03.07.2019 | Ausgabe 7/2019

Anwendungsbereiche von künstlicher Intelligenz

Bild: peshkova – stock.adobe.com

Der Artikel gibt einen kurzen Überblick über die Anwendungsbereiche von künstlicher Intelligenz in der Film- und Videoproduktion als auch in der Broadcast-Branche. Dabei werden Arbeitsbereiche aufgezeigt, die bereits von Maschinen übernommen werden können, sowie Vorteile und Möglichkeiten  aufgezeigt, die eine Kooperation mit intelligenten Maschinen ermöglichen. Ein kleiner Einblick in die, im Rahmen der Masterarbeit der Autorin durchgeführte, empirische Studie soll die Haltung der Testpersonen gegenüber kreativen Werken von intelligenten Maschinen aufzeigen.

Künstliche Intelligenz wird bereits in Form von zahlreichen Anwendungen in unserem Alltag und unserer Arbeitswelt eingesetzt. Mit der ersten Nennung des Begriffs künstliche Intelligenz, im Rahmen des Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence, später als Dartmouth Conference bekannt, gilt McCarty als Begründer der KI-Forschung und das Jahr 1965 als Startschuss der Forschung rund um künstliche ntelligenz [1]. Seit dem Beginn der Forschung befassen sich Forschende mit einer Vielzahl von Ansätzen, um maschinelle Intelligenz auf dasselbe Niveau anzuheben wie menschliche Intelligenz. Dabei wurden etliche unterschiedliche Möglichkeiten getestet, um sogenannte starke Intelligenz in einer Maschine zu erschaffen. Die These der starken KI reduziert Fähigkeiten wie Intelligenz und Kreativität auf reine Berechnungsprozesse. In dieser Forschung wird behauptet, dass auch diese intentionalen menschlichen Vorgänge messbar gemacht werden können. Menschliche Intelligenz wird in der These der schwachen KI hingegen durch die Verarbeitung von Informationen definiert [2]. Starke KI setzt bei einer  aschine voraus, dass diese menschliches Verhalten imitiert, beziehungsweise einen eigenen Verstand besitzt. Bis heute ist dies jedoch noch nicht gelungen. Alle heutzutage bekannten Anwendungen fallen in den Bereich der schwachen künstlichen Intelligenz [3]. Besagte Anwendungen finden sich nach außergewöhnlichen Leistungen künstlicher Intelligenz im Spielebereich, etwa bei Poker, Schach, Go oder Jeopardy! auch in großer Zahl in unserem Alltag und in unserer Arbeitswelt. Man trifft auf Chatbots ebenso wie auf diverse Assistenzsysteme, die mit dem Menschen kommunizieren und ihm den Alltag erleichtern sollen. Künstliche Intelligenz steckt, größtenteils in Form von maschinellem Lernen, in maschinellen Übersetzungstools, im Spamfilter eines E-Mail-Programms, in Suchmaschinen oder wird in der Bild- und Spracherkennung eingesetzt. Sie ist ein wichtiger Bestandteil im Internet der Dinge, ermöglicht autonomes Fahren, wird in Fahrzeugen zur Erkennung des Umfelds oder zum automatischen Einparken genutzt, findet sich aber auch im journalistischen Bereich, in dem es selbstständig Beiträge, wie Wetter- und Sportberichte, verfasst [4].

Auch in der Kulturwirtschaft haben künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen längst Einzug gehalten. Sei es im Bereich des Produktdesigns, indem unter Verwendung von KI-Algorithmen leistungsoptimierte Objekte entworfen werden [5], künstlich intelligente Systeme die Nachrichtenbeiträge im Fernsehen präsentieren [6], Musik komponieren oder kurze Videos schneiden [7].

In der Broadcast-Branche war der Einsatz von künstlicher Intelligenz bis vor Kurzem noch sehr beschränkt, findet jedoch aufgrund des wachsenden Marktvolumens und der sinkenden Kosten zunehmend Einsatz in der Branche und wird vermehrt in bestehende Produktionen integriert. Beispielsweise zum Verwalten und Suchen von multimedialen Inhalten, zum Hinzufügen von Metadaten in Datenbanken oder in der Qualitätskontrolle [8]. In der Branche kommt künstliche Intelligenz zudem zur Erstellung von Highlight Clips etwa im Sportbereich [9], zur automatischen Untertitelung von Videos in der Live-Berichterstattung [10] oder zur Unterstützung von Live Produktionen zum Einsatz, um zusätzliche Inhaltezu generieren, um nur einige Anwendungsbereiche zu  nennen [11].

Möglichkeiten durch künstliche Intelligenz In vielen Fällen kann die Maschine die Arbeit des Menschen bereits übernehmen, oder tut dies auch bereits. In anderen Fällen, vor allem wenn Kreativität gefragt ist, wie etwa im Schnittbereich, der Kameraführung oder dem Schreiben von Drehbüchern ist künstliche Intelligenz jedoch noch nicht weit genug entwickelt, um professionelle Ergebnisse zu liefern, kann aber unterstützend eingesetzt werden. Die Arbeit des Menschen zu unterstützen, ist einer der Vorteile, der sich durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Film- und Videoherstellung, als auch in der Broadcast-Branche ergibt. Des Weiteren wird durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz davon gesprochen, dass neue Denkmuster und Möglichkeiten erschlossen werden können, da durch die Maschinen weitaus mehr Daten zur Berechnung mit einbezogen werden können [12]. Der Hauptgrund zum Einsatz von künstlicher Intelligenz ist jedoch, den Menschen bei repetitiven und wenig produktiven Arbeiten zu entlasten beziehungsweise diese Arbeitsschritte den Maschinen zu überlassen. Somit kann sich der Mensch auf die kreative Arbeit fokussieren. Durch die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine kann so wesentlich effizienter, kostengünstiger und produktiver gearbeitet werden [13].

