30.09.2015 | Ausgabe 10/2014

Editorial

Blicke ich auf die IBC zurück, so waren die Schlagworte Netzwerkinfrastruktur und Bandbreite ein Gesprächsthema, das ich häufig aufnahm. Das beschäftigte nicht nur mich, sondern auch die Rundfunkbetreiber sowie die CDN-, SDN- und Produktionsbetriebe. Insbesondere im Zusammenhang mit zunehmendem Datenverkehr, der nicht nur durch die Übertragung von AV-Content auf dem Backbone, sondern auch durch Dienste wie IP-Telefonie und ähnlichem entsteht, hielt ich Ausschau nach Antworten und Lösungen. Hier tummeln sich neben den bekannten Größen aus dem IT- und Rundfunkbereich zunhemend Anbieter, die nicht über die entsprechende Infrastruktur verfügen, sich aber Gedanken darüber gemacht haben, wie man Angebote aufbauen muss, um daraus ein Business-Modell stricken zu können. Ericsson präsentierte eine Lösung zur Content-Vermarktung, die zwar plausibel klang, aber leider auch mit dem „Flaschenhals“ Bandbreite zu kämpfen hat. Auf Nachfrage beim CTO erfuhr ich, dass hier ein Modell präsentiert wurde, das in fünf bis zehn Jahren performant nutzbar werden würde – vorausgesetzt, dass sich die Infrastruk- turen aufrüsten lassen, damit die sehr hohe Datenlast auch transportiert werden kann. QoS ist gefragt, kann aber nur in Verbindung mit hohen Kosten bereitgestellt werden. Hier das passende Betriebskonzept zu haben, wäre sicherlich ein gutes Geschäftsmodell.

Zur Bereitstellung von Content und für die Pflege der Abonnentendaten sind intelligente Datenbanklösungen gefragt, die ganz nebenbei auch zum Datenhandel genutzt werden können. Da sehe ich sowohl ein großes Potenzial zur Gewinnmaximierung als auch eine große Gefahr für die Anonymität und Privatspähre eines Nutzers. Hier über gezielte gesetzliche Regelungen regulierend einzugreifen, wäre eine zwingende Notwendigkeit. Allerdings müss- ten auch die Anbieter eine gewisse Sensibilität zeigen, damit das „schnelle und lukrative Geschäft“ letztendlich nicht zum Bumerang wird und der Schnellschuss nach hinten losgeht. Langlebigkeit und Integrität sollten in diesem Zusammenhang ebenfalls betrachten werden. Aber darum kümmern sich Datensammler – wie zum Beispiel Messeveranstalter – nicht, wenn sie die diskreten Besucherdaten (und zwar nicht nur die registrierten, sondern auch diejenigen, die eigentlich mit einem Haken versehen als nicht handelbar mit Drittverwertern markiert wurden) zum Verkauf anbieten. Ich erhielt zum Beispiel ein solches Angebot. Auch ein Thema, das in der Zukunft diskutiert werden sollte! Apropos Datenschutz: der HbbTV-Standard befindet sich zurzeit in Bearbeitung (Vers. 2.0) und entsprechende Datenschutzmaßnahmen werden auch dort Einzug halten.

Die Zukunft wird also spannend werden, selbst wenn man sich das Thema 4k nicht zwingend auf die Fahne geschrieben hat, sondern lieber erst einmal seinen HD-Workflow so optimiert, dass neben einem guten Bild auch hervorragender Ton beim Zuschauer ankommt. Und das wollen wir doch alle: schöne Bilder verbunden mit einem glasklaren Ton, der den Zuschauer bei einem TV-Konzert vergessen lässt, dass er gerade „nur“ vor dem Fernsehgerät und nicht im Konzertsaal sitzt. Das erfordert neben einem guten Display/TV-Gerät auch eine Surround-Tonanlage, die – gut eingestellt – mit perfekt abgemischten Tönen aus dem Sender versorgt werden muss. Damit das auch zukünftig der Fall sein wird, haben wir es uns weiterhin in der FKT zur Aufgabe gemacht, die entsprechenden Hilfestellungen sowie Hinweise aufzubereiten und zur Verfügung zu stellen, damit der Genuss daheim ungetrübt konsumiert werden kann. Nach IFA, IBC und cinec steht Ende des Jahres noch die Tonmeistertagung in Köln auf dem großen Veranstaltungsplan. Anschließend haben wir alle den Messe-/Veranstaltungsmarathon des Jahres  hinter uns gebracht und können eigene Resumées ziehen. Es wäre schön, diesbezüglich von Ihnen zu hören


Ihr

Reinhard E. Wagner


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