05.06.2018 | Ausgabe 6/2018

Bericht von der AKAMAI EDGE 2017

Las Vegas, Aria Ressort Hotel, 9. bis 13. Oktober 2017

AKAMAI EDGE 2017 in Las Vegas. Bild: Der Autor

Die Mediennutzung ist im Wandel. Das Online-Angebot der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wird laut Digitalisierungsbericht 2017 von den 14-29-Jährigen mit 44 % bereits häufiger als das klassischen Fernsehen mit 38,3 % genutzt. Die Mediatheken von ARD und ZDF sind mit 28,4 % nach YouTube mit 29,5 % die meistgenutzte VoD-Plattformen in Deutschland, gefolgt von Amazon, Netflix, iTunes und Maxdome. 

Neben den eigenen Portalen publizieren viele Rundfunkanstalten ihre Videos beiYouTube, Twitter und Facebook. Dabei verdoppelt sich der Streaming-Verkehr von ARD und ZDF nahezu alle zwei Jahre. Um Videoinhalte mit höheren Bitraten gleichzeitig an viele Teilnehmer ausliefern zu können, wird trotz adaptiver Wiedergabe das Caching im Content Delivery Network (CDN) benötigt. Die Streaming-Produkte großer Anbieter erleichtern die Bereitstellung neuer Web-Inhalte erheblich. Sie sind in den technisch verfügbaren Features oft an US-amerikanischen Geschäftsmodellen ausgerichtet.

Derzeit werden die meisten Videostreams der Mediatheken von ARD und ZDF über den weltgrößten CDN-Anbieter Akamai verbreitet. Ähnlich wie Apple oder Intel veranstaltet auch Akamai jährliche eine große Konferenz in den USA. Dort werden die neusten Dienstleistungen im Bereich Webcaching, Videostreaming und Internetsicherheit vorgestellt.

 

Die letzte EDGE Konferenz fand vom 9. bis 13. Oktober 2017 im Aria Ressort Hotel in Las Vegas statt. Das IRT hat zusammen mit G&L Geißendörfer & Leschinsky GmbH, dem Streaming-Partner der ARD aus Köln, an der Veranstaltung im Oktober 2017 teilgenommen. Weitere teilnehmende Akamai-Partner waren unter anderem AT&T, Comcast, Jive, Cisco, IBM, Microsoft, Flexera, Varnish, brightcove, thePlatform und Touchstream.

Akamai University

Im Vorfeld der Konferenz können Besucher zu allen Dienstleistungen in einer zweitägige „Akamai University“ Kurse mit Praxisübungen zu verschiedenen CDN-Dienstleistungen besuchen. Das IRT nutzt diese Gelegenheit um aktuelle Neuerungen an Hand der vorliegenden Training-Accounts kennenzulernen und aufgetretene Problemstellungen aus der ARD mit kompetenten Experten zu diskutieren. Im Fokus des IRT steht bei den Kursen Media Delivery Solutions, Bot Manager, Kona Site Defender, Advanced Web Performance oder Web Performance Solutions, insbesondere die Kompatibilität und Interoperabilität der CDN-gestützten Ausspielung von Webseiten und Videostreams zu Rundfunkstandards wie HbbTV, DVB-DASH oder HTML5, MSE und MPEG-CMAF.

Besondere Aufmerksamkeit galt von den Teilnehmern auf der EDGE 2017 auch dem konfigurierbaren Regelwerk mit KI-basierter Traffic-Priorisierung des Bot Managers mit verhaltensbasierter Detektion von Browser-Interaktionen.

Multi-Sourced Delivery der Akamai Media Acceleration. Bild: Der Autor
Google QUIC als alternativer Medientransport in Chrome und Opera. Bild: Der Autor

Key Notes

In den Keynotes wurden die Besucher von CEO und Co-Founder Tom Leighton über die Entwicklung der Transportleistung des Akamai CDN von weltweit 1 Tb/s im Jahr 2008 auf aktuell 60 Tb/s Peak-Egress-Datenrate bei einer maximalen Zuschauerzahl von 4,7 Mio. gleichzeitigen Streaming-Nutzern beispielsweise zur Amtseinführung von Donald Trump informiert. Zusätzlich zu den 200.000 Servern in 130 Ländern der weltweit verbreiteten Akamai-Plattform wurde die Nutzung der hauseigenen Media Acceleration propagiert, um einer vorherzusehenden Steigerung des globalen Internetverkehrs auf zukünftig 25 Petabit/s Herr zu werden, wenn wenigstens 2,5 Milliarden Internetnutzer jeweils mit bis zu 10 Mbps versorgt werden wollen.

