07.02.2020 | Ausgabe 1-2/2020

Anstoß für erste 9:16-Produktion

DFL Deutsche Fußball Liga testet Vertikalformat für Smartphone und Social Media

„Dadurch, dass der Bildausschnitt viel schmaler ist, sind weniger Informationen als bei 16:9-Produktionen sichtbar. Dies begünstigt den Eindruck, dass das Spiel viel schneller ist“, sagt Heyden. / Quelle: ©DFL/Getty Images/Boris Streubel

Hochkant ist das neue Quer: Erstmals hat die DFL Deutsche Fußball Liga mit ihren Tochtergesellschaften DFL Digital Sports und Sportcast ein Bundesliga-Spiel zusätzlich auch im 9:16-Format produziert. Das vertikale Bildformat ist vor allem für die Nutzung auf Smartphones und in Social Media gedacht. Welches Equipment bei der 9:16-Premiere zum Einsatz kann, welche Herausforderungen die Bildregie zu meistern hatte und welche Probleme noch zu lösen sind, erläutert Andreas Heyden, EVP Digital Innovations, im Gespräch mit FKT.

Herr Heyden, die DFL Deutsche Fußball Liga hat bei der Bundesliga-Partie Wolfsburg gegen Bremen die TV-Produktion eines Spiels erstmals auch im 9:16-Format – also vertikal – realisiert. Welches Ziel verfolgen Sie mit diesem Experiment?

Heyden: Wir beobachten seit Jahren den Trend zur vertikalen mobilen Videonutzung in sozialen Netzwerken, besonders bei Instagram, Snapchat und Tiktok. Schon heute produzieren wir pro Saison über Tausend vertikale Beiträge auf den verschiedenen Plattformen in unserer digitalen Kommunikation. Da war der Schritt, dies auf Broadcasting in einem Test auszuweiten, für uns logisch.

Welches zusätzliche Equipment kam vor Ort im Stadion zum Einsatz?

Heyden: Für die Produktion des 9:16-Feeds wurden fünf zusätzliche UHD-Kamerazüge mit UHD ENG-Optik genutzt. Diese wurden in einem speziell entwickelten und angefertigten Adapter auf dem Stativkopf installiert, sodass ein mechanisch uneingeschränktes Arbeiten durch die Kameraleute möglich war. Darüber hinaus wurde eine Regie eingerichtet, in der dem Regisseur Kameravorschauen, Preview und PGM nativ in 9:16 zur Verfügung standen. Ebenso wurde in der Regie der Arbeitsplatz für einen Slomo-Operator eingerichtet, der Zeitlupen in 9:16 zulieferte. Sämtliche Monitore in der Regie wurden für einen stringenten Workflow vertikal installiert.

Für die Produktion des 9:16-Feeds nutzte die DFL fünf zusätzliche UHD-Kamerazüge.
Für die Produktion des 9:16-Feeds nutzte die DFL fünf zusätzliche UHD-Kamerazüge. / Quelle: ©DFL/Getty Images/Boris Streubel

Welche neuen Herausforderungen hat die Regie bei einer 9:16-Produktion zu meistern?

Heyden: In Sachen Bildgestaltung, Bildführung und Bildschnitt muss von 16:9 zu 9:16 komplett umgedacht werden. Bei einer großen Anzahl von Bildquellen im 9:16-Format ist es schwierig, ohne Erfahrung aus einem vertikalen Produktionsalltag die optimale Bildauswahl zu treffen. Insbesondere die Bilder der flachen Kamerapositionen ähneln sich sehr und können somit nicht so leicht kombiniert werden. Herausfordernd ist außerdem die verständliche Darstellung des Spiels für den Zuschauer, was aber durch die optimale Wahl der Einstellungsgrößen gut erreicht werden kann.

Wie verändern sich bei einer solchen Vertikalproduktion Bildführung und Bildsprache?

Heyden: Dadurch, dass der Bildausschnitt viel schmaler ist, sind weniger Informationen als bei 16:9-Produktionen sichtbar. Dies begünstigt den Eindruck, dass das Spiel viel schneller ist. Die Bildausschnitte sollten variiert werden und weiterhin dem Handwerk eines Regisseurs unterliegen. Hat eine Kameraeinstellung den gleichen Bildausschnitt wie die nächste, kann der Umschnitt praktisch nicht erfolgen. Weisen die Einstellungsgrößen dagegen eine ausreichende Varianz auf, ist und wirkt die Bildgestaltung insgesamt harmonischer.

Welche Probleme sind nach dem ersten Versuch in künftigen Tests noch zu lösen?

Heyden: Technisch konnte bereits im ersten Test ein solides Setup realisiert werden, welches sich in dieser Form bewährt hat. Inhaltlich kann der Bildausschnitt der Führungskamera noch weiter optimiert werden. Der bisher gewählte Ausschnitt könnte für das Format 9:16 noch etwas zu total sein. Dieser Tatsache würde es entgegenkommen, die Einstellung enger zu fahren - aber klar ist dann auch, dass die Übersicht des Spiels darunter leiden würde. Ein Kompromiss ist hier voraussichtlich die beste Lösung. Auch Kameraschwenks müssen anders als im bekannten Format erfolgen, um dabei nicht den Ball zu verlieren. Nun geht es für uns zunächst darum, von den Zuschauern und Fans Erfahrungen zu sammeln und herauszufinden, wie ein solches Format wahrgenommen wird.

Andreas Heyden, EVP Digital Innovations der DFL-Gruppe
Andreas Heyden, EVP Digital Innovations der DFL-Gruppe / Quelle: DFL Deutsche Fußball Liga

Wie ist die Resonanz der Broadcaster auf den ersten Testlauf?

Heyden: Es reichte von anfänglicher Verwunderung, als zum ersten Mal von der Idee erzählt wurde, bis zu Begeisterung, als das Ergebnis des Tests begutachtet wurde. Was für uns als Medienunternehmen jedoch elementar wichtig ist, ist die Erkenntnis, dass wir das Rad der Zeit in der Mediennutzung von Millennials und GenZ nicht zurückdrehen können. Wir, und das bekommen wir von anderen Medienmachern bestätigt, müssen die Medien in der Form bedienen, die die Konsumenten von uns verlangen, sonst verlieren wir sie.

Ein Ausblick: Wann könnten solche 9:16-Produktionen erstmals für die Zuschauer „on air“ gehen?

Heyden: Wichtig: Es ist weiterhin ein Test. Wir sind bereits „on air“ auf Instagram und gehen jetzt in die Diskussion mit unseren Lizenznehmern. Die erste öffentliche Produktion wird auf der SportsInnovation 2020 (https://www.sportsinnovation.de/) im März in Düsseldorf sein.

Herr Heyden, vielen Dank für das Gespräch


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