Neues SRF-Produktionszentrum mit virtualisiertem Multiviewer

SRF-Tochter tpc nutzt PRISMON Multiviewer-System von Rohde & Schwarz

Ein „revolutionäres News- und Sportcenter für den SRF“ ist das seit Jahrzehnten ehrgeizigste Projekt von SRF und tpc. Das im Zürcher Stadtteil Leutschenbach gelegene Gebäude basiert auf einer Full-IP-Broadcast-Infrastruktur, die deutlich gestraffte und vereinfachte Workflows ermöglicht. Dabei gilt die Devise „digital first‟ und „mobile first‟. Im Mittelpunkt steht die Video-/Audioqualität. Das Projekt sieht den Wechsel von der programmorientierten Organisation hin zu einem themen- und inhaltsorientierten Ansatz vor. Im Rahmen der Neustrukturierung werden Journalisten als Expertenteams zusammengefasst und nicht mehr nach Programmstrukturen organisiert.

Quellen: Rohde & Schwarz

Höhere Effizienz und Flexibilität sind ein wesentliches strategisches Ziel des Neubaus. Dies hat auch große technische Umwälzungen zur Folge. Durch neu gestaltete Workflows führt tpc über Jahre gewachsene Produktionsinseln zu einem großen neuen technischen Konzept zusammen. Dateibasierte und Live-Workflows rücken zusammen; nationale und regionale Teams arbeiten als integrierte Einheit. Über den gesamten Produktionsprozess vom Ingest bis zum Playout gibt es nur ein Audio-/Video-Metadaten-Backbone, der auf ST 2110 Full-IP basiert.

Das Ziel von tpc und SRF ist ein formatunabhängiger, zukunftsfähiger und effizienter Workflow, der große Veränderungen bezüglich Organisation, Arbeitszeiten, Tools und Systeme mit sich bringt.

Herausforderung Multiviewer

Vom ersten Tag an hatte tpc das Ziel, eine neue und völlig andere Produktionslösung einzuführen. Ein Ansatz, der nach einer Multiviewer-Lösung verlangte. tpc suchte nach einer vollständig virtualisierten Multiviewer-Architektur. „Mit der komplett virtualisierten Plattform haben wir die Flexibilität, die wir immer von einem Multiviewer-System wollten“, erklärt Andreas Lattmann, CTO, Planung & Projekte bei tpc. „Hardware-unabhängig, im Netzwerk integriert und in der Lage, alles anzuzeigen was und wo immer es benötigt wird.“

Andreas Lattmann, CTO, Planung & Projekte bei tpc

In dem neuen Technikgebäude von tpc befinden sich ein Master Control Room, ein zentralisiertes Ingestcenter, verschiedene Fernsehstudios mit unterschiedlichem Multiviewer-Bedarf sowie ein neues Playout- und Postproduktionssystem. „In dieser Umgebung sind die Ansprüche an Multiviewing sehr hoch und aufgabenkritisch“, erklärt Lattmann. „Jeder im Gebäude hat unterschiedliche Bedürfnisse zu sehen, was gerade wo geschieht. Mit dem PRISMON Multiviewer-System von Rohde & Schwarz können wir all diese Anforderungen erfüllen und flexibel auf Änderungen reagieren.“

„Die Flexibilität des virtualisierten Multiviewer-Systems ermöglicht es uns, sowohl operative Teams als auch Journalisten zu unterstützen, indem wir ihnen ausschließlich die Informationen zeigen, die sie für ihre Arbeit benötigen, z.B. bestimmte Quellen und Ziele. Dank dynamischer Setups und der großen Menge an Signalen, die PRISMON verarbeiten kann, lässt sich die Effizienz eines jeden Einzelnen steigern.“

Software-/IP-basierte Systemlösung

Im neuen News- und Sportcenter wird keine Spezialhardware mehr benötigt. tpc nutzt Standard-Dell-Server für das Rendern des Multiviewer-Signals und die Server sind direkt in den ST 2110 Backbone integriert. Dank dieser Implementierung verfügt tpc über die volle Flexibilität einer IP-Umgebung. 
 
Bei der umfangreichen Projektplanung arbeiteten tpc und Rohde & Schwarz eng zusammen. „Zahlreiche Tests und Konzeptnachweise zeigten, dass kritische Punkte wie Bildqualität, Latenz und Funktionalität von PRISMON voll erfüllt werden“, erklärt Lattmann.

Die beiden Firmen wollen den Einsatz von PRISMON weiter optimieren und alle Vorteile, die das neue virtualisierte System bietet, voll ausschöpfen. „Das Produkt ist auf dem neuesten technischen Stand und es werden laufend Erweiterungen in PRISMON integriert. Die Verwendungs- und Einsatzmöglichkeiten des Systems werden durch neue Funktionen und Releases stetig verbessert“, so Lattmann.

