01.05.2015 | Ausgabe 5/2015

Editorial

Neulich in irgendeinem Wohnzimmer: Familie Mustermann sitzt abends gemeinsam vor dem Fernseher – Fußball-Live-Übertragung. Der Sohn hat den Zwischenstand der parallel laufenden Begegnung auf seinem Smartphone, die Tochter surft auf dem Tablet-PC nach Hintergrundinfos zu ihrem Lieblingsspieler und in der Halbzeitpause sucht der Vater in der Online-Mediathek des Senders nach den Highlights der ersten Halbzeit, während die Mutter per Laptop über einen gängigen Videodienst die aktuelle Folge ihrer Lieblingsserie auswählt. Ein solches Szenario, in dem parallel First- und Second-Screen-Angebote genutzt werden, ist für viele von uns schon alltäglich geworden – gerade in der sogenannten „werberelevanten Zielgruppe“ der 14- bis 49-Jährigen. Dennoch zeigt sie, dass jeder der aktuell diskutierten Verbreitungswege von Bewegtbildinhalten seine Daseinsberechtigung hat.

Die zentrale Frage lautet daher also nicht ob, sondern wie Sendeanstalten die verschiedenen Kanäle künftig bedienen wollen, und welche technische Infrastruktur sie dafür benötigen. Nicht umsonst wurde das Thema OTT-Content-Delivery von den Messeorganisatoren als Schwerpunkt der diesjährigen NAB benannt, auch wenn dies im tatsächlichen Veranstaltungsverlauf nicht allein im Vordergrund stand (dazu mehr in der kommenden Ausgabe).

Diese Ausgabe trägt die Überschrift „Zuschauerbindung 2.0“ und beleuchtet die Themen OTT, Second Screen und Smart-TV aus verschiedenen Gesichtspunkten. Neben aktuellen Informationen zu HbbTV und IP-basierten Produktionsworkflows soll es dabei vor allem um die Fragen gehen: „Was will der Zuschauer eigentlich auf welchen Geräten sehen?“ und „Wie setzen Rundfunkanstalten diese Wünsche der Zuschauer so um, dass sie gleichzeitig so kosteneffizient wie möglich arbeiten und die erzeugten Inhalte auch monetarisieren können?“.

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen unternehmen wir unter anderem auch einen kurzen Ausflug in die Welt der Consumer-Geräte. Beim Lesen werden Sie zudem feststellen, dass diesmal in einigen Beiträgen durchaus etwas mehr Meinung vertreten wird. Dies ist der Komplexität des Themas geschuldet und wir ho en, so den Diskussionsaustausch weiter voranzubringen und neue Denkanstöße zu vermitteln. Natürlich dürfen dabei auch wesentliche Punkte wie Datenschutz und Entwicklungen im Bereich der WLAN-Technik nicht fehlen.

Denjenigen, die nicht am von SMPTE und FKTG organisierten SMPTE Forum 2015: „Entertainment Technology in the Internet Age – A European Perspective“ am 7. und 8. Mai in Berlin teilnehmen können, soll dieses Heft dennoch einen kleinen Einblick gewähren. Die Nachberichterstattung zur Veranstaltung finden Sie übrigens im nächsten Heft.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
Ihre
Angela Bünger


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