08.02.2019 | Ausgabe 1-2/2019

Vorbereitung auf 5G:

Wie sieht die Zukunft für Mobilfunkbetreiber aus?

Quelle: Roland Pippes

In dieser vierteiligen Reihe stellt der Autor die Frage: „Was bedeutet 5G für Sie?“. Dabei gibt er differenzierte, neutrale und fundierte Einblicke in die Zukunft von 5G und Ausblicke in die Zukunft von Konnektivität und Anbietern. Im dritten Teil geht es um Mobilfunkbetreiber.

Auch wenn viele Betreiber und Unternehmen bereits fleißig ihre 5G-Botschaften verbreiten, ist mit 4G in der Realität noch lange nicht Schluss. 4G- und 5G-Netze werden auf absehbare Zeit nebeneinander bestehen bleiben und die gleiche drahtgebundene Netzinfrastruktur zwischen Basisstationen und Rechenzentren gemeinsam nutzen.

Da der mobile Breitband- und IoT-Verkehr in diesen Netzwerken exponentiell zunimmt, werden die Anforderungen an Latenz, Durchsatz, Zuverlässigkeit  und Sicherheit extrem hoch sein und mehr als nur ein einfaches Netzwerk-Upgrade oder eine Erweiterung erfordern.

Die enormen Steigerungen bei Kapazität, Leistung und Geschwindigkeit, die von den Mobilfunknetzen erreicht werden müssen, müssen daher durch eine effiziente Festnetzinfrastruktur unterstützt werden. Mobilfunkbetreibern muss klar werden, dass die Konvergenz zwischen 5G-Festnetz und -Mobilfunk der Schlüssel zur vollständigen Realisierung von 5G sein wird.

So müssen diese in den kommenden Jahren beispielsweise Millionen kleiner Mobilfunkzellen installieren, um das Netzwerk zu verdichten und sicherzustellen,  dass sie den wachsenden apazitätsbedarf decken können. Die höheren Frequenzen, die 5G nutzt, haben eine geringere Reichweite wie die niedrigeren, heute verwendeten Frequenzen und sind auch weniger in der Lage, physische Barrieren wie Wände oder Bäume zu durchdringen. Damit ist klar, dass in Zukunft Zellen gefordert sind, die kleinere Bereiche abdecken und weniger Menschen bedienen – wenn auch mit viel höherer Geschwindigkeit.

Herausforderungen und Chancen halten sich jedoch für Mobilfunkbetreiber in der Waage.

Um die Möglichkeiten von 5G zu maximieren, sollten  ie sich von ihren traditionellen Geschäftsmodellen lösen. Eine Option wäre beispielsweise, verwaltete End-to-End-Breitbandlösungen anzubieten, die nahtlos sowohl innerhalb als auch außerhalb des Hauses funktionieren. Dies kann erreicht werden, indem Netzwerkfunktionen um drahtgebundene Funktionen erweitert  werden, die ein flexibles Servicedesign und eine schnellere Markteinführung ermöglichen.

Auf der Unternehmensseite bieten Faktoren wie die Verlagerung von Workloads von der zentralen Cloud auf die dezentrale, eine mobile Belegschaft und neue  Workloads an der Edge (VR/AR, Smart Sensors, autonome  ahrzeuge etc.) eine immense Chance für ServiceProvider im 5G-Kontext.

Diese Faktoren eröffnen potenzielle neue Einnahmequellen wie drahtlose Sensoren und 4K-Streaming. Beides zeigt, wie wichtig Flexibilität bei der Tarifierung und  Abrechnung ist, damit Mobilfunkbetreiber 5G-Dienste  ukunftsfähig und profitabel anbieten können.

Im Wesentlichen gibt es  vier Hauptanwendungsbereiche, in die Mobilfunkbetreiber einsteigen können. Der erste – und bei weitem der größte – ist Enhanced Mobile Broadband. Es wird prognostiziert, dass in  iesem Bereich, der Anwendungen  ie Echtzeit-Augmented und Virtual Reality umfasst, bis 2026 global rund eine Billion US-Dollar umgesetzt werden.

Der zweite Bereich ist Fixed-Wireless Access (FWA), der ebenfalls große finanzielle Chancen verspricht. Es wird erwartet, dass in Ballungsgebieten den nächsten acht Jahren weltweit rund 100 Milliarden Dollar durch  die Vernetzung von Unternehmen und Wohngebäuden generiert werden.

 Die letzten beiden Anwendungsbereiche betreffen das Internet der Dinge (IoT) und konsumbasierte Dienste.  Das IoT dürfte den Mobilfunkbetreibern in den nächsten Jahren wichtige Einnahmequellen in verschiedenen  ranchen bieten. Das Angebot von NaaS-Lösungen (Network  as a Service) für Unternehmen und Verbraucher dürfte ebenfalls weitere Einnahmequellen eröffnen. Die Mobilfunkbetreiber haben also offensichtlich einiges, worüber sie sich freuen können, aber was bedeutet das alles in der Praxis?

Geschäftsprozesse neu aufsetzen
Mobilfunkbetreiber müssen bereit sein, ihre Business  Support Systeme (BSS) zu überarbeiten, wenn sie dieneue Welle von Diensten und Geschäftsmodellen, die auf  den Weg gebracht werden sollen, bewerten und berechnen wollen. Jeder Betreiber, der dies nicht tut, dürfte erhebliche Umsatzmöglichkeiten verpassen, die mit der innovativen 5G-Technologie möglich werden.

Dies wird durch eine Prognose des Beratungsunternehmens Ovum untermauert. Demzufolge sollen die  Ausgaben für umsatzsteuerungsbezogene BSS von 8,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 auf 10,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 steigen. Insbesondere steigende Umsätze in den Bereichen Revenue Management und Analytics sollen hier das Gesamtwachstum im BSS-Bereich antreiben.

Die BSS-Optimierung ist insbesondere aus FWASicht wichtig. Zwischen Festnetz- und Mobilfunkteilneh Mobilfunkteilnehmern können sich hier unterschiedliche Kooperationsformen  entwickeln, wie die Vielzahl von bereits bestehenden Teaming-Modellen, beispielsweise Asset-Sharing,  zeigt.

Da Mobilfunkbetreiber bereits Großkunden von Festnetzbetreibern sind, ist davon auszugehen, dass diese  Beziehung noch enger wird. In diesem Zusammenhang  üssen die Mobilfunkbetreiber bei der Einführung von FWA in den kommenden Jahren Kreativität und Kundenorientierung einbringen. Letzten Endes soll über traditionelle mobile und neue drahtlose Festnetzdienste hinweg  in einheitliches Kundenerlebnis entstehen.

Die Technologie muss dabei einen nahtlosen Übergang zwischen der Konnektivität zu Hause und unterwegs  ermöglichen, ohne die bestehenden Dienste zu stören. Dies erfordert die Bewertung und Abrechnung in Echtzeit, damit sich Kunden ohne Leistungseinbußen frei bewegen können.

Schließlich bedarf es einer  kreativen Bündelung der angebotenen Services. Ziel muss sein, dass Kunden die Kostenvorteile eines einzelnen Anbieters nutzen und – falls bereits zu Hause oder im Büro ein Breitbanddienst vorhanden ist – alle Dienste mit ihrem Mobilfunkanbieter zusammenführen können.

Dies sind die wichtigsten  Herausforderungen, denen sich Mobilfunkanbieter gegenübersehen, wenn sie den Übergang in die nächste Ära der Mobilkommunikation anstreben und in einersich rasch verändernden Landschaft wettbewerbsfähig bleiben wollen.


 

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