Apples Beitritt zum AV1 Codec-Konsortium und was das für die Zukunft bedeutet

Seit Beginn des Jahres ist Apple Mitglied in der Alliance for Open Media. Im Kommentar zeigt Kieran Farr auf, welche Konsequenzen aus der Entscheidung des Unternehmens gezogen werden können.

Quelle: photon_photo

Im Januar sorgte Apple für einiges an Überraschung mit der Ankündigung, ab sofort Mitglied der Alliance for Open Media zu sein, jenem Konsortium, das hinter dem neuen Videocodec AV1 steht1). Bei Bitmovin haben wir diese Ankündigung positiv, wenn auch überrascht, aufgenommen, war Apple doch eine der großen Stimmen die bisher in der Diskussion um AV1 noch gefehlt haben. Nun ist das erfreulicherweise nicht mehr so. Mit diesem Gefühl stehen wir nicht alleine da. Branchenexperten aller orts sind sich einig, dass es sich um einen positiv zu bewertenden Schritt handelt. So auch Matt Frost, Head of Media Strategy and Partnerships beim Team hinter Google Chrome: „Es ist eine absolut wichtige Entwicklung und ein Zeichen dafür, dass sich die Zeiten ändern und Hartnäckigkeit sich bezahlt macht“, wird dieser im Artikel von CNET zitiert2).

Was bedeutet dieser Schritt? Was sind AOMedia und AV1?

Welchen Einfluss hat die Ankündigung für Produzenten und Benutzer? Um die Implikationen richtig zu verstehen, braucht es zunächst ein wenig Hintergrundinformation zu AOMedia, AV1 und HEVC (Leser, die mit der Welt der Videocodecs vertraut sind, können diesen Teil überspringen):

– Bei der AOMedia – Alliance for Open Media – handeltes sich um ein Konsortium bestehend aus Unternehmen, die Ressourcen wie Arbeitszeit, Geld oder Patentrecherche zur Verfügung stellen, um einen komplett freien Videocodec zu entwickeln, der ohne Einschränkungen durch hohe Lizenzgebühren auskommt, wie dies bei anderen Codecs bisher der Fal lwar.

– AV1 – Dies ist der Open Source Videocodec der Alliance for Open Media. Er ermöglicht erhebliche Einsparungen bei der Bandbreite, vor allem im Vergleich zu gegenwärtig populären Codecs wie H.264. Das Ziel von AV1 ist es, eine höhere Qualität bei niedrigeren Bitraten zu bieten, ohne dabei Lizenzgebühren von Vertrieb oder Zuschauern einzuheben.

– HEVC – Ein direkter Konkurrent zu AV1 und als Nachfolger für H.264 entwickelt. Innerhalb der Streaming-Branche sind einige Stimmen zu vernehmen,die Bedenken hinsichtlich der hohen Lizenzgebühren äußern.3) Dies ist eines der Motive hinter der Entwicklun gvon AV1.

Warum ist diese Ankündigung wichtig?

Der Schritt seitens Apple ist deswegen überraschend, weil sich der Konzern bisher hinter HEVC gestellt hatte und diesen Codec auf seinen Geräten mit macOS und iOS implementiert hat. Außerdem ist Apple, historisch betrachtet, stets sehr wählerisch gewesen, wenn es darum ging einem Industrie-Konsortium beizutreten. Üblicherweise stand Apple auf der Seite von Standardisierungsorganisationen wie ISO/IEC, W3C, DVB, IETF, 3GPP, um nur einige zu nennen. Daher kann der Beitritt des Unternehmens zur AOMedia durchaus als ein starker symbolischer Akt für das Potenzial des Konsortiums und AV1 gewertet werden.

Weiterhin reiht sich mit Apple nun ein weiterer großer Name in die bereits beeindruckende Liste der Gründungsmitglieder von AOMedia ein. Dazu zählen Unternehmen wie Amazon, ARM, Cisco, Facebook, Google, IBM, Intel, Microsoft, Mozilla, Netflix und NVIDIA. Damit sind nun praktisch alle großen Marken und Unternehmen mit an Bord bei AOMedia, was ein starkes Signal dafür ist, dass AV1 im Begriff ist, ein ausgereifter Codec zu werden, der eine echte Alternative zu HEVC und den Standardisierungsgruppierungen MPEG und VECG bieten wird.

