10.05.2019 | Ausgabe 5/2019

SPOBIS 2019: Mission Weltrettung

Bild von Thorsten Frenzel auf Pixabay

Über die Zukunft des Sports in einer digitalen Welt. Eindrücke vom Sportbusiness-Event  Ende Januar in Düsseldorf.

Zugegeben, groß denken kann man beim FC Barcelona. Aber das ist für einen Sportverein von Weltrang, der jedes Jahr Millionenumsätze verbuchen kann, auch nicht weiter verwunderlich. Mit nicht weniger als dem Ziel die Welt zu verbessern, stellte Albert Mundet, Head of Knowledge, auf dem SPOBIS 2019 in Düsseldorf Ende Januar den neuesten Coup der Katalanen vor: den Barça Innovation Hub.

Unter der Marke soll ein komplettes Ökosystem für die Sportwelt entstehen, das Sportorganisationen, Unternehmen, Forschungsinstitute und Universitäten,Unternehmer und Startups zusammenbringt. Sie alle sollen im Rahmen der Plattform ihr Wissen austauschen unddabei helfen, zukunftsorientierte Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Ein Schwerpunkt dabei sind Themen, in denen der FC Barcelona bereits Expertenwissen zusammengetragen hat, darunter Gesundheit und Ernährung, Hochleistungssport, die digitale Welt sowie Themen die den Sport und seinen Einfluss auf die Gesellschaft betreffen. Von den Ergebnissen sollen nicht nur der Verein, seine Fans und Partner, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes profitieren, oder, wie es Präsident Josep Bartomeu auf der Website des Innovation Hub ausdrückt: „Wir möchten daran mitwirken, die Welt durch sportliche Höchstleistungen zu verändern.“

Doch so selbstlos das erst einmal klingt, steckt dahinter natürlich knallhartes geschäftliches Kalkül: Denn auch bei Barça weiß man, dass, wer in der digitalen Welt von morgen weiterhin erfolgreich sein will, sich für die Zukunft entsprechend rüsten muss. Hier macht man es also den großen Internet-Playern nach: Wissen (und Daten) von außen auf der eigenen Plattform zu bündeln und dann daraus eigene Produkte entwickeln. Vom Sportverein zum Sportunternehmen, wie Mundet zusammenfasst.

Eine ähnliche Taktik fährt auch der FC Bayern München, auch wenn es hier ein wenig bodenständiger klingt: Im Interview erläuterte Stefan Mennerich die Strategie der neu gegründeten Medientochter des Vereins, die insgesamt 50 Mitarbeiter umfasst. Zum einen möchte man so interne Ressourcen und Know-How bündeln, zum anderen die selbst entwickelten Produkte und Dienstleistungen auch extern anbieten, etwa anderen Sportvereinen oder Sponsoren.

Als Beispiel nennt er die Backend-Infrastruktur (für Ticketing, Mitgliederverwaltung usw.) auf Basis von SAP, die der FC Bayern inzwischen nicht mehr nur selbst nutzt, sondern bereits erfolgreich an Austria Wien, Dynamo Dresden oder den FC Basel lizensiert hat. Auch die Sponsoring-Aktivierung möchte man künftig verstärkt bernehmen, jedoch seien hier erst einmal nur Partner des FC Bayern angesprochen. Auch die unternehmensintern entwickelten Frontend-Lösungen, im Speziellen Content-Management-Systeme, möchte man extern anbieten.

Eine Beteiligung an Unternehmen/Start-ups sei ebenfalls geplant. So möchte man kleineren Unternehmen die Möglichkeit geben, unter der Ägide des FC Bayern zu wachsen, um im Gegenzug von diesem Wachstum und der Wertsteigerung zu profitieren. Jedoch müsse das Unternehmen zum Profil passen. Zwei Beteiligungen seien in diesem Jahr bereits im Gespräch.

Laut Menne ist die Digitalisierung ein wichtiger Baustein für den FC Bayern. Für die Zukunft sollen Kompetenzen gebündelt werden, externes Know-How die interne Entwicklung ergänzen. Der neue Geschäftszweig soll eine Chance sein, die jahrzehntelangen Einnahmequellen rund um Ticketverkäufe, Merchandising, Sponsoring und Medienrechte um eine weitere Säule zu ergänzen und als Dienstleister in seinen Kernkompetenzen aufzutreten.

Doch nicht nur die Digitalstrategie der Vereine stand auf dem Programm, auch die Akquisition von Sportrechten, und vor allem welche Rolle die Internet-Plattformen dabei künftig spielen, war Gegenstand der Diskussion. Peter Hutton  on Facebook stellte sich den Fragen hinsichtlich der Strategie des Unternehmens in diesem Zusammenhang.

