01.06.2015 | Ausgabe 6/2015

Editorial

„Kino? Das ist doch in einigen Jahren völlig passé, dann sitzt jeder sowieso nur noch vor dem eigenen Bildschirm zuhause, am besten mit Surround-Sound und 3D…“ Solche oder ähnliche Bemerkungen habe ich zu Beginn meiner Tätigkeit im Bereich der Kinotechnik häufiger gehört, wenn beim Smalltalk die übliche Frage nach dem „Was machen Sie denn so beruflich?“ aufkam.

Das war vor rund zehn Jahren. Damals stand die Branche kurz vor dem Wechsel von 35-mm-Film auf digitale Projektion und viele Kinobetreiber waren unsicher, ob sich die mit hohen Investitionskosten verbundene Umrüstung für sie überhaupt lohnte. Schließlich war die neue Technik noch nicht erprobt und die Arbeitsweise so ganz anders als mit dem guten alten Filmprojektor. Hinzu kam noch die „Konkurrenz“ des Kinos zu Unterhaltungsangeboten wie TV und neuen Medien.

Heute ist die Digitalisierung der Kinos in den westlichen Industrienationen weitgehend abgeschlossen und es zeigt sich, dass der Kinobesuch noch genauso hoch im Kurs steht wie zu Zeiten der Filmrolle. Im Gegenteil: viele Kinos haben neue Angebote in ihr Portfolio aufgenommen und bieten nicht nur die reine Filmvorführung, sondern ebenso alternative Inhalte wie die (Live-)Übertragung von Konzerten, Opern-, Ballett- oder Theateraufführungen, „Premium“-Konzepte mit Service am Platz oder sie nutzen die digitale Projektionstechnik für Firmenveranstaltungen. Das Kino wird zum Event-Center.

Jetzt geht es für einige schon daran, neue Möglichkeiten wie 3D-Ton oder Laserprojektion auszuloten – auch wenn der Kostenfaktor für eine flächendeckende Verbreitung dieser Technologien eine nicht unerhebliche Rolle spielen dürfte. Dieses Heft soll einen kleinen Einblick in die aktuellen Entwicklungen des digitalen Kinos gewähren, von denen viele bereits im aktiven Einsatz sind. Es wird sich zeigen, wohin die Reise für das Kino noch geht. Nur eines scheint inzwischen sicher: das Kino bleibt bestehen.

Die zuvor genannte Entwicklung zeigt eine interessante Parallele zur Broadcast-Branche: Hier stellen sich viele zur Zeit die Frage, ob es das Fernsehen in einigen Jahren noch geben wird. Das Beispiel aus der Kinowelt sollte ihnen zeigen, dass die Umstellung auf dateibasierte Produktion keinesfalls das Ende des klassischen Fernsehens bedeuten muss: Totgesagte leben bekanntlich länger, gerade in Deutschland, über dessen Fernsehgewohnheiten sich kürzlich der Gründer eines bekannten Online-Videodienstes beim Interview mit einer überregionalen deutschen Zeitung wunderte.

Ob Kino oder TV, der vielbemühte Ausspruch „Content is King“ gilt wohl für beide. Wünschen wir uns daher von den verantwortlichen Produzenten gute Inhalte – für die große Leinwand, den TV-Bildschirm und das Smartphone.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
Ihre
Angela Bünger


Newsletter
Ja, ich möchte den Newsletter von FKT abonnieren