01.10.2013 | Ausgabe 10/2013

Editorial

Reinhard E. Wagner

Reinhard E. Wagner

Das während der IFA in Berlin abgehaltene Presseforum der ARD/ZDF Produktions- und Technik-Kommission gab Antworten auf einige Fragen, die die Branche bewegen. Das Digitalradio steht laut den Aussagen von PTKO-Vertretern vor dem Durchbruch, das Internetradio boomt und über UHD sowie Smart-TV wird nicht nur geredet, sondern Demonstrationen von Sky Deutschland zusammen mit Harmonic, Astra und weiteren Kooperationspartnern verdeutlichten in Berlin, dass vieles möglich ist. Es wird, aber es braucht... Und es bewegt sich bereits einiges: In Norwegen wird man UKW spätestens im Jahr 2019 abgeschaltet haben und in Deutschland trennt man sich zurzeit von der Mittelwelle, denn die letzten sich noch in Betrieb befindlichen Sender stehen vor der Abschaltung. Dass sich aber das Digitalradio zum „Fernsehen für Arme“ entwickeln wird, sollte tunlichst vermieden werden. Auf der IFA wurden DAB+-Produkte vorgestellt, die erste kategorisierte Slideshows anboten und damit neuen Geschäftsmodellen im Rundfunk die Türen öffnen: Hören, sehen, bestellen und geliefert bekommen ist bereits im Digitalradio möglich und wird nicht nur eine Domäne des Fernsehens bleiben. Rüdiger Malfeld (Vorsitzender der ARD AG Digitalradio von PTKO und Hörfunkkommission) präsentierte ein Mobiltelefon, das einen DMB-Chipsatz mit Treibern für den asiatischen Raum integriert hat, aber leider noch nicht über die für den europäischen Markt erforderliche Unterstützung – sprich Treiber – verfügt. Also ein neuer Versuch, den Rundfunkempfang auf das Mobiltelfon zu bekommen, ohne dabei die GSM- und LTE-Netze strapazieren zu wollen.

Dass die terrestrische Fernsehverbreitung weiter bestehen bleiben wird, bestätigten sowohl Vertreter von ARD und ZDF als auch von den privaten Anbietern und der Media Broadcast, denn Aussagen wie „ Minuten TV-Konsum täglich auf dem TV-Gerät“ oder dass „die Mobilflatrate zu Ende ist“ und „Videos auf dem Smartphone nicht mehr kostenfrei“ zu sehen sein werden, sprechen für sich: Rund fünf Millionen Haushalte nutzen DVB-T und etwa eine Million Fahrzeuge haben einen DVB-T-Empfänger integriert.
Wie sich der Fernsehkonsum im Raum München nach der Abschaltung der vier RTL-Programme zum 31. Juli 2013 entwickeln wird, wird man spätestens im Jahr 2014 erfahren. Wie die Akzeptanz der statt der RTL-Programme aufgeschalteten Ersatzprogramme sein wird, bleibt abzuwarten. Wenn RTL schließlich Ende 2014 bundesweit aus der terrestrischen Verbreitung ausgestiegen sein wird (zu hohe Kosten, fehlende Planungssicherheit und kein Geschäftsmodell), werden die Landesmedienanstalten die Konsequenzen daraus mit ihrem Digitalisierungsbericht 2016 dokumentieren. Eine Tatsache ist jedoch, dass DVB-T in eine nachfolgende DVB-T-Zukunft integriert werden und das terrestrische Angebot weiterhin kostenfrei bleiben soll – anders als die Mobilfunkangebote. Ein angedachtes Übergangszenario wurde für 2017/2018 mit rund 22Mbit/s präsentiert. Die nächste Generation der Smartphones und Tablets könnte daher auch einen DVB-T-2-Chipsatz integriert haben.

Prof. Ulrich Reimers von der TU Braunschweig informierte darüber, dass man zurzeit am Institut für Nachrichtentechnik (IfN) daran arbeitet, um sich mit einem mobilen Empfangsgerät sein Videosignal aus dem terrestrischen Broadcast „fischen“ zu können und man daher nicht explizit einen speziellen Chipsatz dafür installiert haben muss. Das Prinzip heißt „Tower Overlay über LTE-A+“ und wurde während der IBC in Amsterdam der Broadcast-Branche vorgeführt. Bei der Demo-Installation erzeugte ein hybrider Modulator ein DVB-T-2-Signal mit in Future-Extension-Frames eingebettetem LTE-A+. Das Signal wurde im TV-Kanal 31(554 MHz) übertragen und zwei Endgeräte haben das Signal empfangen: Das erste war ein klassischer DVB-T-Fernsehempfänger und das zweite ein Tablet-PC, der das LTE-A+-Video darstellte, das über die FEFs angeliefert wurde. Das Demosystem basiert auf dem vom IfN entwickelten „Software-De ned-Radio“-(SDR-)Framework. Warten wir also ab, wann DVB-T endlich in Deutschland angekommen sein wird.

Ihr R. Wagner


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