Fraunhofer HHI mit neuer Software für Videokodierstandard H.266/VVC

Encoder und Decoder: Quellcode für nicht-kommerzielle Nutzung frei verfügbar

Nur zwei Monate nach Verabschiedung des neuen Videokodierstandards H.266/Versatile Video Coding (VVC) präsentiert das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI) die weltweit erste dazugehörige optimierte En- und Decoder-Software. Unter den Namen Versatile Video Encoder (VVenC) und Versatile Video Decoder (VVdeC) wurde eine leistungsstarke Software entwickelt. Diese nutzt die Möglichkeit einer signifikanten Reduktion der Videodatenmenge, die der neue Standard bietet, voll aus. Der Quellcode ist ab sofort für die nicht-kommerzielle Nutzung auf der Softwareentwicklungs-plattform GitHub frei verfügbar.

Quelle: Fraunhofer HHI

Forschungsgruppen und Entwicklungsteams können die Software als Basis für die Entwicklung VVC-basierter Dienste und Produkte nutzen. So können klassische Videoanwendungen wie Streaming deutlich effizienter gestaltet werden, aber auch neu aufkommende Anwendungen für Virtual- und Augmented-Reality (VR/AR) können entscheidend vorangebracht werden.

Komprimierte Videodaten machen derzeit schon 80 Prozent des weltweiten Internetverkehrs aus. Der Videoübertragung kommt somit eine hohe Bedeutung zu. Durch eine deutlich verbesserte Kompression schafft der neue Videokodierstandard H.266/VVC eine zusätzliche signifikante Datenreduktion bei gleicher visueller Qualität in Höhe von 50 Prozent der Bit-Rate gegenüber seinem Vorgängerstandard H.265/High Efficiency Video Coding (HEVC). Hierdurch wird eine deutlich schnellere Videoübertragung bei gleicher wahrgenommener Bildqualität möglich.

Insgesamt sorgt H.266/VVC für eine effizientere Übertragung und Speicherung sämtlicher Videoauflösungen von SD über HD bis zu 4K und 8K. Zudem werden High Dynamic Range Video und omnidirektionales 360-Grad Video voll unterstützt. An der Entwicklung und Standardisierung des neuen, gemeinsamen ITU-T und ISO/IEC Standards waren neben dem Fraunhofer HHI zahlreiche namhafte Partner aus der Industrie beteiligt.

„Wir freuen uns, dass wir bereits kurz nach Fertigstellung von H.266/VVC eine erste optimierte Software zur Verfügung stellen können,“ sagt Dr. Detlev Marpe, Abteilungsleiter Videokodierung und Maschinelles Lernen am Fraunhofer HHI. „Entwickler und Entwicklerinnen auf der ganzen Welt haben jetzt die Chance, auf dieser Basis verschiedene Anwendungen zu entwickeln, so dass die Allgemeinheit in absehbarer Zeit von den Vorteilen, die H.266/VVC mit sich bringt, profitieren wird.“

„Wir sind stolz darauf, dass wir nicht nur technisch den neuen Standard entscheidend mit geschaffen haben, sondern unser Wissen zugleich genutzt haben, um parallel zu H.266/VVC eine standardkonforme Software als Basis für reale Anwendungen zu entwickeln. Mit der Veröffentlichung und der freien Verfügbarkeit der Software wollen wir die Videotechnologie einen wichtigen Schritt voranbringen,“ kommentiert Dr. Thomas Schierl, Abteilungsleiter Videokodierung und Maschinelles Lernen am Fraunhofer HHI.

„Unser optimierter VVC-Encoder kann entsprechend unterschiedlicher Anforderungen an Qualität und Laufzeit flexibel konfiguriert werden. Dabei steht das volle Kompressions-Potenzial von H.266/VVC zur Verfügung. Unsere Software ist frei verfügbar und wir laden Entwickler und Entwicklerinnen auf der ganzen Welt dazu ein, sich an der Weiterentwicklung zu beteiligen sowie ein breites Spektrum an Anwendungen zu schaffen,“ sagt Benjamin Bross, Gruppenleiter Videokodierungssysteme am Fraunhofer HHI.

Die En- und Decoder-Software VVenC bzw. VVdeC ist auf GitHub verfügbar.

https://www.hhi.fraunhofer.de/

 

 

 

 

 

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