01.09.2020 | Ausgabe 8-9/2020

Editorial

Bild: Silvia von Eigen

Bild: Silvia von Eigen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

bis zuletzt hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in München-Freimann auf eine Rettung des IRT gehofft. Dass das renommierte Institut nach mehr als sechs Jahrzehnten ausgezeichneter Forschungsarbeit sang- und klanglos aufgelöst werden könnte, schien doch eigentlich undenkbar. Ende Juli aber wurde daraus bittere Realität. Das Institut für Rundfunktechnik wird „abgewickelt“. Selbst auf eine Fortführung in reduzierter Form hatten sich die 14 Gesellschafter nicht einigen können.

„Dieser Beschluss hat uns alle berührt“, schreibt der FKTG-Vorstandsvorsitzende Dr.-Ing. Siegfried Fößel in einem offenen Brief. „Damit wird eine Institution abgewickelt, die über 60 Jahre lang die technische Basis für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten geliefert hat, durch ihr Wirken aber auch weit darüber hinaus der Fernseh- und Medienbranche in Deutschland und auch der FKTG als wichtige Wissensquelle diente sowie viele Blaupausen für technische Systeme lieferte.“ (Seite 40)

In der Tat steht das Institut für einzigartige Forschungsleistungen in mehr als einem halben Jahrhundert. Erinnert sei an Entwicklungen wie das Videotext-Verfahren, das Stereo-Ton-Verfahren, die für MP3 wegweisende MPEG-Layer-II-Audio-Codierung, an den offenen Standard Hybrid Broadcast Broadband (HbbTV) sowie an neuere Arbeiten rund um 5G und Live-IP.

Was mit den aktuellen Projekten passiert, ist derzeit genauso unklar wie die Frage, wer künftig die Rundfunkanstalten in Standardisierungsfragen vertritt. Die Auflösung des IRT wirft weitreichende Fragen auf, auch hinsichtlich der Zukunft von Forschung und Entwicklung im Bereich der Medientechnik insgesamt.

Haben die Gesellschafter die Reichweite ihrer Entscheidung überhaupt überblickt? Werden „wissenschaftliche Erkenntnisse und wertvolles Mitarbeiter-Know-how auf dem Altar der Betriebswirtschaft geopfert“, wie Professor Stephan Breide kommentiert? FKT hat sich auf Spurensuche begeben und beleuchtet in einem umfassenden Report die Hintergründe des IRT-Aus.

Ganz herzlich danken möchten wir an dieser Stelle den vielen Autorinnen und Autoren aus dem IRT, die mit ihren hervorragenden Beiträgen diese Zeitschrift seit Jahrzehnten bereichert haben. Großer Dank gebührt zudem dem Team um Thomas Schierbaum, Carola Schmidle und Martina Nachlinger für ihre großartige Arbeit.

Eine aufschlussreiche Lektüre wünscht Ihnen

Martin Braun

PS: Die Coronavirus-Pandemie sorgt für eine erneute Verschiebung der FKTG-Fachtagung. Voraussichtlich vom 7. bis 9. Juni 2021 soll die Veranstaltung nun stattfinden, Tagungsort bleibt die Metropolishalle in Potsdam-Babelsberg. Die Festschrift „100 Jahre FKTG“, die in diesem Jahr während der Fachtagung an die Mitglieder persönlich übergeben werden sollte, wird im Oktober 2020 allen FKTG-Mitgliedern per Post zugeschickt (Seite 40).


 

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