01.01.2014 | Ausgabe 01-02/2014

Editorial

Reinhard E. Wagner

Reinhard E. Wagner

Zunächst wünsche ich Ihnen, und das auch im Namen des gesamten FKT-Teams, ein erfolgreiches Jahr 2014 und viel Glück bei allen Entscheidungen, die sie privat und beruflich treffen werden.
Vielleicht ist es Ihnen ja gleich aufgefallen: Das Erscheinungsbild der FKT hat sich etwas verändert. Ebenso wie es zurzeit erforderlich ist, dass der klassische Ansatz der TV- und Radioherstellung und -verbreitung überdacht wird, so wandelt sich auch das Deckblatt und der Inhalt der FKT. Ich hoffe, der Denkanstoß der Titelseite bewirkt, dass Dinge neu überdacht und entschieden werden. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, Sie im Jahr 2014 mit neuen Gedanken anzustoßen, Ihnen Ungewöhnliches vorzustellen und Sie mit Interessantem aus allen Bereichen der Medienproduktion zu versorgen. In dieser Ausgabe der FKT werden Sie bereits Beiträge finden, die neue Medien betreffen und aufzeigen, was zu tun ist, um auch weiterhin im Geschäft mitreden zu können.
Was uns vernetzte TV-Geräte ermöglichen und wie wir gegebenenfalls darüber überwacht werden (und das noch nicht einmal von der NSA), zeigen uns die ersten Auswertungen der Zuschauernutzerdaten, die womöglich bald über eine undichte Stelle eines öffentlich-rechtlichen oder privaten Senders an geschäftstüchtige Interessenten gelangen werden. Dass es bereits solche Angriffe auf die Persönlichkeitsrechte und damit verbundene Aus-/Verwertungen gibt, verdeutlichen erste Meldungen. Zum Beispiel findet sich auf Heise Online der Bericht „Gefälschte Nachrichten-Ticker und Wachschutz fürs Internet-TV“. Das Internet mit allen Unwägbarkeiten zieht also ohne Probleme ins TV-Gerät der Zukunft ein. Nur wer zuverlässig informiert bleibt, was zu tun ist, um sich vor Angriffen von außen schützen zu können, wird sich daheim beim Fernsehen sicher fühlen. Aber das ist auch nur eine scheinbare Sicherheit, denn Firewalls wird es wohl in einem Smart-TV nicht geben, geschweige denn, eine im Internet-Router hinterlegte wird entsprechend kofiguriert sein oder werden können, um den vermeintlichen Schutz sicherzustellen. Was also macht ein halbwegs technikinteressierter Zuschauer? Der beste Schutz ist, sich ein TV-Gerät der „uncoolen“ Art anzuschaffen – also ohne Zugang zu Internet, IPTV, VoD und ähnlichem. Oder sind solche Gedanken und ein solches Ansinnen in Zeiten von Twitter, Facebook und Co. gar nicht mehr so wichtig, da man ja doch schon alles dort preisgegeben hat? Das wiederum möge jeder Konsument für sich selbst entscheiden!
Und wenn ich schon von Entscheidungen spreche, so fällt mir auf, dass es offensichtlich eine Scheinethik in den Sendeanstalten gibt. Journalisten, die redaktionell tätig sind, werden verpflichtet, freiwillig keine Journalistenrabatte in Anspruch zu nehmen. Ist man aber nur „normaler“ Mitarbeiter, so kann und darf man solche Vergünstigungen beanspruchen. Wo bitte ist denn hier die Grenze zu ziehen? Entweder alle oder keiner – so sollte doch die Parole lauten. Aber das scheint nicht überall gleich angewendet zu werden. So werden zum einen die Aufwendungen für neue Technik zurückgefahren, um gleichzeitig durch verbesserte Arbeitsabläufe weitere Personalkosten einzusparen, und zum anderen werden Stellen nicht neu besetzt, da man ja die Arbeit der Ausgeschiedenen bequem auf die Schultern der verbliebenen Mitarbeiter laden kann. Es ist so einfach, mit einem Federstrich eine solche Entscheidung zu ratifizieren. Die Entscheidungsträger vergessen dabei jedoch, dass Arbeitsüberlastung zu Fehlzeiten führen kann, die wiederum die Betriebssicherheit gefährden. Das Argument, dass das gute alte Stördia doch immer seltener zu sehen ist, mag eine Entschuldigung für vieles sein, dass aber auf der anderen Seite Menschen stehen, die auch als solche behandelt werden möchten, sollte häufiger in Erwägung gezogen werden. Mensch bleiben und andere leben lassen – und nicht um alles in der Welt nur Einsparungen durchsetzen, lautet mein Appell für das Jahr 2014. Vielleicht gibt es dann ja wieder Stellenausschreibungen und Zuversicht.

Ihr Reinhard E. Wagner


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