Dazu stünden mögliche Bedrohungen durch eine zunehmende Anzahl and Bots, von welchen laufend verteilte Angriffe auf Internetdienste (Distributed Denial of Service, DDoS), insbesondere aus dem Umfeld des Internet of Things (IoT) ausgehen. Dem gegenüber wurde dargestellt, wie Akamai als kritischer Teil der Infrastruktur mit Schutzfunktionen im Produkt Kona für Enterprise Apps sowie dem Bot Manager Premier oder einem SiteShield auf diese Herausforderungen reagiert.

Im Bereich Performance wurde ein Akamai Image Manager zur Re-Kompression von Bildern sowie das Tool mPulse zur Optimierung von Browser-Ladezeiten auf den EDGE-Servern vorgestellt.

Media Acceleration

Nach dem Kauf des ehemaligen Peer-to-Peer-Spezialisten Octoshape im Jahr 2015 soll die Media Acceleration and Efficiency 2.0 ab dem ersten Quartal 2018 verfügbar sein und neben Peer-Assisted Delivery auch Multi-Sourced Delivery ermöglichen. Mit der Nutzung des zugehörigen Akamai-SDK soll es dann möglich sein, dass mehrere Clients Segmente untereinander im Subnetz austauschen um die EDGE-Server zu entlasten. Darüber hinaus können gegebenenfalls auch externe Server angebunden werden, von denen Clients mit Media Acceleration alternativ Video-Segmente beziehen. Dies wurde in der Keynote mittels mehrerer Laptops demonstriert, welche alle einen Livestream über verteilte Datenquellen bezogen.

Die Media Acceleration & Efficiency (MAE) war auch Thema im Vortrag „How does your player stack up protocols, formats, standards and the future direction of OTT players“ von Will Law, dem Chief Architect von Akamai. Google setzt demnach in YouTube mit Chrome und Operazur Videoauslieferung das alternative Transport-Protokoll QUIC für höhere Robustheit ein. Die Akamai MAE unterstützt darüber hinaus ein ähnliches Accelerated Unicast-Verfahren auf UDP-Basis (QUIC+) mit eigenen Congestion-Control-Algorithmen, um einen höheren Durchsatz erzielen. Für Android und iOS werden entsprechende SDKs angeboten.

Im Beta-Test will Akamai mit der MAE bis zu 24% weniger Re-Buffers, sowie 12,5% höheren Durchsatz und bis zu 48% mehr HD-Zuschauer erreicht haben. In geeigneten Netzen will Akamai QUIC standardmäßig ab Mitte 2018 für Opera und Chrome aktivieren. Es ist davon auszugehen, dass andere Browser folgen werden, sobald QUIC als Standard publiziert wurde. Inwieweit Google QUIC oder die Akamai MAE auch für die HbbTV-basierte Videoauslieferung genutzt werden kann, ist jedoch noch unklar. Daneben kann Automatic Multicast Tunneling (AMT) über den Router hin zu mobilen Clients für das (W)LAN genutzt werden.

Im Vortrag wurde auch auf das Web Application Video Ecosystem (CTA-WAVE) sowie die Web Media API Community Group des W3C verwiesen. Das Industriekonsortium CTA-WAVE will die praktische Interoperabilität der Plattform-übergreifenden Streaming-Versorgung beliebiger Endgeräte verbessern. Das W3C hat sogenannte Progressive Web Apps (PWA) vorgestellt, welche ein Browser-übergreifendes Offline-Nachladen von Inhaltenin HTML5 unterstützen sollen.

Entlastung der EDGE-Server mit Client Extensions. Bild: Der Autor
Low Latency Streaming Levels. Bild: Der Autor

Media Delivery Roadmap

In der Option Standard TLS will Akamai 2018 auch ein HTTPS-Zertifikat-Management bereitstellen. Dies soll die Migration der vorhandenen Website- und Streaming-Auslieferung von ungeschütztem HTTP auf Ende-zu-Ende verschlüsseltes HTTPS erleichtern. In der Zwischenzeit sind die meisten Web- und Streaming-Angebote der ARD, entsprechend der Anforderung von Apple und Google bereits auf HTTPS umgestellt worden. Livestreaming soll in dem Produkt Media Services Live ein sogenanntes Live-to-VOD-Clipping mit Program Replacement bekommen. Dadurch können Event-Livestreams am Ende eines Programmblocks automatisch zum Abruf beispielsweise aus einer Mediathek bereitgestellt werden. Ein Cloudwrapper wird die Konnektivität für private und öffentliche Cloud-Infrastruktur verbessern.

