30.08.2019 | Ausgabe 8-9/2019

ESC 2019 in Tel Aviv

Bild: Ralph Larmann

250 Kilometer Kabel und 250 LkW-Ladungen Produktionsequipment waren nötig, um den Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv auf die Beine zu stellen. Rund 7.200 Zuschauer waren live dabei, 182 Millionen Zuschauer verfolgten das Spektakel vor den Bildschirmen.

Wie viele Leute benötigt man für die Produktion des größten Musikevents der Welt? Das Material für die Produktion der 64. Auflage des Eurovision Song  Contest (ESC) war in jedem Fall umfangreich: Rund 250 LkW-Ladungen wurden in nur 96 Stunden ausgeladen und über drei Wochen lang im Tel Aviv Convention Center verbaut, dazu 250 Kilometer Kabel verlegt.

Bühnenspektakel der Superlative
Bereits zum dritten Mal nach 1979 und 1999 war Israel Gastgeber des Musikspektakels, das alljährlich Millionen Menschen in seinen Bann zieht. 7.200 Fans konnten live vor Ort in der Halle dabei sein; 182 Millionen Zuschauer in 40 Ländern schalteten die Live-Übertragung ein. Allein in Deutschland sahen 7,6 Millionen die Live-Show in der ARD. Vor allem bei den jüngeren Zuschauern wächst die Fangemeinde stetig und die Angebote auf den sozialen  Medien wie Youtube wurden rege genutzt.

Entsprechend der Bedeutung des ESC erwarten die Fans natürlich jedes Jahr eine Show der Superlative. Dieses Mal entschieden sich die Veranstalter für eine aus zwölf Einzeldisplays bestehende 36x 12 m LED-Wand  als Bühnenhintergrund. LEDs kamen auch an Boden und Decke großzügig zum Einsatz: insgesamt 16.998.976 Pixel machte die gesamte LED-Bühnenkonstruktion aus, bisheriger Rekord beim ESC.

Kommunikations- und Signalmanagement
Riedel Communications war erneut als Technik-Partner vor Ort und verantwortete die gesamten Kommunikationslösungen,  den Signaltransport, die IT- und Cybersicherheit sowie Akkreditierung und Zugangskontrolle zum Event. Grundlage für die Kommunikation war ein  zentrales Artist-Intercom- und MediorNet-System mit über 4.000 Ports. Das analoge Funksystem umfasste über 30 Kanäle, für den Digitalfunk waren zehn Gruppen vorgesehen. Sowohl analoge als auch digitale Funkinfrastruktur waren vollständig in das zentrale Intercom- System integriert. In Sachen Equipment kamen u. a. 40 Bolero Beltpacks zum Einsatz.

Die Kommentarlösung mit 40 Panels und Headsets sowie 20 Desktop Panels und Headsets für die Assistenten nebst 90 Monitoren wurde in allen Commentary- Boxen verwendet.

Die Signaldistribution lief ebenfalls über MediorNet, was zuverlässig die Signalführung und Ausspielung aller Audio-, Video und Datensignalen am gesamten Veranstaltungsort übernahm. Hierzu wurden 60 MediorNet  Frames an 25 verschiedenen Positionen vor Ort verbaut und insgesamt 25 km Glasfaserkabel verlegt. Die Wuppertaler unterstützten die Installation zudem mit einem eigenen Support-/Produktions- und Technik- Team bestehend aus 30 Leuten.

Broadcast
Das Team von NEP setzte auf ein vollständig redundantes Setup und war mit seinen beiden Ü-Wagen HD1 und HD2 vor Ort. Das Team nutzte 17 LDX-86N- und sechs LDX-C86N-Kameras von Grass Vally im Zusammenspiel  mit UJ122 und CJ12-Objektiven von Canon. Die Fernsteuerung der Kameras wurde mittels Clip-On4-Transmitter (Vislink) realisiert, weiterhin waren drei Steadicams und fünf Handkameras im Einsatz.

Als Videoserver nutzte das Produktionsteam vier XT3-Live-Produktionsserver (EVS) mit acht Kanälen  sowie zwei X-file 3 für Transcoding und Archivierung. Als Bildmischer fungierte der Kayenne XL (Grass Valley); für die Audiomischung setzte man auf einen Lawo mc² 66. CuePilot steuerte den Bildmischer und die Kamerateams.

Das Media Asset Management übernahm Mediabank von NEP Media Services. Mitarbeiter aus den Technikteams von NEP Schweden, Finnland, Deutschland, Estland und den Niederlanden unterstützten die Produktion vor Ort.

Echtzeit-Grafik Für das Rendering der Grafiken entschied man sich für das virtuelle Studio und die AR Plattform Pixotope  (Future Group). Pixotope soll den kreativen Prozess der virtuellen Produktion vereinfachen, so die Entwickler der relativ jungen Software-Suite, die das Unternehmen aus  Oslo Anfang des Jahres auf den Markt brachte. Das Echtzeit- Rendering-System läuft auf Standard-Hardware und nutzt die Unreal Engine. Zudem bietet es eine WYSIWYG-Bearbeitung und ermöglicht so fotorealistische Grafiken in hoher Qualität.

Mehrere Pixotope-Systeme und Stype-Tracking-Lösungen wurden während des gesamten Halbfinales und im Finale eingesetzt. Dort brachte ein virtuelles Flugzeug  die Sänger zur Hauptbühne. Pixotope AR-Grafiken wurden bei der Einführung jedes Songs genutzt, wobei jede einzelne der 41 Länderflaggen aus virtuellen Dreiecken am Dach der Bühne dargestellt wurde. AR-Grafiken wurden auch als Schlüsselelemente bei einigen Songs verwendet, zum einen, um den Sänger zu replizieren und synchrone Duplikate zu produzieren, zum anderen zur Darstellung einer animierten Erdkugel (Bild).

„Showdown“
Als Duncan Lawrence mit seinem Song “Arcade” den Sieg holte, konnten die Organisations- und Technikteams kurz aufatmen und sich über die gelungene Show freuen, bevor es an den Abbau ging. Jetzt liegt es an den Niederlanden als Gastgeber der 65. Auflage des Sängerwettstreits 2020 der Show ihren Stempel aufzudrücken. Übrigens: Es waren rund 225 Leute für die Umsetzung  er Broadcast-Produktion in Tel Aviv nötig. 

Angela Bünger, FKT

 

 


 

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