Die ganze Welt des Sports aus einer Hand

Neues Sportproduktions- und Sendezentrum für Sky Deutschland

Mit seinem neuen Sportproduktions- und Sendezentrum „Sky Sport HQ“ ist Sky Deutschland in die Bundesliga-Saison 2017/2018 gestartet. Durch die eigene Produktionsstätte bietet Sky nun die ganze Welt des Sports aus einer Hand, wie Live-Sport-Übertragungen, Sky Sport News HD im Free-TV sowie das neue Sportportal skysport.de. Die Broadcast-IT-Infrastruktur für Live-Sportproduktion soll eine der modernsten und größten in Europa sein.

Quelle: Riedel

Gesamtverantwortung für den technischen Neubau liegt bei dem Systemarchitekt Qvest Media. Das Unternehmen  übernahm die technologische Beratung in der Entwicklungs- und Planungsphase, das Design der Systemarchitektur sowie die Systemintegration, Lieferung und Inbetriebnahme der Broadcast-, Produktions- und IT-Infrastruktur. Die bislang weltweit größte MediorNet-Installation vereint dezentrales Routing, Signaltransport und Processing inklusive integriertem Multiviewer.

Das Headquarter Sky Sport HQ von Sky erstreckt sich über eine  Gesamtfläche von 4.600 Quadratmetern. Es versetzt den Sender in die Lage, sämtliche Sportinhalte in Eigenregie zu produzieren und seinem Publikum auf verschiedensten Verbreitungswegen, wie lineares TV, OTT-Streaming oder via Web-und Social Media-Portale, zugänglich zu machen.

Neben der audio-visuellen Gesamtausrüstung von zwei Live-Studios, den angeschlossenen Regien, diversen Editing-Suites, zehn dedizierten Voice-Over-Kabinen und 16 zusätzlichen Voice-Over-Plätzen verfügt die Infrastruktur außerdem über acht Production Control Rooms (PCRs) und einen Occasional Channel Playout Room (OCPCR) mit angeschlossenem Audio Control Room (ACR) sowie zwei TX Control Rooms zur Steuerung der vier 24/7 Hauptkanäle sowie zehn Occasional Channels. Neben dem Ingest mit bis zu 60 EVS-Aufzeichnungskanälen sowie dem Aufbau einer 84 Quadratmeter großen Studio-LED-Wand für Analysen, Grafiken und Spielszenen, hält die neue Systemlandschaft zudem technologische Neuheiten bereit: So sollen etwa Besonderheiten im Bereich des IP-Backbones, des Studio- und Grafik-Workflows für Augmented Reality sowie der Berichterstattung bei Konferenzproduktionen eine neue Ära in der Live-Produktion bei Sky Deutschland markieren.

Einer der zentralen Workflows ist bei Sky die Live-Sportproduktion und die damit einhergehende Anreicherung der Live-Übertragungen mit Zusatzinformationen und On-Air-Grafiken. Um einen schnellen, übergreifenden und robusten Studio-Workflow der acht PCRs sicherzustellen, kommen dazu diverse Systeme und Anwendungen von Vizrt zum Einsatz. Live-Signale, wie im Fall von Sky bei Live-Ausstrahlungen im Fußball, beim Tennis oder in der Formel 1, werden dabei mittels einer Touch-Bedienoberfläche des Studioautomationssystems Viz Mosart gesteuert. Die Applikationen Viz Pilot und Viz Opus ermöglichen zudem umfangreiche Einsatzmöglichkeiten für die Grafik bei Live-Produktionen. Eine enge Integration mit den übrigen Grafiksystemen und -anwendungen, wie Libero, Arena und Multichannel von Vizrt, sorgt außerdem für einen hohen Automatisierungsrad für die Grafik-unterstützten Analyse-Räume sowie in der On-Air-Einbindung von Grafikelementen. Mit dem Einsatz von Augmented Reality eröffnet sich Sky zudem eine neue Dimension durch die Integration grafischer virtueller Elemente wie zum Beispiel eines „Virtual Windows“ für die LED-Wände. Die neue Technologie nutzt getrackte Kameradaten, um perspektivische Animationen zu realisieren.

Im Zuge der künftigen In-House-Produktion und dem damit erhöhten Aufkommen an Daten wurde erstmals ein originäres Media Asset Management System (MAM) eingesetzt. Sämtliche Workflows bauen sich demnach um das zentrale MAM-System auf, wie beispielsweise der File-und Feed-Ingest, Exportfunktionalitäten, Quality Control sowie Transcoding. Eine Installation von Live-Produktionsservern des Typs XT und XS von EVS sorgt hier mit bis zu 60 Ingestkanälen und 76 Live-Signalen für die erforderliche Kapazität, um ein- und ausgehende Inhalte zu verwalten. „Von besonderer Bedeutung war es in diesem Entwicklungsprozess, die bereits vorhandene Infrastruktur bei Sky Deutschland zu berücksichtigen und in das neue übergeordnete Gesamtkonzept einzubetten“, so Markus Heinen, Head of Systems Integration bei Qvest Media. „Die Wahl im Bereich des Media Asset Managements fiel daher auf ein System von Vizrt, nicht zuletzt um dieses an die bestehende Avid-Infrastruktrur anzubinden“, erläutert Heinen weiter.