Bitmovin und AV1

Bitmovin ist bereits seit geraumer Zeit bei AOMedia und der Implementierung des Videocodecs AV1 involviert. Bitmovin war außerdem das erste Unternehmen, das AV1-Unterstützung integriert hat, und zwar sowohl für Live-Streaming als auch für Video-On-Demand.4) Dafü rwurde Bitmovin auch mit dem „Best of Show Award“ beider NAB 2017 des Streaming Media Magazine ausgezeichnet.5)

Vor wenigen Monaten erst haben Bitmovin und Mozilla, der Hersteller des Open-Source-Browsers Firefox, in einer Zusammenarbeit die erste Implementierung eines End-To-End-Workflows mit AV1 vorgestellt.6) Dabei kommen Cloud-Encoding und native Wiedergabe im Browser zum Einsatz. Zu diesem Zeitpunkt hatte Apple seine Beteiligung an AOMedia und AV1 noch nichtöffentlich gemacht, was einige Medien soweit brachte,von dieser Zusammenarbeit als eine Bedrohung für Apple zu sprechen. Die Schlagzeile bei CNET zu dieser Partnerschaft etwa lautete: „Firefox fordert Apple mit 4K-fähiger Videotechnologie heraus.“7)

Mit AV1 loslegen

Es wird wohl noch rund ein weiteres Jahr dauern, bis eine flächendeckende Umsetzung von AV1 Realität wird. Umso mehr freut es uns, Apple mit an Bord des AOMedia-Konsortiums zu wissen, um diese Bemühungen voranzutreiben.

Quelle: Eutelsat

Breitbandausbau per Satellit

Eutelsat Communications hat ein VHTS-Satellitensystem der nächsten Generation mit dem Namen Konnect VHTS (Very High Throughput Satellite) in Auftrag gegeben, um das Geschäft mitfixen Breitbanddiensten und die Anbindung von Flugzeugen zu forcieren. Der von Thales Alenia Space gebaute Satellit soll 2021 in den Betrieb gehen.Der Satellitenbauer entwickelt dafür eine Satelliten- und Bodensegmentlösung, die als wettbewerbsfähigste im heutigen Markt gelten soll. Mit einem Gewicht von 6,3 Tonnen und einer Ka-Band-Kapazität von 500 Gbit/s wird Konnect VHTS nach eigenen Angaben den leistungsfähigsten jemals im Orbit eingesetzten Digitalprozesso ran Bord haben. Dieser teilt Kapazitäten flexibel zu, nutzt das vorhandene Frequenzspektrum optimal zu und unterstützt den Einsatz von Netzwerken am Boden.

Das Projekt wird mit der festen mehrjährigen Verpflichtung von Orange und Thales gestartet. Mit Orange wurde eine Einzelhandelspartnerschaft für den Festnetz-Breitbandmarkt in den europäischen Ländern unterzeichnet, in denen die Gruppe im Handel präsent ist. Zudem wurde eine Vertriebspartnerschaft mit Thales für den Markt für staatliche Anbindungsdienste geschlossen.

Rodolphe Belmer, CEO von Eutelsat, sagte:“Wir freuen uns über die Unterzeichnung dieses Abkommens mit den beiden weltweiten Partnern Orange und Thales. Es belegt die Bedeutung satellitenbasierter Lösungen für das Vorantreiben einerweiter verbesserten Internetabdeckung in Hochgeschwindigkeit.“ Als Schlüsselergänzungstechnologie für terrestrisch eBreitbandnetze würden Hochgeschwindigkeits-Breitbanddienste ab 2020 einwesentlicher Wachstumstreiber für Eutelsat. „Über das nächste Jahrzehnt hinweg werden VHTS-Satelliten genügend Kapazitäten bereitstellen, um die Märkte für Hochgeschwindigkeits-Internet und die Breitbandanbindung von Flugzeugen mit Diensten zu bedienen, die hinsichtlich Preisen und Geschwindigkeiten der Glasfaser ähnlich sind.”

Das Investment in Konnect VHTS ersetzt das Joint-Investment-Projekt mit ViaSat in den Satelliten ViaSat 3 für Europe, Afrika und den Nahen Osten. Es befindet sich im Einklang mit dem Kapitalausgabenziel von Eutelsat, das nach eigenen Angaben bei durchschnittlich 420 MillionenEuro jährlich liegt.