Im Bereich Adaptive Media Delivery (AMD) soll ein Manifest-Manipulation Framework für Ad Insertion eingeführt werden. Damit könnten in adaptiven Videostreams nach der Videocodierung Programmblöcke dynamisch vor- oder nachgeschaltet werden. Die Media Services Live (MSL) wurden in der Version 4.0 bereits Anfang 2017 eingeführt und ermöglichen neben Ende-zu-Ende Verschlüsselung über TLS/SSL auch Low Latency-Streaming für Live-Events mit hohen Echtzeitanforderungen wie beispielsweise Fußball.

Über das Akamai-CDN seien Ende-zu-Ende-Latenzen bei der adaptiven Auslieferung mittels HLS oder MPEG-DASH von nur ein bis drei Sekunden möglich sofern eine Segmentierung mit dem Common-Media-Application-Format (MPEG-CMAF) genutzt wird, welche wiederum Fragmente oder Chunks mit nur jeweils 500 ms enthalten. Die niedrige Latenz ist damit auf Endgeräten möglich deren Mediaplayer mittels des Chunked-Transfer-Encodings des HTTP 1.1-Protokolls auf einzelne 500-ms-Chunks aus dem CDN zugreifen können. Das IRT empfiehlt beider adaptiven Auslieferung ab HbbTV 1.5 (ETSI 1.3.1) in MPEG-DASH grundsätzlich eine Segmentdauer zwischen 4…6 Sekunden bei einer Fragmentlänge entsprechend der jeweils genutzten Länge einer Group of Pictures (GOP) mit beispielsweise 100 Frames bei einem Quellvideo mit einer Bildwiederholrate von 50 fps zu nutzen.

Verschiedene Lautheiten mit Sprachassistenten. Bild: Der Autor

Demonstrationen

In der Live-Demo „Provision Your Own Apple TV channel with MSL 4.x“ von Tseng Wai Leung (Enterprise Architect) wurde ein Livestream mittels Facetime-Kamera erzeugt, mit FFMPEG codiert und an den Akamai-Entrypoint mit und ohne Ingest Acceleration geschickt. Das damit mögliche erweiterte Monitoring und Alerting sowie eine niedrige Echtzeitverzögerung wurde im Akamai Luna Portal mit Hilfe von MSL 4.1 umgesetzt. Im Vortrag „Integrating All Akamai Media Client Solutions with AMP“ von Maverick Chacón (Solutions Architect II) wurde gezeigt, wie man den Akamai Adaptive Media Player mit Media Acceleration, Beacon-Measurement und Monetization mit dem SDK und entsprechenden Bibliotheken in eine Webapp für den HTML5-Browser, sowie eine Android-App und eine iOS App einbindet und benutzt.

Sprachassistenten

Im Vortrag „Akamai for Voice UX & Voice UX for Akamai“ hat Alexander Leschinsky, (Geschäftsführer der Geißendörfer & Leschinsky GmbH) einen Überblick über die Verbreitung und den Nutzen von Sprachassistenten wie Amazon Alexa oder Google Home vorgestellt. Dabei wurde auch auf die Problematik unterschiedlicher Lautheiten zwischen Broadcast, Web und den Sprach-Assistenten und auf mögliche, Cloud-basierte Workarounds z. B. mit Akamai Cloudlets hingewiesen.

Darüber hinaus wurde ein prototypischer Workflow zum sprachbasierten Stream-Monitoring über die IP-Probes des Cloud-Dienstes Touchstream sowie eine Encoder-Steuerung eines professionellen Elemental Live Encoders mit Hilfe eines Alexa-Skills von G&L demonstriert. Dabei konnte Alexa z.B. die Anzahl an Zuschauern oder die aktuelle Verfügbarkeit eines G&L-Livestreams verbalisieren. Zusätzlich konnte der entsprechende Encoder-Job über Alexa mit Sprachkommandos aus der Ferne ein- und ausgeschaltet werden. Nach eigenen Angaben verzeichnete die EDGE 2017 mehr als 2.500 Gäste, darunter Entscheider aus IT und Wirtschaft, viele Akamai-Administratoren aber auch Entwickler. Es gab sogar ein Diskussions-Panel zum Thema Multi-CDN. Zukünftig will Akamai sich auch dem IoT-Business zuwenden.

Eine umfangreiche Nachlese zur EDGE 2017 mit vielen Videos zu den Keynotes steht auf der Homepage zum Abruf bereit. Slidedecks zu vielen Vorträgen sind für Akamai-Kunden im Partner-Portal zugänglich. Die nächste Akamai EDGE 2018 soll in San Francisco stattfinden. Wer die Veranstaltung besuchen möchte, dem sei die App empfohlen, welche speziell dafür bereit gestellt wird. Über deren Social-Networking-Funktion lassen sich nicht nur Experten-Gespräche buchen und Like-Punkte für den Event-Shop erwerben… man weiß auch immer rechtzeitig, wo und wann in dem riesigen Konferenzbereich das Catering zu finden ist.

www.irt.de


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