Empirischer Teil Aufgrund der Digitalisierung und dem zunehmenden Einsatz von Maschinen in der Branche der Film- und Videoproduktion, die die Arbeit des Menschen erleichtern sollen, stellte sich die Autorin die Frage, inwieweit die Maschinen in der Lage sind, die Arbeit von Menschen vollständig zu übernehmen. Im Zuge der Masterarbeit der Autorin wurden im Rahmen einer empirischen Studie kurze Urlaubsvideos von einem professionellen Cutter, einer Hobby-Cutterin, als auch von einer KI-gestützten Software generiert. Das Ausgangsmaterial und die Vorgaben für die Videos waren für alle identisch. Daraus entstanden drei sehr unterschiedliche Videos, deren Einsatz von Übergängen und Texteinblendungen als auch deren Schnittgeschwindigkeit und -stil stark variierte. Das von der KI-gestützten Software generierte Video verwendete zahlreiche Animationen als Übergänge zwischen den Bildern, wohingegen die menschlichen Cutter auf harte chnitte als Übergänge setzten.

Diese Videos wurden anschließend von Testpersonen, die sich aus insgesamt 180 Studierenden in Österreich zusammensetzten, angesehen und bewertet. Diese Testpersonen wurden in zwei Gruppen unterteilt, deren Fragebögen sich darin unterschieden, dass eine Gruppe über das KI-Video informiert wurde, während  ie zweite Gruppe unwissend blieb. Durch die Umfrage sollte unter anderem herausgefunden werden, welches Video am ansprechendsten für die Testpersonen ist, ob die Testpersonen das Video der KI-gestützten Software unter den anderen zwei Videos identifizieren können und ob die Testpersonen das Video der KI anders bewerten, wenn sie wissen, dass es sich um ein maschinengeneriertes Video handelt.

Auswertung    Die Ergebnisse zur Bewertung der Videos (siehe Bild 1) zeigen, dass den Testpersonen beider Fragebögen das Video der Hobby-Cutterin (Video 1) am besten gefallen hat, gefolgt vom Video des professionellen Cutters (Video 3). An dritter Stelle liegt das Video der KI-gestützten Software (Video 2). Aus diesen Ergebnissen geht hervor, dass die Testpersonen die Videos die von den Menschen generiert wurden, im Vergleich zum Video der KI-gestützten Software, als ansprechender empfinden. Vergleicht man die Ergebnisse beider Fragebögen, ist aus Bild 1 zudem ersichtlich, dass die Testpersonen die Videos der menschlichen Cutter (Video 1 und Video 3) besser bewerteten als das KI-Video (Video 2), unabhängig davon, ob sie darüber informiert wurden, dass eines der Videos von einer KI-gestützten Software stammt oder nicht. Dabei ist zu erwähnen, dass die unwissenden Testpersonen (Fragebogen 1), das Video der KI-gestützten Software weitaus besser bewerteten, als die informierten Testpersonen (Fragebogen 2). Die Frage, ob Menschen ein kreatives Werk anders bewerten, wenn sie wissen, dass es von einer Maschine erstellt wurde, wird im Rahmen dieser Studie verneint. Die Testpersonen beurteilen das Video der KI-gestützten Software ähnlich, unabhängig davon, ob sie wissen, dass es sich um ein maschinengeneriertes Video handelt. Trotzdem ist nicht zu vernachlässigen, dass sich leichte Tendenzen zur posi iveren Bewertung des maschinengenerierten Videos bei den nicht informierten Testpersonen zeigen. Es kann vermutet werden, dass die informierten Testpersonen durch das Wissen über das KI-Video beeinflusst wurden. Um zu untersuchen, ob die Testpersonen das Video der KI-gestützten Software unter den anderen beiden Videos von menschlichen Cuttern identifizieren können, wurden die uninformierten Testpersonen (Fragebogen 1) gefragt, welches Video ihrer Meinung nach von einer Maschine stammt. Die Ergebnisse in Bild 2 zeigen, dass 46 % der Testpersonen Video 2 als das maschinengenerierte Video identifizieren konnten. Die richtigliegenden Testpersonen begründeten ihre Entscheidung damit, das maschinengenerierte Video aufgrund der Übergänge, der zahlreichen Animationen und aufgrund des Schnittstils identifiziert zu haben.

Fazit
Ein Blick in die Zukunft lässt vermuten, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich bringen wird. Eine Kooperation mit intelligenten Maschinen kann zahlreiche Möglichkeiten eröffnen sowie Erweiterungen und Erleichterungen für den Menschen bringen. Manche Aufgaben des Menschen können künftig jedoch auch von Maschinen übernommen werden. Bis es so weit ist, dass künstliche Intelligenz gänzlich in unserem Alltag und in der Arbeitswelt implementiert wird, müssen zahlreiche Fragen aus technologischer, ethischer und gesellschaftlicher Sicht beantwortet werden. Da das Forschungsfeld noch sehr jung ist und der Fortschritt in den einzelnen Gebieten ungleich rasch verläuft, ist es zurzeit schwer vorherzusagen, wie sich die Forschung rund um künstliche Intelligenz entwickeln wird.


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