02.04.2019 | Ausgabe 4/2019

Wie entwickelt sich die Medienbranche in diesem Jahr? 5 Prognosen

Die Veränderungen, die es 2018 in der Medienlandschaft gegeben hat, werden diese auch 2019 maßgeblich  beeinflussen. Die Öffentlichkeit konsumiert Medien ganz anders als früher. So ist Subscription Video on Demand(SVoD) inzwischen keine spannende Neuerung mehr – ganz  im Gegenteil: Die Abonnementzahlen haben das traditionelle Pay-TV überholt. 765 Millionen Menschen weltweit sehen sich Inhalte auf Plattformen wie Netflix und Amazon Prime an.

Doch nicht nur der Medienkonsum selbst hat sich  verändert, sondern auch der Zugriff: 20 % der Inhalte auf Netflix werden inzwischen auf mobilen Geräten angesehen. Natürlich wurden TV-Inhalte auch 2018 bereits auf mobilen Geräten gestreamt – das Tempo, in dem dieser Trend sich fortsetzt, ist jedoch beeindruckend.

Zuschauer erwarten bessere Qualität
4K-Produktion ist inzwischen Branchenstandard. Immer mehr Verbraucher möchten hochauflösende Inhalte zu  Hause ansehen. Der Worldwide TV Market Report von Futuresource Consulting hebt hervor, dass allein bis Ende 2018 über 80 Millionen 4K-UHD-Fernseher bestellt wurden, davon 60 % mit High Dynamic Range (HDR).

Fünf Prognosen für das Jahr 2019

1. Virtuelle Produktion entwickelt sich weiter 
Wir befinden uns bereits inmitten der ersten Experimentierphasemit 5G. Das wird sich nicht nur auf den Konsum von  edieninhalten via Smartphone auswirken, sondern auch auf deren Produktion.

Viele Medienhäuser haben die Vorteile der virtuellen  Produktion bereits erkannt. Fortschritte bei der mobilen Konnektivität haben das Potenzial, die Entwicklung in diesem Bereich im Jahr 2019 weiter voranzutreiben.

Die steigende Zahl von cloudbasierten und Virtual Production-Services wird nicht nur die Arbeitsweise der Produktionsteams vor Ort, sondern auch die Finanzierung der Produktionen verändern. Denn: Cloud-Services erleichtern in der Regel den Marktzugang, da sie geringere Kosten verursachen.

Was im Zeitalter von „Fake News“ zudem einen nicht zu unterschätzenden Vorteil darstellt, ist die dezentrale Auswahllogik,  von denen virtuelle Produktionen profitieren: nhalte können von überall und zu jeder Zeit erstellt, geteilt,  earbeitet und veröffentlicht werden. Dies erleichtert die  Vor-Ort-Produktion und traditionelle Nachrichtenanbieter sind in der Lage, Inhalte direkt am Ort des Geschehens zuproduzieren und sie schnell bereitzustellen.

2. Die datenbasierte Produktion steigt rasant an
Laut einer Studie von PwC wird das Datenaufkommen in den kommenden Jahren voraussichtlich um 22,3 % wach sen und im Jahr 2022 bei 398 Billionen Megabyte liegen (Quelle: German Entertainment und Media Outlook 2018-2022 (GEMO)). 

Noch sind wir nicht bei den Datenmengen von 2022.Aber wir wissen bereits jetzt, dass die Menge an Daten, die 2019 entstehen werden, noch mehr Erkenntnisse über Zielgruppen, ihren Konsum sowie die Inhalte und Produktionsmethoden liefern wird – und zwar durch die steigende Anzahl von Personen, die Videos online ansehen.  Außerdem ermöglicht die bereits erwähnte Einführungvon 5G im kommenden Jahr, noch öfter Videoinhalte  in höherer Qualität anzusehen.

Aber die wichtigste und vielleicht auch naheliegendste Vorhersage betrifft den durch dieses Datenvolumen  zu erwartenden Anstieg des Einsatzes von künstlicher Intelligenz (KI) in der gesamten Medienbranche.

