Rechteklärung in weiter Cyberspace

Forschungsprojekt der FH St. Pölten zur digitalen Rechtssicherung gewinnt "IKT der Zukunft Ideenmarathon"

Das von der FH St. Pölten koordinierte Projekt DALICC – Data Licenses Clearance Center entwickelt eine Software, die bei der Wiederverwendung von Daten aus dem Internet unterstützt. Rechtskonflikte rund um Lizenzen werden automatisch erkannt und der Zeitaufwand der Rechteklärung wird erheblich reduziert. Das Projekt gewann den "IKT der Zukunft Ideenmarathon".

Infografik DALICC. Quelle: Projekt DALICC/ Susan Härtig

Die Auszeichnung wird im Rahmen der „IMAGINE“-Konferenz verliehen, einer Konferenzserie zum Thema Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) der Zukunft. Die „IMAGINE 2017“ fand gemeinsam mit dem Austrian Computer Science Day (ACSD) unter dem Motto „Digitale Impressionen“ in Wien statt, organisiert vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, der Informatik Austria sowie der österreichischen Förderungsgesellschaft FFG.

Tassilo Pellegrini. Quelle: Paul Pölleritzer

Heute beziehen moderne IT-Anwendungen zunehmend Daten aus einer Vielzahl von Quellen – auch aus frei zugängliche Daten aus dem Internet. Daraus ergeben sich Fragen nach der rechtmäßigen Nutzung der Daten gemäß bestehender Gesetze und rechtlicher Bestimmungen. „Insbesondere bei der Wiederverwendung und Kombination von Daten spielt eine belastbare Rechteklärung eine wichtige Rolle. Doch die Herstellung von Rechtssicherheit ist komplex, zeitaufwendig und fehleranfällig“, erklärt Tassilo Pellegrini, Dozent am Department Medien und Wirtschaft der FH St. Pölten und Leiter des Projekts DALICC.

Die Lösung, die das Projekt entwickelt, unterstützt Rechtsexpertinnen und -experten, InnovationsmanagerInnen und AnwendungsentwicklerInnen bei der rechtssicheren Wiederverwendung und Kombination von Daten. „Der DALICC-Service erlaubt die automatische und damit zeitsparende Identifikation von faktischen und potentiellen Kompatibilitätskonflikten zwischen unterschiedlichen Lizenzen und trägt damit zu einer signifikanten Verbesserung und Kostenreduktion in der Rechteklärung bei.“, sagt Pellegrini. Die sonst kostspielige Rechteklärung sei damit für jeden erschwinglich.

Von Lizenzerstellung bis Konfliktlösung

Die Software hinter dem DALICC-Service wird aus vier Modulen bestehen:

  • Der „Lizenzverfasser“ erlaubt das Erstellen von Lizenzen, unter denen ein Werk der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden soll. DALICC bietet diese Lizenzen sowohl in menschenlesbarer als auch maschinenverarbeitbarer Form an.
  • Die „Lizenzbibliothek“ erlaubt es, aus einem großen Pool an Standard-Lizenzen auszuwählen, ohne dass NutzerInnen den Umweg über den „Lizenzverfasser“ gehen müssen.
  • Der „Lizenzannotator“ ermöglicht Benutzerinnen und Benutzern, die gewünschte Lizenz an ein Werk „anzuhängen“. Und der
  • „Lizenzverhandler“ prüft die Kompatibilität von Lizenzen, sofern ein Werk aus unterschiedlichen Lizenzen besteht. Ein öffentlicher Prototyp der Software soll Ende des Jahres 2017 erscheinen. 

Partner im Projekt sind neben der FH St. Pölten die Wirtschaftsuniversität Wien, die Universität Innsbruck, die „Höhne, In der Maur & Partner Rechtsanwälte OG“ und die Semantic Web Company GmbH.  

www.fhstp.ac.at
www.dalicc.net