02.04.2019 | Ausgabe 4/2019

Radio Bremen: Erneuerter TV-Komplex geht On Air

Bild: Radio Bremen (Christian Bordeaux)

Im Sommer 2017 schrieb Radio Bremen die Erneuerung seines TV-Komplexes europaweit aus.  MCI erhielt mit seinen Migrations- und Optimierungskonzepten im Herbst 2017 den Auftrag zur Erneuerung des TV- und Event-Komplexes aus dem Jahr 2006, das seit Februar auf Sendung ist.

Kernziele der TV-Komplex Erneuerung waren nach eigenen Angaben die durchgängige Produktion in  HD, die Optimierung der Workflows, die Erhöhung der Betriebssicherheit und Einsparungen bei den Betriebskosten.

Studio mit realem und virtuellem Bereich
Das neue TV-Studio hat einen realen und einen virtuellen  Bereich. Um Schalten, lebensgroße Personen und Augmented Reality-Elemente ins Studio zu holen, entschied sich Radio Bremen nach einem Shootout für das  irtuelle Studio Xpression von Ross Video, inklusive der MOS Anbindung an das Redaktionssystem. Zur weiteren Verbesserung des Produktionsablaufs wurde das Studio mit drei Furio-Schienen-Robotiken, ebenfalls von Ross, ausgestattet, die auch die Trackingdaten für das virtuelle Set liefern.Neben dem umfangreichen 3G-HD-Umbau der Infrastruktur wurde im Rahmen des Projekts erstmalig für Radio Bremen eine Mosart-Regie-Automation eingesetzt. Auch das neue, u. a. zur Sendeablaufplanung notwendige Redaktionssystem OpenMedia, war Teil dieses Projekts.OpenMedia verfügt im System von Radio Bremen über eine Vielzahl von Schnittstellen, u. a. zur Verarbeitung von Fremdrechteinformationen, Honoraranforderungen und zur Archivierung. Weiterhin ist das Content Management System VMPS an OpenMedia angebunden.

Das reale Set im Studio und das virtuelle Set werden in bestimmten Formaten durch das stilistische Mittel  eines Ganges der Moderatorin bzw. des Moderators miteinander „verbunden“. Der Übergang ist also fließend. Die Optimierung der Abläufe in Studio und Regie wird unter anderem durch Einführung der Regie-Automation und der Kamerarobotiken erzielt. Dadurch konnte eine deutliche Fokussierung des Personalaufwandes im Studiound in der Regie gegenüber dem vorherigen Stand  erreicht werden.

Bild: Radio Bremen/Jan Rathke

Redaktionssystem für effizienteres,  crossmediales Arbeiten
Ein weiteres wichtiges Element für effizientere Arbeitsabläufe  ist die Einführung des Redaktionssystems. OpenMedia deckt den kompletten Workflow von derRecherche und crossmedialen Themenplanung regionaler   Themen für TV, Hörfunk und Online bis zum Playout b. Darüber hinaus kommt das Redaktionssystem in der  Sendungsnachbereitung zur Datenübertragung an Drittsystemefür die Honorar-, Fremdrechte- und Archivierungsworkflows zum Einsatz. Das StudioDirector Plugin   on OpenMedia unterstützt zudem die Workflows einer automatisierten Studio-Produktion.

Die gesamte Erneuerung der Produktionstechnik erfolgte im laufenden Betrieb. Hierzu wurde ein detailliertes  Migrationskonzept gemeinsam mit dem Kunden entwickelt, welches auf einen Parallelbetrieb von alter und  neuer Technik setzte. Während dieser Phase wurde in der Event-Regie und aus einem zweiten Studio produziert. Das Migrationskonzept betrachtete eine Vielzahl von Komponenten und Arbeitsschritten zum reibungslosen Ablauf. So wurde beispielsweiseein neues KVM Matrixsystem bestehend aus zwei  ControlCenter-Compact 80Port des Herstellers Gunthermann & Drunck installiert. Das neue CATCenter Neo vereinigte mit Hilfe der Bridge-Funktionalität analoge KVM-Komponenten aus dem Alt-Bestand mit zwei neuen digitalen Matrizen im TV- Komplex. Die bestehenden analogen KVM-Komponenten konnten so weiterhin betrieben werden. Auch wurden dasSteuerungssystem, AV-Kreuzschienen, Grafiksysteme und viele weitere Systemeschrittweise integriert, umgeschwenkt und Altgeräte anschließend deinstalliert.

Auch der Umschwenk von der alten SD-Kreuzschiene zur neuen zentralen, IP-fähigen Imagine Platinum IP3-Kreuzschiene erfolgte über verschiedene Phasen und  behinderte den Sendebetrieb zu keiner Zeit. Die externen Bereiche wie SAW oder HSR wurden, teilweise über LWL, ebenfalls im laufenden Betrieb angebunden.

Des Weiteren entschied sich Radio Bremen unter anderem  ür LDX-Kameras von Grass Valley samt Fujinon-Optiken, Displays von TV-Logic und Panasonic, Lynx-Infrastruktur, Nexus-Audio-Kreuzschiene von Stagetec, einemMVS-Bildmischer von Sony und vielen weiteren Komponenten von Aja, Vidigo, Autoscript, Sennheiser, Wohler, Riedel, Clear-Com, Eyeheight, plura, Apple und Harmonic. Im Studio wurde ein neues hybrides Set Design mit  neuen Beleuchtungselementen eingeführt. Das Studiodesign und der Studiobau sind  urch Radio Bremen beigestellt worden. Hierzu lieferte MCI neue LED-Stufenlinsenscheinwerfer und Lichtwannen von Arri und ein Steuerungssystem von MA Lighting.

Erfolgreiche Migration auf neue Technik
MCI war bei diesem Projekt für die Erstellung eines Gesamtpflichtenhefts  (bestehend aus den Teilen Steuerungssystem, Automation, Redaktionssystem mit Anbindungenan VPMS, Robotik und VR-System) und der dazugehörigen  Compliance Matrix, für die Integration und Anbindung des Redaktionssystems und der Studioautomation, die Ausführungsplanung, Installation, Konfiguration, Inbetriebnahme und  chulung des neuen TV-Komplexes als Generalunternehmer verantwortlich. Der finale Umschwenk auf die neue Technik geschah in der Nacht zum 9. Februar 2019, so das Radio Bremen erstmalig an jenem Samstag mit dem neuen Produktionskomplex senden konnte.


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