bvft legt Bericht zu Tonschnittplätzen in Postproduktion vor

Professionelle Ausstattung und „große Schwankungsbreite“ bei Bezahlung

Einen Bericht zur Ausstattung und Vergütung von Tonschnittplätzen für Sounddesign hat die Bundesvereinigung Filmton (bvft) in Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam vorgelegt. Die Auswertung einer Online-Umfrage zeige das hohe Maß professioneller Ausstattung deutscher Tongestalter - und die große Schwankungsbreite bei der Bezahlung ihrer Tonschnittplätze.

Quelle: bvft

Spätestens seit den frühen 90er Jahren stiegen mit dem Wechsel von analogen zu digitalen Tonformaten die Ansprüche an die Tongestaltung von TV- und Kinofilmen. Veränderte Arbeitsabläufe, sich weiter entwickelnde Wiedergabesysteme und neue technische Möglichkeiten schufen zunehmend komplexe Prozesse in der Tonpostproduktion. Dadurch wuchsen auch die Ansprüche an die technische Ausstattung der Editsuiten der Tongestalter.

Wie diese heute im Detail eingerichtet sind und in welcher Höhe Tagessätze dafür erzielt werden können, darüber gab es bisher keine flächendeckenden und repräsentativen Erkenntnisse. Aus diesen Gründen führte die Berufsvereinigung Filmton (bvft) im Jahr 2018 mit Unterstützung von Crew-United und dem Verband deutscher Tonmeister (VDT) eine Umfrage zum Thema durch. Hierbei wurden soziodemografische Daten der Teilnehmenden, Angaben zu den bewirtschafteten Räumen und deren Ausstattung erhoben, sowie Fragen zur genutzten Hard- und Software als auch zur Auslastung und Vergütung gestellt. Die Antworten wurden im Auftrag der bvft von Prof. Dr. Lauterbach und seinem Team an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam ausgewertet.

Die Studie zeigt anhand der abgefragten Parameter zu Räumlichkeiten und Technik, vor allem aber zum Workflow, dass Sounddesigner technisch und kreativ anspruchsvolle Tätigkeiten ausüben, für die aufwändig ausgestattete Tonschnittplätze und die entsprechenden Investitionen nötig sind. Beispielsweise verfügen 62 Prozent über Möglichkeiten zur Tongestaltung in Surround- oder sogar 3D-Audio Formaten in ihren Räumen.

Bezüglich der erzielten Vergütung zeigen sich sehr hohe Differenzen. Tatsächlich können 36 Prozent der Tongestalter Tagessätze von 200 Euro oder mehr für ihre Arbeitsplätze erwirtschaften. Dem gegenüber stehen aber auch 25 Prozent, welche diese kostenlos den Auftraggebern überlassen. Vor allem für die Region Berlin/Brandenburg deckt die Untersuchung auf, dass hier bis zu 37 Prozent der Tonschnittplätze gar nicht vergütet werden. Eine Praktik, die den gesamten Markt unter Druck setzt und auch die Durchsetzbarkeit angemessener Vergütungen sehr erschwert.

Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sei diese "0-Euro-Praxis" nicht tragbar und gefährde die Zukunftsfähigkeit der Sounddesigner in Deutschland, sagte bvft-Vorstandsmitglied Jörg Elsner. „Ohne einen Tonschnittplatz kann die Tätigkeit nicht ausgeübt werden. Wird dieser zu gering oder gar nicht vergütet, bedeutet dies, dass die Investitionen durch die Gagen finanziert werden. Diese Beträge fehlen nicht nur für den Lebensunterhalt, sondern verschärfen auch die Problematik der sozialen Absicherung und Altersvorsorge.“

Die bvft werde darauf hinwirken, dass sich eine wirtschaftlich sinnvolle und sozialverträgliche Vergütung der Tonschnittplätze in der Postproduktion durchsetzt. Dazu sollen zeitnah Rundfunkanstalten, Filmproduktions- und Postproduktionsfirmen zur Arbeit an einer gemeinsamen Lösung motiviert werden.

Die detaillierte Studie „Tonschnittplätze in der Postproduktion von Spiel- und Dokumentarfilmen“ steht hier als Download zur Verfügung. Eine gedruckte Version kann per Mail bestellt werden. 

www.bvft.de

 

 

 

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