05.06.2018 | Ausgabe 6/2018

Eine Frage des Signalurspungs

CORINNA ROBERTZ hat Medientechnik studiert und ist Redakteurin der FKT. Bild: Francis Pizziferri

CORINNA ROBERTZ hat Medientechnik studiert und ist Redakteurin der FKT. Bild: Francis Pizziferri

Dolby Laboratories, LG Electronics und Rakuten TV sind eine Partnerschaft eingegangen und verkündeten ihre frohe Botschaft jüngst in London: Rakuten TV wird als erster europäischer Video-On-Demand Service Dolby Vision High Dynamic Range (HDR) Imaging und Dolby Atmos Soundtechnik für ausgewählte Inhalte über LG TVs zur Verfügung stellen. Es handelt sich dabei um Hollywood-Blockbuster-Veröffentlichungen. Erste Filme sind in Großbritannien, Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland abrufbar und sollen in den kommenden Wochen für Kunden von Rakuten TV in 12 weiteren Ländern erscheinen. Kunden müssen dafür über einen LG OLED oder Super UHD TV verfügen.

Javier Foncillas, VP, Commercial Partnerships Europe der Dolby Laboratories, sagte dazu, die Zusammenarbeit solle Dolby Vision und Dolby Atmos einem breiteren globalen Publikum zugänglich machen. James Thomas ist Product Manager des Bereichs Home Entertainment bei LG Electronics und stimmt überein: „Wir wissen, das HDR das Buzzword der Zeit ist und konzentrieren uns darauf.”

Aus Stereo soll Atmos werden

Andreas Ehret, Vice President von Consumer Entertainment Technology bei Dolby Deutschland, spricht von einem Henne-Ei-Problem: „Wenn ich keinen Content habe, sagt der TV-Hersteller, es gäbe keine Kunden. Wir müssen die Industrie also auf vielen Ebenen gleichzeitig anschieben.” Bedeutend sei für das Unternehmen jetzt die Skalierung: „Früher hat man in Stereo gehört, die Zukunft ist in Atmos.” Wie Audio dabei wiedergegeben wird, muss dem Konsumenten überlassen werden. „Wo er sich befindet und und welches Endgerät genutzt wird, für all diese Anwendungszwecke müssen richtige Lösungen entwickelt werden.”

Die Entwicklung, die digitale Angebote in Europa durchlaufen, erinnern Josep Mitjà, den Co-Founder und COO von Rakuten TV, an seine Vergangenheit in der Telekommunikationsbranche: „Damals ging es um die Adaptionsrate, um die Penetrationsrate, und darum, wie viele Menschen ein Mobiltelefon besaßen. Erst dann ging es um einen Anteil des Marktes.” Vergleichbar sei das mit Streaming in der heutigen Zeit, bedeutend sei es, wie viele Menschen digitale Angebote annehmen. „Was wir beobachten: Je mehr Menschen einen oder mehrere Services unserer Mitbewerber nutzen, desto mehr nutzen sie auch unsere Services.”

Der Kuchen, von dem alle ein Stück abhaben wollen, soll wachsen. Später werden die Portionen geteilt, um die Minuten der Konsumenten gekämpft: „Die Hauptbewegung der Zeit ist für mich, dass Konsumenten Video-On-demand adaptieren und annehmen. Streaming wird mehr und mehr vorherrschend. Dahinter stehen aber viele Faktoren: Der Trend für höhere Qualität, für ein dem Kino ähnliches Erlebnis zu Hause sowie Big Data im Videobereich.”

Wenn Time-to-Content über den Ursprung entscheidet

Zuschauer seien an traditionelles Fernsehen gewöhnt, und das habe ein Nutzenversprechen anders als Internetangebote, das Mitjà Time-to-Content nennt: „Wenn man den Fernseher anschaltet, kann man Broadcast-Inhalte in zwei bis drei Sekunden anschauen. Um Internetinhalte anzuschauen, braucht es aber ein bis zwei Minuten.” Die Bedienung führe den Konsumenten über ein Menü zu einer Applikation, die geladen werden muss, hin zu einer selbständigen Auswahl des Inhalts. „Ich glaube, dass Technologien Time-To-Content für Streaming-Anbieter verkürzen werden. Wenn das passiert, wird es keinen Unterschied zwischen einem Broadcast- und einem Internetanbieter mehr geben, es wird nur eine Frage des Signalursprungs sein.” Die Erfahrung aber, sei die gleiche.

„Bis sich die Zeit, um Inhalte aufzurufen, angeglichen hat, wird es fünf, sechs weitere Jahre dauern”, schätzt Mitjà. Dann aber sieht er drastische Veränderungen des Marktes. Gute Aussichten verspricht er kleinen Produktionen mit neuen Formaten, die das traditionelle Distributionsmodell dank erschwinglicher Technik grundsätzlich beeinflussen können. Große Produktionen seien durch ihre Größe weitaus weniger gelenkig und an Regeln und Modelle gebunden. Ein schnell wachsender Kuchen wird ebenso schnell verteilt: Neue Formate können zeigen, was technisch möglich ist. Ein Erlebnis ähnlich des Kinos in den eigenen vier Wänden ist davon schier der Anfang.

Worüber wir in London mit James Thomas, Andreas Ehret und Josep Mitjà außerdem gesprochen haben, können Sie sich hier im Videoformat ansehen.


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