01.03.2014 | Ausgabe 03/2014

Editorial

Reinhard E. Wagner

Editorial

Reinhard E. Wagner

Die ISE Europe in Amsterdam ist vorbei und sowohl CeBIT als auch NAB stehen vor der Tür und es ist festzustellen, dass sich die Bereiche der integrierten Systeme und der klassischen IT zunehmend mit der qualitativ hochwertigen Broadcast-Technik vermischen. Die Überschneidungen nehmen ebenso wie die erweiterten Zuständigkeitsbereiche sowohl auf der Hersteller- als auch Anwenderseite zu. Auf der ISE wurde mir berichtet, dass AVB bereits seit Jahren im Audiobereich erfolgreich eingesetzt wird, was sich auch durch die Menge der in der AVnu-Allianz vertretenen Mitglieder aus dem Audiobereich belegen lässt. Wann sich aber nicht nur Audio-over-IP sondern auch Video-over-IP durchsetzen wird, wagte niemand mit Bestimmtheit zu sagen, denn hier fehlen noch die entsprechenden Geräte auf der Akquiseseite wie etwa Kameras, Recorder usw.
Während der Berlinale hatte ich Gelegenheit an einem interessanten Gespräch zwischen dem Kameramann Michael Ballhaus und dem Autor/Regisseur Christoph Hochhäusler, moderiert vom Künstlerischen Direktor der Deutschen Kinemathek am Postdamer Platz (Dr. Rainer Rother) beizuwohnen. Hier wurde erneut bestätigt, was ich – ebenso wie viele andere auch – schon längst vermute: Arbeit sollte keine sein, sondern nur Spaß machen. So jedenfalls sieht es Herr Ballhaus, der rückblickend sein Lebenswerk betrachtete und diese Quintessenz daraus zog. Wie man vor Jahrzehnten Filmlicht setzte, unter welchen Umständen gedreht wurde und wie man Lichteffekte nutzte, darüber diskutierten die drei Fachleute auf der kleinen Bühne und wurden vom anwesenden Berlinale-Publikum dafür dankend mit Applaus bedacht. Das Thema „Day for Night“ – also das Drehen von Nachtszenen am Tag, verdeutlichte, mit welchen Problematiken heute zu kämpfen ist (unter anderem hohe ASA-Werte und geringes S/N) und wie man dies früher umsetzte. Aber nicht nur die Arbeitsmethoden haben sich verändert, sondern auch die Zeit, die für eine Produktion zur Verfügung steht. Während man in Deutschland bereits auf 24 Drehtage für eine Filmproduktion reduziert wurde, stehen in Großbritannien und Frankreich noch immer 40 zur Verfügung. Sollte man sich zum Wohle des Gesamtresultates und der Kreativität nicht auch bei uns wieder auf mehr (Produktions-) Zeit besinnen? Budgetkürzungen wegen neuer Herstellungstechniken und geänderter -verfahren sind nur zwei Gründe, die dabei zu betrachten sind. Ballhaus sieht das jedenfalls so und positioniert sich klar als Befürworter der Bestrebungen, wieder mehr Zeit für eine Produktion zur Verfügung zu haben. Hochhäusler sprach in diesem Zusammenhang das sich wandelnde Arbeitsfeld des Kameramanns an. Lichtfeldkameras, mit denen bereits experimentell gearbeitet wird, führen letztendlich dazu, dass der Kameramann und der Schärfeassistent erst in der Nachbearbeitung bestimmen werden, an welchem Punkt des Bildes genau die Schärfe festgelegt werden soll und welche Bereiche aufgrund der Begrenzung der Tiefenschärfe in den Hintergrund treten sollen. Die Arbeit ist also „unkünstlerischer“ geworden. Man sprach von Aus- und Weiterbildung der Betroffenen, die bereits heute in Angriff genommen werden müsse, damit man für die Zukunft gewappnet ist. Meine Erwartungen an dieses Gespräch wurden bei weitem übertroffen und gaben meinem Besuch der Berlinale eine besondere Note: Man sprach neben dem künstlerischen Anspruch auch die technischen Möglichkeiten an, die durch den Einsatz von CGI und SFX auf die Künstler hinter dem Kamerasucher sowie am Licht zukommen und auch von diesen verstanden, umgesetzt und bedient werden müssen. Es wird nicht einfacher, sondern noch herausfordernder als es bereits ist. Der Kameramann und Oberbeleuchter müssen sich auch mit virtueller Technik und Sets auskennen, damit das filmische Endprodukt zu dem wird, was sich Drehbuchautor und Regisseur vorgestellt haben.
Ihnen wünsche ich viel Erfolg bei der eigenen Fort- und Weiterbildung, damit auch Sie fit für die Zukunft werden.

Ihr Reinhard E. Wagner


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