Er stellte klar, dass man sich bei Facebook noch in der Experimentierphase befände. Hutton, der früher bei Eurosport/Discovery tätig war und somit die Broadcast- Branche von Grund auf kennt, sieht sich als Mittler zwischen den Welten und stellte klar, dass Facebooknicht in die Rolle des Broadcasters schlüpfen, sondern zusätzliche Inhalte anbieten wolle, die die linearen Ausspielwege ergänzen.

Erste Erfahrungen konnte man zum Beispiel bei der Ausstrahlung von LaLiga in Indien sammeln. Zusammen mit den USA und Südamerika, wo man unter anderem die Rechte für einige Spiele der Copa Libertadores gekauft hat, ist Indien einer der größten Märkte für das Unternehmen, wie Hutton bestätigte.

Ziel von Facebook sei es, dass die Leute die Plattform und Tools des Unternehmens nutzen. Man sieht sich selbst als Trichter der Fans, Sponsoren und Sportorganisationen zusammenbringt. Beim Erwerb von Sportrechten sei es aber nicht das Ziel, selbst als Marke aufzutreten, sondern die Organisationen/Clubs sollen die Möglichkeit erhalten, mit Facebook als „Mittler“ und unter Nutzung der unternehmenseigenen Tools ihre Fan-Community zu erreichen bzw. zu vergrößern.

Am besten funktioniere die Plattform zurzeit mit kurzen Clips und Highlights, dafür sei das Umfeld der sozialen Medien wie gemacht. Bei längeren Inhalten müsse man die eigene Rolle noch finden, teste derzeit Formen der Zuschauerbeteiligung bei einigen Angeboten, zum Beispiel Abstimmungen. In jedem Falle müssten soziale Medien etwas Einzigartiges bieten, dass sich vom klassischen, eher passiven Fernseherlebnis unterscheide.

Ein völlig anderes Erlebnis, dafür möchte auch der FC Schalke 04 in Zukunft neue Fans gewinnen. Der Verein hat die Rechte für die League of Legends erworben und ist damit auf den E-Sport-Zug aufgesprungen. Marketingvorstand Alexander Jobst erklärte, dass für die zukünftige Ausrichtung des Clubs vier Felder entscheidend seien: Wachstum, Internationalisierung, Digitalisierung und Markenentwicklung. Kein anderes Medium bediene diese vier Bereiche besser und effizienter als E-Sport. E-Sport sei ein Phänomen, kein Hype und wachse weiter rasant.

Für Schalke sei der Bereich auch eine Lernmöglichkeit, was die allgemeine Digitalisierungsstrategie des Vereins angeht, und ein Paradebeispiel, von dem auch der Fußball profitieren könne. Zudem möchte man durch das Engagement im Bereich E-Sport auch die internationale Wahrnehmung der Marke Schalke 04 erhöhen und Fans in der neuen Zielgruppe gewinnen.

Peter Görlich (TSG Hoffenheim) referierte zum Thema Innovationsmanagement und was dies für einen Bundesligisten bedeutet. Hoffenheim hat wie Hertha BSC Berlin und Borussia Dortmund den Footbonauten im Einsatz und laut Görlich bereits viele wissenschaftliche Studien zu diesem Thema durchgeführt.

Er stellte zunächst klar, dass das Wort Innovation inflationär genutzt werde. Es gehe um professionelles Denken und Handeln. Es sei ein Fakt, dass einmal Gelerntes nicht bis ans Lebensende reiche. Neue Perspektiven müssten regelmäßig integriert werden. Dabei müssten geschützte Räume geschaffen werden, in denen man bewusst Regeln brechen kann. Wenn dann ein Regelbruch zu etwas Gutem führe, dann müsse dafür gesorgt werden, nicht mehr in alte Muster zurückzufallen und das Neue in die Prozesslandschaft zu integrieren. Außerdem müssten Prozesse immer wieder analysiert und hinterfragt werden.

Wie geht es also im Sportbusiness und mit der Digitalisierung  der Sportorganisationen weiter? Der SPOBIS 2019 konnte dafür erste Anhaltspunkte liefern. Eines scheint aber klar zu sein: Für Clubs und Player mit größeren Budgets wird es wahrscheinlich leichter werden, in der digitalen Welt Fuß zu fassen, da sie Plattformen und Ökosysteme selbst entwickeln und somit ein Stück weit mitbestimmen können, wohin die (digitale) Reise geht. Die richtige Strategie ist das zweite wichtige Stellrädchen – wer hier die Nase künftig vorn hat, bleibt abzuwarten

Angela Bünger, FKT


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