5G: „Chance auf Brückenschlag zwischen Unicast und Broadcast“

Medientage München: Weltweit einheitlicher Rundfunkstandard jetzt möglich

Der neue Mobilfunk-Standard 5G ist EBU-Experte Antonio Arcidiacono zufolge die momentan einmalige Möglichkeit, zum ersten Mal einen einheitlichen Rundfunkstandard durchzusetzen. „Wir haben die große Chance eines weltweiten Standards und des Brückenschlags zwischen Unicast- und Broadcast-Diensten für mobile Geräte auf Basis derselben Übertragungstechnologie“, sagte der Direktor für Technologie und Innovation der Europäischen Rundfunkunion (EBU) auf den Münchner Medientagen.

Antonio Arcidiacono, Direktor für Technologie und Innovation der Europäischen Rundfunkunion (EBU)

Quelle: Medientage München / Medien.Bayern GmbH

Wie weit die aktuelle Entwicklung des 5G-Standards bereits ist und was noch getan werden muss, war Thema des Panels „Towards 5G Broadcast in Europe“ auf den Medientagen, teilt das Institut für Rundfunktechnik (IRT) mit.  

Um den neuen Mobilfunk-Standard europaweit durchzusetzen, hat sich innerhalb der Europäischen Rundfunkunion EBU eine Taskforce gebildet: 5G MAG, die Media Action Group für 5G. Arcidiacono forderte Unternehmen aus dem Medienbereich, der Telekommunikation bis hin zur Automobilindustrie auf, sich bei 5G MAG zu engagieren: „Es handelt sich um ein weltweites Projekt, das wir hier von Europa aus starten. Und dabei geht es nicht nur um Information oder Entertainment, sondern um ein neues infrastrukturelles Level, das wir erreichen können.“

Damit das volle Potential der 5G-Netztechnik für die Produktion und Verbreitung von Medieninhalten genutzt werden kann, bedarf es allerdings noch einiger Forschung. Nach Auskunft von Dr. Khishigbayar Dushchuluun, Head of Radio Systems beim Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT), wird derzeit mit dem Release 16 bereits die nächste Entwicklungsstufe fertiggestellt.

Auch in Frankreich laufen bereits erste Tests mit dem neuen 5G-Standard. So berichtete Jacques Donat-Bouillud, Vice President Broadcast and Distribution bei FranceTV, über Tests in Paris, die über 5G den TV-Programmempfang in der französischen Metropole mobil auf Smartphones ermöglichen sollen. Donat-Bouillud: „Mit den bisherigen Ergebnissen sind wir zufrieden, da wir eine sehr gute Abdeckung erreicht haben.“ Auch in Italien hat der öffentlich-rechtlichen RAI erste Erfahrung in Turin gesammelt. „Wir arbeiten derzeit daran, die Tests auch auf andere Städte auszuweiten“, berichtet Vittoria Mignone, Senior Research bei RAI.

Welche Vorteile 5G Broadcast konkret bietet, war Thema des zweiten Teils des Panels. Insbesondere bei den leistungsintensiven Datenübertragungen der Zukunft bietet 5G enorme Vorteile. So könnten beim autonomen Fahren über Headup-Displays Entertainment-Inhalte, georeferenzierte Empfehlungen oder reisespezifische Services abgespielt werden. Auch im Bereich der Personalisierung von Medieninhalten beispielsweise bei nicht linearen Angeboten (on-demand) bietet 5G neue Möglichkeiten. „Die Diskussionen darüber müssen wir aber unbedingt heute und jetzt führen, selbst wenn die Projekte erst in zehn Jahren realisiert werden“, forderte Dr. Roland Beutler, Distribution Strategy Manager beim Südwestrundfunk. Einigkeit bestand unter den Experten darüber, dass man bis zu den Medientagen 2020 in der Entwicklung bereits deutlich vorangeschritten sein wird und die Verwendung des 5G-Standard im Alltag bereits in naher Zukunft möglich sein wird.

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