2019 wird der Einsatz von KI bei Produktionen von  nhalten zunehmen. Das betrifft nicht nur die Automatisierung vonWorkflows, sondern auch die Bereiche Akquisition und Vor- und Nachproduktion – um Bereitstellungszeiten auf unterschiedlichen Plattformen zu verkürzen – sowie die Vorab-Erstellung von Inhalten für bestimmte Zielgruppen. Metadaten, die durch neue  roduktionen und das Publikumsverhalten generiert werden, ermöglichen eine noch bessere Inhaltserstellung auf der Grundlage von Trends und datenbasierten Einblicken. Aufgrund der schieren Masse ist man auch hier auf KI angewiesen.

3. Mixed Reality wird eine tragfähige
Medienplattform Nicht nur KI wird eine Rolle in der Produktion spielen. Auf der Suche nach einzigartigen und personalisierten Erlebnissen, die das Interesse und die Einbindung des Publikums angesichts des starken Wettbewerbs steigern sollen, bleibt Mixed Reality weiterhin ein wichtiger Bereich, mit dem viel experimentiert wird.

Da sich immer mehr Menschen Inhalte online ansehen, gibt es auch immer mehr Produzenten, von denen  jeder versucht, die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu erregen – von großen Netflix-Produktionen bis hin zu YouTube-Nutzern. 

Die Virtual Reality (VR)-Technologie entwickelt sich rasant weiter und wird günstiger, wodurch ihre Verbreitung steigt (siehe Grafik unten). Das wiederum ebnet den Weg für Mixed Reality als eine tragfähige, neue Unterhaltungsplattform.  Wenn wir uns die Einführung von Mixed Reality im letzten Jahr ansehen, wird klar, warum die am schnellsten wachsenden Umsatzsegmente wohl VR und Over-the-top content (OTT) sein werden. OTT bezieht sich auf Anbieter, die Medien als eigenständige Dienste über das Internet vertreiben, wie zum Beispiel Netflix und Amazon Prime.

Sony hat 2018 sowohl mit Sky als auch mit der BBC zusammengearbeitet, um Zuschauer durch Second- Screen-Dienste stärker einzubinden. Beide Anbieter  erreichen ihr Zielpublikum, indem sie Live-Sportarten über Virtual Reality mit PlayStation VR zur Verfügung stellen.

4. Die Anzahl an neuen Medienproduzenten nimmt zu 
Da 4K-HDR-Inhalte zum Maßstab für Unterhaltung zu Hause werden, werden im Laufe des Jahres 2019 auch weiterhin Technologien auf den Markt kommen, mit der sich Großproduktionen flexibel und kostengünstig umsetzen lassen.

Durch eine kostengünstigere Produktionstechnologie ist es nicht mehr länger den Traditionsmarken vorbehalten, Inhalte zu erstellen, die ein Publikum ansprechen, das normalerweise im Fokus der M&E-Unternehmen  steht. Das heißt: Zukünftig haben diejenigen Erfolg, die am besten positioniert sind, um dem Publikum das zu bieten, was es will, und nicht mehr diejenigen mit den gleichen alten Einkaufslieferanten. 

Es wird daher neue Marktteilnehmer und verstärkte Partnerschaften geben, wie das Netflix Post Technology Alliance Program, an dem Sony bereits teilnimmt.

5. Neue Fachkompetenz ist erforderlich
Schließlich wird 2019 auch der Bedarf an spezifischen  Fähigkeiten steigen. Diese neue Fachkompetenz ist in der Medienbranche von unschätzbarem Wert. Techniker, die nicht nur IT- und Video-over-IP-Kenntnisse mitbringen, sondern sich auch mit digitaler Bereitstellung und dem Multiplattform-Publikum auskennen, werden sehr gefragt sein.

Da sich die Branche im Jahre 2019 also weiterhin im Wandel befindet, kommt Verbänden, Gremien und Partnerschaften, die nicht nur Normen definieren, sondern auch Wissen zusammentragen, eine wichtige Rolle zu. Content- und Medienunternehmen werden Partner suchen, die sie beraten, unterstützen und gemeinsam mit ihnen diesen Weg beschreiten.


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