01.04.2014 | Ausgabe 04/2014

Editorial

Reinhard E. Wagner

Wie die TV-Zukunft aussehen wird, kann man leider nicht in der Glaskugel einer Wahrsagerin herausfinden. Dass sich das Fernsehen aber verändern wird, ist unausweichlich. Die Branche diskutiert darüber und es werden Meinungen ausgetauscht, die oftmals mehr Wunsch- denn Realitätsdenken ausdrücken. Einerseits stehen entsprechende Gerätschaften und Software zur Erstellung von Content nur begrenzt zur Verfügung, andererseits fehlt es an TV-Geräten, die HEVC nach dem neusten Standard unterstützen sowie an zuverlässigen Verbreitungswegen und Kabelverbindungen. Ich spreche hier von HDMI und HDCP, deren Anpassung stattfinden muss, damit die Bildschirme nicht dunkel bleiben. Satellit, OTT, IPTV … sicherlich Antworten auf einige Fragen, die aber gleichzeitig neue nach zur Verfügung stehenden Bandbreiten aufwerfen. Es bleibt also spannend!
Was macht aber ein Unternehmen, das sich eigentlich gut aufgestellt hatte, sich jedoch dem Sog der sich ändernden Branche stellen musste? Es verkauft lukrative Teile seiner Unternehmensgruppe, um die noch in der Insolvenzverwaltung verbleibenden Teilbereiche sanieren zu können und damit ein Überleben zu sichern. Es muss investiert werden. Woher aber das Geld für die guten Ideen nehmen, wenn die Preise zunehmend verfallen? Die Einkäufer der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ziehen immer mehr die Daumenschrauben an und versuchen so, die Preise der Hersteller zu drücken– und ich spreche hier nicht nur von den Hard- und Software-Lieferanten, sondern auch von den Content- sprich Filmeherstellern. David gegen Goliath – ein ungleicher Kampf, wenn auf der einen Seite das gesicherte Gebühren aufkommen, gegen die sehr große Gruppe der Herstellungsbetriebe, die mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen hat, steht. Hier würde womöglich eine Konsolidierung der Branche gut tun und so manches Schwarze Schaf vom Markt verschwinden lassen. Aber macht es nicht genau diese Vielfalt aus, die unsere Medienlandschaft so lebendig macht? Monopolisten, die den Preisvorgaben und damit auch die Leistungen begrenzen konnten, hatten wir viel zu lange. Jetzt heißt es doch eher, dass wir die Vielfalt behalten möchten, um den Kreativen – und zwar sowohl den künstlerischen als auch technischen – weiterhin eine Möglichkeit zu bieten, den Markt zu bewegen. Innovation statt Resignation lautet die Devise und so müssen auch neue Themen angegangen werden.
Wie ich in einem der zurückliegenden Webinare erfuhr, sind die Berater und Integratoren bereit dazu. Was fehlt, ist der Mut zu der Entscheidung, einen unkonventionellen und eventuell gewagten Schritt in die Zukunft zu machen. Auf meinem beruflichen Weg habe ich einige solcher Entscheidungen ausgelöst und mitgetragen. Auch wenn sie zu einer Zeit beschlossen wurden, in der die Formatvielfalt noch nicht so überwältigend und oftmals auch nicht so verwirrend war. Der Hersteller sagt, dass er jeden neuen Standard und jedes neue Format mit etwas Vorlauf bedienen können wird. Der Anwender sieht sich hingegen eher dem Trauma gegenüber, dass er seinem Auftraggeber das falsche Format und den nicht richtig interpretierten Standard abliefert und damit sein hergestellter Content unbrauchbar ist.
Die wichtigen Fragen, die man zur richtigen Zeit stellt, liefern dem Verantwortlichen die Antworten, die er braucht, um notwendige Entscheidungen für den laufenden Betrieb fällen zu können.

Ihr Reinhard E. Wagner


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