28.03.2018 | Ausgabe 4/2018

Editorial

wie werden mediale Inhalte in Zukunft produziert, wie konsumiert, wie bereitgestellt? Diese Fragen stehen im Zentrum der vorliegenden Ausgabe unter dem Titel „Broadcast 4.0“. Und auch wenn viele Fragen noch offen sind und man Prophet sein müsste, wollte man sich etwa an eine Prognose von fünf oder zehn Jahren wagen, eines kann man mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen: IP wird im Broadcast künftig eine zentrale Rolle spielen. Wie nicht anders zu erwarten, wird uns das Thema auch auf der NAB 2018 beschäftigen, mehrere Anwendungsfälle wurden bereits von Unternehmen und Standardisierungsorganisationen angekündigt.  

Doch sollten wir uns dabei nicht nur mit der Technik auseinandersetzen, sondern vielmehr mit ihren Auswirkungen auf den Menschen und seine Arbeitswelt. Was bedeutet dies konkret für Entwickler und Anwender in Technik und Redaktion? Erlebt man die Reaktionen auf Veranstaltungen oder im persönlichen Gespräch, könnten diese unterschiedlicher nicht ausfallen: Dem einen kann alles nicht schnell genug gehen, der andere möchte mehr Sicherheit und erst einmal probieren, wieder andere würden am liebsten gar nichts ändern oder wünschen sich, dass die Umstellung so langsam erfolgt, dass sie sie vielleicht gar nicht mehr praktisch erleben (müssen). Auch Meinungen, die die Zugehörigkeit der IP-Thematik zum Broadcast-Bereich anzweifeln, gibt es durchaus (und wenn man vom Begriff des „Rundfunks“ in seiner ursprünglichen Bedeutung ausgeht, ist das auch nicht so abwegig).

Wie geht man also mit dieser schwierigen und vielschichtigen Situation und den damit verbundenen Unsicherheiten um? Müssen wir zuerst noch mehr Wissen aufbauen, tiefer in das Thema eintauchen, um es wirklich zu verstehen und noch besser einschätzen zu können? Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal auf die Theorien zur sinkenden „Halbwertszeit des Wissens“ und das seit Platon und Cicero bekannte geflügelte Wort „Ich weiß, dass ich nicht weiß“ eingehen, die ich beide schon früher einmal an anderer Stelle erwähnt habe: Zu beidem gibt es unzählige Interpretationsansätze und gegensätzliche Expertenmeinungen. Beidem gemein ist jedoch die Erkenntnis, dass eine Beschäftigung mit einem Thema (auch wenn es bei Sokrates im Kern um die Frage nach Gut und Böse, also den menschlichen Tugenden ging) keine absolute Weißheit bringen kann.
Was lernen wir daraus? Wir können weder alles wissen, noch die Zukunft voraussagen. Was aber auf Anwender- und Herstellerseite gefordert ist, ist ein gegenseitiges Verständnis der Situation des Anderen. Sokrates nutzte dazu übrigens gerne den Dialog mit seinen Schülern. Und der Dialog ist auch heute keine schlechte Idee mit dem Thema Wandel allgemein und technologischer Wandel im Besonderen umzugehen. Denn im Zentrum des Ganzen steht immer noch der Mensch. Dies vorausgeschickt, wünsche ich Ihnen viel Freude mit dieser Ausgabe. Und keine Angst: trotz des kurzen Ausflugs in die Gefilde der Philosophie wird es auf den folgenden Seiten wieder gewohnt technisch.

Herzlichst Ihre 


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