fernsehen und Online-Medien befindet sich das Kino im Zugzwang, immer ein Stückchen mehr zu bieten als die Konkurrenz daheim. In diesem Jahr standen dabei einige Neuerungen an: So zum Beispiel die Einführung des Cinema LED Screens (Samsung) an gleich zwei Standorten in Deutschland. Seine Deutschlandpremiere feierte derScreen im Traumpalast in Esslingen. Seit September 2018 ist er auch im zur Kinopolis-Gruppe gehörenden Main-Taunus- Zentrum zu finden. Der Screen soll unter anderem die Darstellung von tiefen Schwarztönen („True Black“) ohne Reflektionen ermöglichen und so eine lebensechte und  etailreiche Darstellung des Geschehens auf der Bildwand erlauben. Für Kinos sollen sich dadurch auch weitere Nutzungsmöglichkeitenöffnen, etwa um Firmenevents oder andere Veranstaltungen im Kino anzubieten.

Bei den anderen Veranstaltungen zeichnet sich ein weiterer Trend ab: E-Sports wird seit einigen Jahren immer populärer und die Wettkämpfe mit den besten Spielern weltweit locken die Fans. Die Ymagis-Gruppe hat unter  dem Namen EclairGame zum Beispiel eine Lösung in denMarkt gebracht, mit der Sportfans, Profis und Amateure vom Kinosessel aus Videospiele spielen, trainieren oder an Meisterschaften teilnehmen können. In Belgien hat das Unternehmen etwa mit dem TV-Sender RTBF in Kooperation mit der Kinokette Kinepolis eine Reihe von zehn E-Sport-Events geplant. Die erste Veranstaltung fand Ende September in Brüssel statt. Bis zu 150 Gamer konnten pro Sessionspielen. Zur Vermarktung des Events hatte man auch bekannte Influencer der Szene an Bord.

Ebenfalls im September hatte eine weitere Kinoneuheit nicht nur Deutschlandsondern Weltpremiere: Die „Hannover Proms“ wurde erstmals live in Dolby Atmos in zehn Kinos in ganz Niedersachsen übertragen. Federführend  verantwortlich für die technische Umsetzung war die TVN Group, die ebenfalls die TV-Übertragung für den NDRverantwortete. Damit konnte das bekannte 3D-Audioformat einen weiteren Meilenstein setzen, denn inzwischen gehört es für viele Kinos wortwörtlich zum guten Ton, mindestens  einen entsprechend ausgestatteten Saal vorweisen zu können.

Auf das erste Dolby Cinema in Deutschland müssen die Kinofans allerdings noch etwas warten: die Eröffnung im Mathäser München ist für Anfang 2019 vorgesehen. reuen wir uns also auf ein neues und auch ereignisreiches Kinojahr.


 

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