01.11.2014 | Ausgabe 11/2014

Editorial

Innovation, Investition, Connectivität und Content – alles Schlagworte, die zurzeit die Runde machen, aktiv zum Nachdenken anregen und vielfach in Frage gestellt werden. Die Medientage München finden statt, um sich miteinander auszutauschen und neue Gedanken anzustoßen. Es müssen Lösungswege gefunden werden, um in der Zukunft „überleben“ zu können. Der Themenkatalog ist vielfältig und der Zuspruch nach Aussage des Veranstalters zufriedenstellend hoch. Worum es geht? Ganz einfach: Jeder versucht für sein Unternehmen das Optimum an Erlös zu erwirtschaften und parallel dazu das Ganze mit dem geringsten Einsatz umzusetzen. Der Eine nennt es Gesundschrumpfen, der Andere den Ausverkauf der Medienlandschaft.

Stimmt, den richtigen Schritt muss jeder für sich selber  finden und gehen, aber auf dem Weg dahin sollte es schon eine helfende Hand geben. Als ich Berufsanfänger war, da waren das unter anderem der Altgeselle, gestandene Techniker oder Gehobene Ingenieure, die mich bei der Hand nahmen und in das neue Umfeld einführten. Und ich spreche hier von Wissenstransfer, der von mir geschätzt wurde und noch immer wird. Heute haben diese alten Hasen aber selbst keine Zeit und Muße mehr, um dem Neuen etwas tiefgehend zu vermitteln, oder Angst, ihren Wissensvorsprung zu verlieren und damit ihren Arbeitsplatz/ihre Anstellung zu gefährden. Ich empfinde das als sehr gefährlich, ein solches Verhalten an den Tag zu legen. Es geht dabei Wissen verloren und es besteht die Möglichkeit, dass fatale Fehler erneut gemacht werden. Sollten wir hier nicht alle, die wir aktiv im Berufsleben stehen oder bald in den Ruhestand gehen, uns einen Stoß geben und Wissen transferieren? Ich praktiziere das gerade im Redaktionsteam der FKT – eine zeitintensive Arbeit, die aber zeigt, wozu Mitarbeiter fähig sind. Es muss nicht alles neu erfunden werden, sondern oftmals reichen ein Gespräch und neue Positionierungen, um Arbeitsabläufe zu optimieren bzw. neu anzugehen.

Auf der Konferenz animago Awards fand auch ein solcher Wissenstransfer statt. Gestandene CGI-Animateure, Regisseure und Praktiker präsentierten Projekte, erklärten Tricks um bestimmte Effekte zu erzeugen und verdeutlichten durch Beispiele, worauf es bei Animationen ankommt, damit sie beim Zuschauer so wahrgenommen werden, wie es der Regisseur gewünscht und der Kreative umgesetzt haben. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag gefühlt bei  25 Jahren (eher noch jünger) und das der Vermittelnden nur wenige Jahre darüber. Trotzdem waren die Vortragssäle gefüllt und das Interesse groß. Ein polnischer CGI-Künstler sagte mir im Gespräch, dass er eigentlich alle Sessions besuchen möchte, um so viel wie irgendmöglich zu hören und zu begreifen. Faktisch unmöglich, aber ein weiterer Hinweis dafür, dass Wissenstransfer gefragt ist.

Ich ermutige jeden, der diese Zeilen liest, sich selbst zu fragen, wie er sich in diesen Prozess aktiv einbringen kann. Überlegen Sie sich einmal, welches Wissen Sie haben, das Sie gerne vermitteln möchten und nehmen Sie sich die Zeit, um es in einem Fachaufsatz zusammenzufassen, damit eine weitere Person oder auch alle Leser der FKT daran partizipieren und davon lernen können.

Packen wir es alle an, denn es lohnt sich, in die Zukunft zu investieren.

Ihr

R. Wagner


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