Eine weitere Besonderheit, die Qvest Media gemeinsam mit Sky entwickelte, liegt in der Kollaboration der Produktionsteams bei der Live-Berichterstattung von Sport-Events. So wurde auf einer eigens dafür vorgesehenen, offenen Fläche die sogenannte Conference Area geschaffen. Diese verfügt über insgesamt zwölf identisch ausgestattete Produktionsinseln, an denen jeweils Dreier-Teams Live-Konferenzen produzieren können. Dies eignet sich insbesondere für die Produktion von Sport-Events, die zeitgleich an mehreren Austragungsorten stattfinden, wie etwa im Fall der Fußball Bundesliga oder UEFA Champions League. So werden über die Zentralregie die Live-Feeds der verschiedenen Dreier-Teams bedarfsabhängig in das laufende Konferenzprogramm geschaltet. Zusätzlich zur Konferenz im Hauptprogramm wird dem Zuschauer durch den Einsatz eines Occasional Channel Playout Rooms (OCPCR) die Auswahl von bis zu zehn weiteren Sport-Begegnungen über die Occasional Channels als Event-basierte Sendekanäle angeboten. Neben den zehn Occasional Channels verfügt Sky außerdem über vier 24/7-Hauptkanäle, namentlich Sky Sport 1 HD, Sky Sport 2 HD, Sky Sport Bundesliga 1 HD sowie Sky Sport Austria HD. Für die vier Hauptkanäle kommen Imagine Playout Server zum Einsatz, die mittels einer Imagine ADC Automation gesteuert werden.

Auf technologischer Ebene hervorzuheben ist außerdem der Einsatz eines Echtzeitnetzwerks auf Basis einer dezentralen Kreuzschiene für mehr als 1.250 Quellen und Senken des Typs MediorNet von Riedel, das durch ein VSM Broadcast Steuerungssystem von Lawo kontrolliert wird. Das fiber-basierte IP-Backbone verfügt über annähernd 150 einzelne Router-Nodes und ist in dieser Ausbaustufe weltweit bislang einzigartig. Somit gewinnt Sky ein Höchstmaß an Flexibilität und Redundanzmöglichkeiten beim Transport von Audio- und Videodaten sowie bei Processing-Aufgaben wie beispielweise Embedding und De-Embedding in seinem gesamten Produktionsnetzwerk. Außergewöhnlich im Rahmen des Projekts ist außerdem die Integration der Audio-Over-IP-Netzwerke auf Basis von Dante mit den Audioprodukten von Lawo. Qvest Media stellte demnach sicher, dass sich der Hersteller für die Integration des Dante-Protokolls öffnet und auf die Verwendung seines standardmäßig unterstützten Protokolls verzichtet. „Mit Sky Sport HQ realisieren wir unsere Vision von der Sportproduktion der Zukunft: qualitativ hochwertig, State-of-the-Art, smart und innovativ. Mit diesem skalierbaren MediorNet-Systemdesign sind wir für IP-basierte Workflows sowie 4K-Produktionen bestens gewappnet und erreichen maximale Vernetzung in einer neuen Dimension der Flexibilität,“ so Alessandro Reitano, Vice President, Sports Production bei Sky Deutschland. „Wir genießen mit MediorNet den Vorteil der enormen Routingkapazitäten des Echtzeit-Netzwerks, was eine klassische Video-Kreuzschiene überflüssig macht. Zudem freuen wir uns über weitere entscheidende MediorNet-Vorteile: virtueller Multiviewer, Signaltransport und -verarbeitung – alles in einem System.“

Für das zentrale IT-Backbone kommen Core Switches des Typs Nexus 7710 von Cisco mit 10 und 40 Gbit zum Einsatz, die mit Nexus FEX2248TP-E und Catalyst 4948 Access Switchen ergänzt werden. Die Infrastruktur verfügt zudem über einem 735 Terrabyte großen zentralen Isilon Speicher sowie virtualisierte Server auf Basis von HP BL460c Blade Servern und VMWare vSphere6 mit einem Block Storage auf Basis eines EMC Unity 300F für den Einsatz von virtuellen Maschinen und Datenbanken. Die Archivierung von Inhalten erfolgt auf einer mittels SGL Flashnet angesteuerten Quantum LTO7 Library. Nach rund zehn Monaten Bauzeit, einem intensiven Staging-Prozess und mehreren Live-Testproduktionen wurde die hochmoderne Systeminfrastruktur am 1. Juli 2017 in Betrieb genommen.

www.riedel.net

www.qvestmedia.com