Integration von Fremdsystemen auf Basis von ST 2110

Im neuen Produktionszentrum wird R&S PRISMON zusammen mit Technologie von Nevion integriert. tpc nutzt VideoIPath von Nevion als Orchestrierungslösung für sein Echtzeit-Netzwerk. Dieses System ermöglicht Signal- und Bandbreitenmanagement, Redundanz, Adressverwaltung und vieles mehr. VideoIPath basiert auf ST 2110 und ist das Gehirn des gesamten IP-Systems einschließlich Multiviewing.
„ST 2110 ist der künftige Standard für Audio-/Video-Liveproduktionen und Zusatzdatenmanagement in professioneller Umgebung. Der offene Standard hilft uns bei der Migration hin zu einer vollständig COTS-basierten, IT-produktbasierten Infrastruktur; wir können damit alle unsere Anforderungen an Echtzeitsysteme erfüllen, wie Planbarkeit, Stabilität, Synchronisation, Skalierbarkeit, Formatunabhängigkeit und Zukunftsfähigkeit“, erklärt Lattmann. „Dies ist eine einmalige Gelegenheit, eine vollständig neue Infrastruktur als Greenfield-Projekt aufzubauen – und wir wollen dies mit modernsten Konzepten umsetzen. Wir haben uns diesem Standard schon früh verpflichtet und sind Mitglied von SMPTE und seiner Standardgruppe AIMS und AMWA. Also brauchen wir Partner, die die gleichen Standards unterstützen: So wie Rohde & Schwarz mit PRISMON Multiviewer.“

Wie verbessert der IP-basierte Betrieb nun die Workflow-Effizienz im neuen Produktionszentrum? Mit dem durchgängigen End-to-End-Konzept von tpc stehen im Gegensatz zum früheren inselbasierten Konzept alle Signale in der gesamten Produktionsinfrastruktur zur Verfügung. Dank umfassendem Überwachungssystem hat tpc die Reaktionszeit bei Ausfällen im System verkürzt. Mit dem R&S PRISMON Multiviewer-System kann tpc sicherstellen, dass an jedem Punkt im Prozess Signale in der erwarteten Qualität bereitstehen.

Ergebnisse

Jetzt, da das PRISMON Multiviewer-System installiert und in Betrieb ist, kann Andreas Lattmann die Ergebnisse des Projekts beurteilen. „Mit der Installation von PRISMON auf COTS-Servern durch Rohde & Schwarz-Techniker sind wir sehr zufrieden“, sagt er. „Alle offenen Punkte wurden von Rohde & Schwarz geklärt und professionell erledigt. Da die Anwendung auf COTS-Servern und einer VM-Plattform installiert ist, können wir den Umfang des Systems ganz nach Bedarf schnell und einfach erweitern oder verschlanken.“

Ein zentrales Lizenzmanagement ermöglicht die Anpassung des Systems an jeden Arbeitsplatz, der besondere Funktionen benötigt. Dank der Messfunktion von R&S PRISMON ist an vielen Arbeitsplätzen kostspielige Messtechnik nicht mehr nötig. „Es ist sehr hilfreich, dass PRISMON auf standardisierten Schnittstellen basiert. Die Integration einer Best-of-Breed-Lösung mit Steuerungssystemen anderer Hersteller war so ganz einfach“, schließt Lattmann.

Zum SRF

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) ist eine Schweizerische Sendeanstalt, die 2011 aus dem Zusammenschluss des Radiosenders Schweizer Radio DRS und des Fernsehsenders Schweizer Fernsehen entstand. Diese neue Unternehmenseinheitseinheit der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR) entwickelte sich sofort zum größten elektronischen Medienhaus in der deutschsprachigen Schweiz. Etwa 2.150 Beschäftigte arbeiten für SRF in den vier Hauptstudios in Basel, Bern und Zürich.

Die tpc Switzerland ag ist verantwortlich für die gesamte Technik und Produktion der Fernseh-, Radio- und Multimediabeiträge von SRF. Sie ist eine Tochtergesellschaft der SRG SSR und führender Broadcastdienstleister der Schweiz mit umfassendem Knowhow in der Planung, Realisierung und im Management audiovisueller Projekte. Die 1.000 Spezialisten von tpc arbeiten auch für externe Kunden. "Top ausgerüstete Studios", Postproduktionslösungen und eine multifunktionale Fahrzeugflotte bilden die Grundlage für hochwertige Broadcast-Lösungen dank innovativer Technologien. Bei Bedarf kooperiert tpc mit externen Partnern, um seinen Kunden ein optimales Leistungspaket zur Verfügung zu stellen.

www.srf.ch

www.tpcag.ch

www.rohde-schwarz.com