Sprachverständlichkeit: BR startet Pilotbetrieb Dialog+ via HbbTV 2

Zusätzliche Audiospur: Sprachanteile werden gegenüber Originalmischung stärker hervorgehoben

Der Bayerische Rundfunk testet in einem Pilotbetrieb die Ausstrahlung einer neuen Tonspur. Zuschauer erhalten damit die Möglichkeit, sich via HbbTV 2 für Dialog+ als Alternative zum regulären Sendeton (Originalmischung) zu entscheiden. Dialog+ ist ein zusätzliches Audioangebot mit dem Ziel, die Sprache in einer Fernsehsendung leichter und besser verstehen zu können.

Fernbedienung und BR Dialog+ auf einem Fernsehmonitor

Quelle: Bild: BR / Petra Decker

Bei Dialog+ Tonfassungen sind die Hintergrundtöne (Geräusche, Musik, Atmosphäre) verringert. Dadurch werden die Sprachanteile gegenüber der Originalmischung stärker hervorgehoben. Die Audioanalyse und Generierung der sprachbetonenden Dialog+-Tonmischung erfolgt dabei automatisiert auf Basis der Originalmischung durch einen Algorithmus.
Ziel von Dialog+ ist es, die Höranstrengung bei der Verständlichkeit von Sprache zu vermindern und gleichzeitig ein angenehmes Fernseh­erlebnis zu schaffen. Gestalterische und klangliche Aspekte sind zwar weiterhin von Be­deutung, stehen bei Dialog+ aber nicht im Vordergrund.

Dialog+ startet im Rahmen des Pilotbetriebs mit Naturdokumentationen im BR Fernsehen. Zum Auftakt wird die Sendung "Die Bayerische Donau – Eine Winterreise" am 5. Dezember um 13.30 Uhr mit Dialog+ ausgestrahlt. Als nächste Sendung im Pilotprojekt ist die Dokumentation "Die Pistenbären von Whistler“ am 12. Dezember um 10 Uhr geplant.
Das neue Angebot ist regelmäßig auch für BR-Produktionen der Sendereihe "Natur exclusiv“ jeweils samstags um 16.15 Uhr vorgesehen.

Über die HbbTV-Startleiste stehen in der Applikation "BR Dialog+“ die Originalmischung und Dialog+-Tonspuren mit unterschiedlich stark betonten Sprachanteilen zur Auswahl. Um die Dialog+-Tonspuren hören zu können, sind folgende technische Ausrüstung und Verbindungen erforderlich: Empfang via Satellit und ein HbbTV 2-taugliches Fernsehgerät (Smart-TV), das mit dem Internet verbunden ist. (Geeignete Geräte zeigen die BR-Dialog+-Applikation in der HbbTV-Startleiste im BR Fernsehen an)

Der BR hat in einem internen Innovationsprojekt in Kooperation mit dem Institut für Rundfunktechnik (IRT) und dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) die Möglichkeit zur automatischen Erzeugung von Dialog+-Tonfassungen durch Dialogseparation untersucht. Zugleich wurden vom IRT mit Laien und Experten Hörversuche durchgeführt und die Wirksamkeit verschiedener automatischer Verfahren geprüft.

Technischer Hintergrund

Zum Einsatz kommt bei "BR Dialog+" der neue Technikstandard HbbTV 2, den auch das IRT entscheidend mitentwickelt hat. Kooperationspartner ist das Fraunhofer IIS mit einer KI-basierten Eigenentwicklung für die erforderliche Dialogseparation. In einem weiteren Pilotprojekt zeigt der BR gerade, dass individuell zuschaltbare Tonspuren ein zusätzliches barrierefreies Angebot ermöglichen: Die Sendereihe “Hubert und Staller“, jeden Freitag um 20.15 bis 21.45 Uhr im BR Fernsehen, wird mit "BR Audiodeskription" ausgestrahlt. Bei dieser Test-Applikation steht die Nutzung am Mobilgerät für ein inklusives gemeinsames Fernseherlebnis von nicht-sehenden und sehenden Menschen im Vordergrund.

Hinweis: Lesen Sie hier einen Hintergrund-Beitrag zu "Dialog+ und Dialogseparation zur Verbesserung der Sprachverständlichkeit im Rundfunk" (erschienen in: FKT 11/2020, S. 34ff).



www.br.de

www.irt.de

 

 

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