03.07.2019 | Ausgabe 7/2019

Editorial

Liebe Leser,
die Themen KI und Deep Learning treiben derzeit nicht nur die Medienbranche um. Branchenübergreifend sollen Prozesse so möglichst „ressourcenschonend“ gestaltet werden. Einige sehen darin einen logischen und konsequenten Fortschritt („die Technik entwickelt sich eben weiter“), andere den Untergang der Zivilisation („der Mensch schafft sich selbst ab“).

Als ich Ende 2003 mein Studium im Bereich Übersetzen abschloss, unkten einige bereits „das machen doch demnächst sowieso die Maschinen“. Eine Einstellung, die sich 2019 vor dem Hintergrund der immer besseren maschinellen  Übersetzung bei vielen manifestiert hat. Doch erstens scheitern selbst die besseren Angebote noch bei komplexen Fachtexten, zweitens könnte man diese Reihe im Zuge des technologischen Fortschritts beliebig fortsetzen: Buchhalter oder Steuerberater? Braucht keiner mehr! Personalabteilung? Macht der Computer besser! Medienproduktion? Geht doch automatisch! Und selbst der KI-Entwickler könnte dann in der letzten Phase von seiner eigenen künstlichen Intelligenz „überholt“ werden. Zwar ist diese Reihe sehr überspitzt und ganz ferne Zukunftsmusik, doch sie zeigt, dass uns das Thema beruflich alle angeht, egal für wie „zukunftssicher“ wir unseren Beruf erachten.

Ist das nun gut oder schlecht? Es kommt darauf an. Denn was wir für die Zusammenarbeit mit dem „Kollegen Computer“ benötigen, ist geistige Flexibilität und die Fähigkeit, über den eigenen (Fach-)Bereich hinauszudenken, um die vielen „losen Enden“, die es gerade in der Programmier- und Lernphase von KI-Technologien gibt, aufzunehmen. Damit meine ich nicht, dass keine Fachleute mehr gebraucht werden, im Gegenteil! Doch diese müssen nicht nur ihren eigenen Fachbereich aus dem Effeff beherrschen, sondern auch das „Große  Ganze“ im Blick haben. Eine Fähigkeit, die im Zuge der immer weiteren Spezialisierung bei einigen abhanden gekommen zu sein scheint.

Und da es in dieser Ausgabe neben KI auch um das Kino geht, sei eine Schlussbemerkung erlaubt: In Zukunftsutopien, in denen das Ende der Menschheit naht, ist der rettende Held meist immer derjenige, der auch noch weiß, wie die  Dinge „von Hand“ geregelt werden können.

Herzlichst Ihre


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