Internationale Normung öffnet Wege

ETV-Donnerstagslektion am 14. September 2017

Die Welt entwickelt sich rasant: Technologiegebiete wachsen zusammen; ganz neue Anwendungsfelder entstehen. Normung ist dabei immer öfter der Treiber für Fortschritt und Wandel: Sie legt das Fundament für Innovationen und deren Marktakzeptanz weltweit. Inwiefern die internationale Normung als Türöffner für Märkte funktioniert, erläutert Michael Teigeler.

Dipl.-Ing. Michael Teigeler. Quelle: ETV

Die vom VDE getragene DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE erarbeitet Normen und Sicherheitsbestimmungen für die Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik. Die VDE-Bestimmungen basieren heute zum Großteil auf Europäischen Normen. Zu etwa 80 Prozent sind diese Ergebnis der internationalen IEC-Normungsarbeit.

Michael Teigeler studierte in Darmstadt Elektrotechnik und Automatisierungstechnik. Nach seiner Industrietätigkeit in verschiedenen Firmen begann er 1995 bei VDE|DKE, wurde 2005 stellvertretender Leiter der Abteilung für internationale Kooperationen und 2008 deren Leiter. Seit 2012 ist er Geschäftsführer der VDE|DKE (German Commission for Electrical Electronic & Information Technologies of DIN and VDE) und seit 2015 CENELEC Secretary und IEC Secretary der deutschen Komitees.

 

 

 

PD Dr. Volker Jungnickel. Quelle: ETV

 

Weitere Veranstaltungen der ETV-Donnerstagslektion

Optische Drahtloskommunikation (Li-Fi): Anwendungen, Standardisierung und Marktpotential

PD Dr. Volker Jungnickel, Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut, HHI
Am 12. Oktober 2017 um 18 Uhr im VDE-Vortragsaal Bismarckstraße 33, 10625 Berlin

Seit langem verfolgt man die Idee, mobile Kommunikation auch optisch zu realisieren. Hinter dem Namen Li-Fi steckt beispielsweise die Vision, neben dem Funk zukünftig auch die moderne LED-basierte Beleuchtungsinfrastruktur als drahtlosen Netzzugang zu benutzen. Bis zu dieser Massenanwendung ist es noch ein weiter Weg. Er scheint über Spezialanwendungen zu führen, die auch heute schon interessant sind. Dazu gehören das Backhaul für die Anbindung kleiner Funkzellen und die Vernetzung von Straßenlaternen, die drahtlose Kommunikation in der industriellen Fertigung sowie sichere Konferenzräume.

Der Vortrag biete eine Einführung in die Thematik, berichtet über Experimente in diesen Anwendungsszenarien, skizziert die aktuellen Entwicklungen in der Standardisierung und diskutiert das Marktpotential.

Dr. Jungnickel promovierte 1995 in Physik an der Humboldt-Universität Berlin und habilitierte sich 2015 im Fach Nachrichtentechnik an der TU Berlin. Seit 1997 ist er am Fraunhofer Heinrich Hertz Institut auf den beiden Themenbereichen der optischen und der mobilen Kommunikation tätig. Seit 2002 lehrt er an der TU Berlin zu den Themen Multiple-Input Multiple-Output (MIMO), Adaptive Übertragung und Echtzeitverarbeitung.

Em. O. Prof. Dr. Dietmar Dietrich. Quell: ETV

Informationstheorie zur Simulation des neuronalen Organs inklusive der Psyche

Em. o. Prof. Dr. Dietmar Dietrich, TU Wien, 9. November 2017 um 18 Uhr im VDE-Vortragsaal Bismarckstraße 33, 10625 Berlin

Der Geist, die Psyche, die Seele, das Mentale in uns, äußert sich im Denken, im Spielen, im Konstruieren, beim Sex, beim Lachen, beim Planen, ja zu allem, was wir machen. Die Basis ist das Nervensystem, das neuronale Organ. Hier werden die Entscheidungen für unser Handeln getroffen. Doch wie kann man sich die Verbindung zwischen der Neurologie und der Psyche vorstellen? Wie kann ein naturwissenschaftliches Modell dazu aussehen? Diese grundsätzliche Frage führte zum interdisziplinären Projekt SiMA (Simulation of the Mental Apparatus & Applications), in dem unterschiedliche Wissenschaftler von der Elektrotechnik bis hin zur Psychoanalyse international eingebunden wurden.

Der Vortrag behandelt ausgehend von der Theorie von Mealy ein informationstheoretisches Modell, das beschreibt, wie der mentale Apparat mit der neuronalen Basis zu einem einheitlichen, funktionalen Modell zusammengeführt und in Agenten integriert wird. Das Modell umfasst zurzeit mehr als 40 Einzelfunktionen. Zur Validierung werden Fallbeispiele formuliert, in denen die Psychoanalytiker das zukünftige Verhalten abschätzen. Durch die Simulationen konnte 2015 erstmalig die Brücke zwischen neuronalen Netzen und dem mentalem Apparat geschlossen und psychoanalytische Theorien konnten naturwissenschaftlich überprüft werden.

Em. O. Prof. Dr. Dietmar Dietrich übernahm 1992 den Lehrstuhl für Computertechnik an der TU Wien. Ausgehend von früheren Arbeiten zum ASIC Design u. a. zur Kommunikationstechnik, Automation und Air Traffic Control Systems ist sein Forschungsschwerpunkt heute die Modellierung abstrakter Funktionssysteme. Er war ADCOM Member in IEEE/IES, Chair in IEEE Section Austria, associated Editor verschiedener IEEE und EURASIP Journals; Initiator und Mitorganisator vieler Konferenzen, CEN und CENELEC Delegierter sowie Vizepräsident des ÖVE.  


Die ETV–Donnerstagslektionen behandeln aktuelle Themen der Elektro- und Informationstechnik und finden jeweils am zweiten Donnerstag im Monat um 18 Uhr im VDE-Vortragsaal, Bismarckstraße 33, 10625 Berlin statt. Der Eintritt ist frei, ein anschließender Stammtisch im benachbarten Restaurant Don Giovanni, Bismarckstraße 28, Berlin, 10625 gibt Möglichkeiten zu vertiefenden Diskussionen.

Nähere Informationen und das Programm finden Sie unter www.vde-etv-berlin.de. Eine Anmeldung telefonisch unter 030 3414566 oder per Email unter etv-berlin@t-online.de ist gewünscht.