01.08.2015 | Ausgabe 8-9/2015

Editorial

Der Sommer neigt sich dem Ende zu und mit dem September kündigt sich wieder einer der aus Branchensicht ereignisreichsten Monate des Jahres an, der gleich zwei große Messetermine auf sich vereint: die IFA in Berlin und die IBC in Amsterdam. Nun könnte man anführen, dass beide Termine unterschiedliche Zielgruppen abdecken, also die IFA etwas für die Freunde der Unterhaltungselektronik ist, die IBC die Anwender professioneller Broadcasting-Technik anspricht. Doch wenn man sich die Kernthemen beider Messen einmal genauer anschaut, merkt man, dass diese sich in vielerlei Hinsicht ähneln: Bei beiden geht es um die Vernetzung von Geräten, die „intelligente Kommunikation“ und Erhebung und Analyse von Nutzerdaten, um Workflows auf Basis von IP-Netzwerken und verbesserte Nutzererfahrung. Lediglich die Sichtweise ist eine andere, es stehen sich Konsument und Lieferant von Medieninhalten gegenüber, wobei die Grenzen in Zeiten sozialer Medien auch hier fließend sind. Die Frage, die sich stellt, ist, was können beide Gruppen voneinander lernen, wo sind ihre Gemeinsamkeiten, in welchen Punkten weichen sie voneinander ab, arbeiten vielleicht sogar gegeneinander?

Ein ganz wesentlicher Punkt, der beide miteinander verbindet, lässt sich in zwei Schlagworten festhalten: „Optimierung“ und „Effizienz“. Beides Themen, die sowohl aus dem privaten als auch aus dem beruflichen Bereich nicht mehr wegzudenken sind. Optimierte Strukturen, effiziente Arbeitsabläufe, damit beschäftigen sich Unternehmen schon seit Jahren. Ein Trend, der vor einiger Zeit auch die heimischen Wohnzimmer erreicht hat: Selbstoptimierung, so heißt es, soll zu effizienterem Tun, mehr Gesundheit und Wohlbefinden und damit insgesamt zu einem besseren Leben verhelfen. Dazu zählen abertausende Anhänger dieser aus Silicon Valley zu uns herübergeschwappten Philosophie tagtäglich ihre Schritte, geben ihren Kalorienverbrauch ins Handy ein oder vermessen ihre Schlafphasen. Zahlreiche Apps versprechen uns mit der perfekten To-Do-Liste eine immense Effizienzsteigerung in einem Alltag, der für viele immer mehr Aufgaben in immer kürzerer Zeit bereithält.

Selbst wenn man das wichtige Thema Datenschutz ausklammert, das – besonders wenn es um persönliche Gesundheitsdaten geht – großes Konfliktpotenzial birgt, sollte sich jeder Einzelne trotzdem immer wieder die Frage stellen, bis zu welchem Punkt diese technischen Helfer in Beruf und Alltag wirklich von Nutzen sind, und ab wann sie vielleicht sogar ein Risiko darstellen und zum Hamsterrad werden können. Dann wird aus dem Ziel des besseren Lebens und Arbeitens gar ein Hinterherhecheln hinter der eigenen Idealvorstellung. Für Unternehmen, gerade im Medienbereich, gilt das gleiche: Eine effiziente Arbeitsweise mit moderner, ausgereifter Technik, die Zeit und Kosten spart, ist natürlich erstrebenswert. Doch auch hier gibt es bei den Nutzern dieser Technik natürliche Belastungsgrenzen, die es zu beachten gilt. Schließlich sollte es darum gehen, gute Inhalte zu produzieren, die den Wünschen der Konsumenten entsprechen. Und bei allem Hang zur (technischen) Perfektion geht dies nur, wenn diejenigen, die für die Produktion dieser Inhalte verantwortlich sind, ihre Arbeit gerne tun.

Ihre
Angela Bünger


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