07.04.2021 | Ausgabe 4/2021

weConnect: Multimedialer Beitragsaustausch

Quelle: RTL France

Um zwischen den ARD-Rundfunkanstalten Audiobeiträge auszutauschen und Audioleitungen zu schalten, wurde von der ARD-Arbeitsgruppe „weConnect“ mit Beteiligung des Instituts für Rundfunktechnik (IRT), CGI und anderen Herstellern das weConnect System entwickelt. Es löst das in die Jahre gekommene Leitungsdispositions- und Filetransfer-Netzwerk der ARD ab.

weConnect agiert, mit der eigenen Protokollsprache SML (Story Markup Language), als Schnittstelle zu Produktions- und Leitungsdisposystemen sowie als komplettes, ausfallgesichertes Übertragungsnetzwerk. weConnect erlaubt den beteiligten Rundfunkanstalten, untereinander multimediale Beiträge wie Audio-Files, Videos, Bilder oder Texte auszutauschen sowie Live-Übertragungen per Leitung zu organisieren. Beteiligt sind alle ARD-Rundfunkanstalten, Deutschlandradio, Deutsche Welle, ARD-Hauptstadtstudio und der ARD Sternpunkt, unter anderem für die Anbindung von ORF, SRF und EBU.  

„Am Anfang des Vorhabens stand der Wunsch nach Vereinfachung von Arbeitsabläufen – man muss bedenken, dass der leitungsgebundene Beitragsaustausch auf Ideen aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts fußte und der filegebundene Austausch auch schon über 20 Jahre alt geworden war – man wollte etwas Modernes umsetzen und dabei multimedial werden“, erläutert ein ARD-Verantwortlicher. Die technische Grundlage bilden die sogenannten weConnect-Gateways der Hersteller CGI (elf Gateway-Standorte) und D’Accord (zwei Gateway- Standorte), die für jede Rundfunkanstalt als zentrale Versende- und Empfangspunkte im Netzwerk der ARD einmalig redundant zur Verfügung stehen. Aufbauend auf den weConnect-Gateways wurden spezielle Adapter entwickelt, die den angeschlossenen Dispositions-, Redaktions- oder Produktionssystemen die aufbereiteten Informationen zur Verfügung stellen.  

Objekte, die über weConnect zwischen den beteiligten Rundfunkanstalten ausgetauscht werden, sind sogenannte SML-basierte Stories, Container für Meta-Daten, Verweise auf und Beschreibungen von Medienessenzen sowie Buchungsinformationen.

End-to-End-Kommunikation im weConnect-Netzwerk // Quelle: CGI

„Als noch ungewohnt, aber ganz spannend eingeordnet wird die Aktualisierungsfunktion für Beiträge eines Story-Owners. Ändert der nämlich seine Story, so wird dies in derselben Sekunde in der ARD an alle HF-Systeme mitgeteilt“, sagt der ARD-Vertreter. Die Aktualität durch Aktualisierbarkeit werde als Fortschritt empfunden. Storys können dabei textlich aktualisiert werden oder ein geändertes Audio erhalten. „Weitere Möglichkeiten wie der Versand von Multimedia-Attachments sind an dieser Stelle zu erwähnen. Man kann Beiträge mit drei Fragen (Text) und drei Antworten (Audio) auf den Weg bringen und der Story auch nachträglich Fotos und Videos anhängen.“ Diese neuen Möglichkeiten würden gegenwärtig noch entdeckt und ausprobiert. „Die Anforderung, anstaltsübergreifend multimedial Inhalte auszutauschen, wird für alle ARD-Systeme erfüllt“, betont der Experte.

Das weConnect-Netzwerk besteht aus miteinander verbundenen weConnect-Gateways. Hinter den Gateways sind jeweils lokale Endsysteme angeschlossen, die die in den Stories enthaltenen Informationen für die jeweilige Anwendung aufbereiten. Ein Endsystem kann hier sowohl ein Dispositionssystem sein, aber auch ein Redaktions- oder Produktionssystem.  

Für die CGI dira-Kunden unter den Rundfunkanstalten wurde zusätzlich eine Schnittstelle zu deren dira-Produktionssystem realisiert. Redaktionssysteme sind momentan spezifikationsgemäß noch nicht an weConnect angeschlossen. Das Redaktionssystem CGI OpenMedia kann die Story-Informationen jedoch über dira empfangen und über dira versenden. 

Aufbau einer weConnect-Story // Quelle: CGI

Von veralteter Technologie entfesselt
Nach einer fast zweijährigen Projektphase wurde we-Connect im Dezember 2020 trotz Herausforderungen durch die Corona-Pandemie erfolgreich eingeführt. Die ARD.ZDF medienakademie hatte hierzu umfangreiche, virtuelle Schulungen durchgeführt. „Der weConnect-basierende Beitragsaustausch befreit zunächst einmal von den ‚Fesseln‘ einer veralteten Technologie – die uns für Jahrzehnte gute Dienste geleistet hat. Ein neues System hat naturgemäß mehr Möglichkeiten und fußt erwartungsgemäß auf moderner Standard-IT“, heißt es bei der ARD. Ins Gewicht falle die schnellere Verteilung und Aktualisierbarkeit von Beiträgen. Diese können mit weConnect auch multimedial sein. „Die technische Umsetzung ist wirtschaftlicher als je zuvor gelungen. So wird zum Beispiel das ARD-Austauschleitungsnetz als virtueller Multicastverteilverstärker auf dem bestehenden ARD-Corporate Network abgebildet und ermöglicht Audioverbindungen ARD-weit ausschließlich auf IP-Basis.“ Benötigte Verbindungen werden als weConnect-Storys ausgetauscht und hinterlegt. „Jeder ist mit Jedem zu jeder Zeit in vollem Umfang verbunden – eine Mangelverwaltung ist mithin obsolet.“ Mit Blick auf künftige Weiterentwicklungen und zusätzliche Einsatzgebiete verspreche die im Ursprung des Vorhabens weConnect angedachte Anbindung von Redaktions-Managementsystemen weitere Vereinfachungen in den Arbeitsabläufen . „Diese sind letztlich vor dem Kostenhintergrund genau abzuwägen. Der weConnect-Standard erlaubt es, weConnect-ertüchtigte Redaktionssysteme am ARD-Verbund anzuschließen“, heißt es abschließend bei dem öffentlich-rechtlichen Sender.


 

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