01.07.2013 | Ausgabe 07/2013

Editorial

Stefanie Urbicht, Redakteurin

Stefanie Urbicht, Redakteurin

Die Idee, den weiblichen Vertretern der Medienbranche eine Ausgabe der FKT zu widmen, knüpfte sich an die Fragen: Wie kann ich ein solches Thema anpacken und ist es in einem wissenschaftlichtechnischen Magazin überhaupt möglich – oder gar nötig? Letzteres ist mit ja zu beantworten, denn die Tatsache, dass die technischen Bereiche des Fachs heutzutage überwiegend von Männern dominiert werden, sollte thematisiert werden.
Die technische Belegschaft deutscher Rundfunk- und TV-Unternehmen, Zeitungsverlage, Telekommunikationsfirmen und Satellitenbetreiber bestand in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts hauptsächlich aus Männern, während Frauen bis in die 1990er Jahre eher in kreativen Bereichen (Cutterin, Bildmischerin usw.) tätig waren. Erst nach und nach drangen sie auch in technische Funktionen vor, sodass die Geschlechter heute ein Vorsprung von 40 bis 50 Jahren bei der beruflichen Entwicklung sowie dem Aufstieg der Karriereleiter trennt.
Der geringe Frauenanteil in Führungspositionen deutet darauf hin, dass die Verantwortung ungern aus Männerhand gegeben wird. Zudem sind entsprechend qualifizierte Frauen noch immer Mangelware. Neben einer fundierten Berufsausbildung und mehrjähriger praktischer Erfahrung gehören gute Kenntnisse im Prozess- und Projektmanagement, Erfahrung in der Personal- und Team-Führung, gute IT-Kenntnisse, technisches Verständnis sowie analytisches Denken zu den Voraussetzungen für die Arbeit in leitenden Positionen; Auslandserfahrungen und verhandlungssichere Englischkenntnisse sind ebenfalls von Vorteil. Weiblichen Führungskräften wird darüber hinaus Teamfähigkeit, Kommunikationsgeschick und Organisationstalent nachgesagt. Doch erst in Kombination mit „typisch männlichen“ Eigenschaften wie Durchsetzungsstärke entfalten diese Fähigkeiten ihr wahres Potenzial, denn laut Studien kann die Unternehmensleistung von gemischten Teams profitieren.
Angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels und der Tatsache, dass Frauen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) bereits im Studium stark unterrepräsentiert sind, ist vor allem in Bezug auf die Motivation, einen entsprechenden Berufsweg einzuschlagen, noch viel Arbeit zu leisten. In diesem Zusammenhang sind Initiativen wie die Auszeichnung und Förderung junger, talentierter Frauen oder der vom Kompetenzzentrum Technik – Diversity – Chancengleichheit e. V. veranstaltete „Girls’ Day“ begrüßenswert. Eine Spezialisierung auf bestimmte Fachbereiche entsprechend der eigenen Qualifikation oder Vorliebe ist möglich und sinnvoll. Zudem bieten Rundfunkanstalten in Form von Praktika, Volontariaten usw. die Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln und unterschiedliche Teilbereiche eines Medienunternehmens kennenzulernen.
Um den Bogen zurück zur möglichen Herangehensweise an die Thematik zu schlagen, sei angemerkt, dass den an dieser Ausgabe beteiligten Autorinnen in Bezug auf die Inhalte ihrer Beiträge relativ freie Hand gelassen wurde. Herausgekommen sind Texte, die sich mit persönlichen Werdegängen, der mühsamen Suche nach weiblichem Nachwuchs oder beruflichen Projekten befassen und facettenreiche Einblicke in die aktuellen Möglichkeiten sowie Perspektiven der Branche hinsichtlich ihrer weiblichen Berufsvertreter bieten. Diese sind sicherlich nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer interessant, denen auf diese Weise gegebenenfalls die eine oder andere neue Sichtweise eröffnet wird. Abschließend ein Wort in eigener Sache: Nach knapp vierjähriger Tätigkeit als Redakteurin der FKT steht mir mit der Gründung eines kleinen „Familienunternehmens“ nun eine weitere spannende Herausforderungen bevor. Auch wenn mein Ausscheiden in den Mutterschutz und die anschließende Elternzeit nur ein Abschied auf Zeit ist, möchte ich mich an dieser Stelle bei allen Lesern, Autoren und Kollegen für die angenehme und erfolgreiche Zusammenarbeit in der Vergangenheit bedanken.
Ich wünsche Ihnen alles Gute und freue mich auf ein Wiedersehen!


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